Khoa Sok Nationalpark – 14.02 – 15.02.2018

Um 8 Uhr stehen wir auf, packen unsere Backpacks und checken aus. Wir frühstücken im Hostel von Ellen und Dirk, wobei ich mich auf eine mitgebrachte Packung Kokoscracker konzentriere. Nachdem wir die Rucksäcke im Zimmer der beiden verstaut haben wechsele ich den Verband an meiner Ferse, ziehe die Wanderschuhe an und dann gehts auch schon mit dem Minibus Richtung Haupteingang. Auf dem Weg halten wir noch kurz an, um die Gruppe mit Stirnlampen zu versorgen. Ich kaufe keine, aber nehme mir mit Dirk gleich noch Packung Streetfood mit, das himmlisch schmeckt, aber bei näherem Betrachten verdächtig nach Schweinefuss aussieht… 😀

Im Bus führt die ganze Gruppe, die größtenteils aus Niederländern besteht, gefolgt von Deutschen, zwei Schwedinnen, zwei Amerikanern und einem Briten, unglaublich interessante Gespräche über Vorurteile über bestimmte Länder. So sprechen wir mit den beiden Amerikanern, die aus Chicago und San Francisco kommen, beispielsweise über ihren Schulunterricht, Waffengesetze und natürlich auch über Trumpwähler. Besonders die Waffengesetzte bekommen in der Retroperspektive wieder ein stärkeres Gewicht, war doch erst gestern wieder ein Amoklauf in einer amerikanischen Schule mit 17 Toten. Aber gerade diese Gespräche erweitern unglaublich den eigenen Horizont, hinterfragt man sie doch gemeinsam und versucht, dem Kern der Vorurteile etwas näher zu kommen.

An uns zieht derweil eine atemberaubende Landschaft vorbei, die riesigen Speckstein- und Kreidefelsen, die sich teils bewaldet teils von Regen und Zeit glatt gewaschen über den Dschungel erheben sind unglaublich beeindruckend. Auf den Bildern, die ich zuhause gesehen hatte konnte ich mir nicht vorstellen, wie es hier wohl sei. Nun, wo ich hier bin, und die teilweise 680 Meter senkrecht aufragenden Steilwände sehe, fehlen mir glatt die Worte sie zu beschreiben.

An einem kleinen Hafen steigen wir dann vom Minibus um in motorisierte, typisch thailändische Langboote. Vom Wasser aus wirkt die Landschaft noch beeindruckender, und vielen wird hier das Alter der Felsformationen so richtig bewusst. Man kann sich bildhaft vorstellen, wie hier schon vor 140 Millionen Jahren, als der Park entstand, Dinosaurier durch die Wälder gezogen, und seltsame Wesen auf der Jagd nach Beute durchs Wasser gezogen sind. Es hat etwas urtümliches, magisches hier über das Wasser zu gleiten. Und natürlich haben wir als Gruppe auf dem Boot einen Heidenspaß.

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Dann kommt, nach zirka einer Stunde Fahrt, unsere Unterkunft in Sicht: ein kleines Dorf von aus Bambus und Palmenblättern gebauten Hüttchen, die auf dicken Baumstämmen im Wasser treiben. Sobald wir angekommen sind schmeissen wir unsere Rucksäcke in die kleinen, schwimmenden Hütten und springen selbst in den See. Die Erwartung eines kühlenden Nass wird jedoch nicht bestätigt, das Wasser hat sicher (sehr angenehme) 27, was verständlich ist, beträgt doch schon die Lufttemperatur knapp 32 Grad. Wir planschen eine Stunde im Wasser, nach einem kleinen Mittagessen geht es dann auf Wanderschaft. Wir steigen wieder in das Langboot, das uns nach zwei Minuten an einem lehmigen Ufer absetzt. Von dort aus geht es direkt in den grünen Dschungel Südthailands. Zum Glück habe ich neue Wanderschuhe, die meinen doch in Mitleidenschaft geratenen Fuss gut stützen, zudem einen Bambusstock, den ich zufällig gefunden habe und den ich nun als Krücke benutze. Weil hier so viele Leute sind, die noch weiter nach Neuseeland reisen, und ich es liebe ihnen Tipps für die Reise mit auf den Weg zu geben, und weil Herr der Ringe dort gedreht wurde bekomme ich ziemlich schnell den Spitznamen „Grandpa Gandalf“ verliehen. Ein Zauberer aus Tolkins Sagenwelt, der immer mit einem langen Gehstock durch die Gegend schreitet. Und dann ist da noch Dirk, der mir, als logischerweise Gruppenlangsamster, nicht von der Seite weicht. Er freut sich sichtlich darübe, etwas von der Gruppe abzufallen und die Ruhe zu genießen, die von dem Wald ausgeht. Natürlich ist es hier alles andere als still. Man hört exotisches Vogelgezwitscher, den Wind in den meterhohen Bambusrohren und ab und zu auch die Schrei einer Affenfamilie. Dirk will ein bisschen Reisen, um Stress abzubauen. Ich erzähle ihm während der Wanderung wie ich meine Reisen „plane“ und gebe ihm ein paar generelle Tips was Equipment, Unterkunftbuchung, etc angeht. Neben uns stehen gigantische Urwaldriesen, Palmenstauden und Bambus, es ist angenehm kühl im Statten des Laubwerks.

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Wir waten durch Bäche, bis meine Wasserfesten Schuhe von oben geflutet werden, das Wasser werde ich natürlich nicht mehr los. Das macht aber überhaupt nichts, denn schon bald sind wir am Eingang einer Höhle. Es ist ein teilweise über 15 Meter hoher Tunnel, von einem der Flüsse in den Fels gefressen. Und der Fluss ist natürlich immer noch in der Höhle, was für uns nasse Füße bedeutet. In der Höhle ist eine super Akustik, weshalb Andreas (der Engländer), Amanda (Schwedin) und ich Song um Song schmettern. Am besten klingt natürlich Bohemien Rhapsodie von Queen, das durch das Echo fast an das Original rankommt. Dabei vergesse ich völlig, Fotos zu machen, weder von den Stalagmiten, Stalaktiten, den Fledermäusen oder dem unterirdischen Fluss kann ich euch welche zeigen, aber wie ne Höhle aussieht weis man ja in der Regel. Mein Fuß macht erfreulicher weise mit, nach cirka einer Stunde sind wir aus der Höhle und der Austritt aus dem engen, dunklen Loch in das grüne, gleissende Licht ist ne ziemlich coole Erfahrung. Nach der Wanderung zurück zum Boot fahren wir wieder zu unseren FloatingHouses und schwimmen den Rest des Tages in dem klaren, warmen Wasser des Stausees oder kajaken mit den umsonst bereit gestellten Booten zu den kleinen Buchten, die das Dorf umgeben. Ich bin mal wieder in einem kleinen Paradies gelandet

Abends ging es dann auf eine einstündige Nachtsafari, die wir gemütlich vom Boot aus genießen konnten. Gelaufen sind wir heute genug. Wir treiben am Ufer und beobachten zwei kleine Äffchen, die direkt über uns in den Wipfeln der Bäume sitzen und nach Futter suchen.

Danach gehts zum Abendessen, es gibt Fisch, verschiedene Arten von Curry und gebratenem Gemüse, dazu Reis. Wir sitzen bis lange in die Nacht zusammen und haben viel Spass beim gemeinsamen Gespräch. Zufällig setzt sich hierbei der „Jungstertable“ zusammen, ich bin mit 20 Jahren der älteste. Die beiden Schwedinnen haben genau wie der Rest gerade die Schule beendet, und die Pläne der Leute sind faszinierend. Ich genieße die Gesellschaft und gehe erst sau spät über den schwankenden Pier zu meiner Hütte zurück.

Der nächste morgen beginnt früh. Genauer gesagt sehr früh. Um halb 5 beginnt der Dschungel wach zu werden, wenn er denn überhaupt geschlafen hat. Die Vögel starten ihr Konzert, die Affen schreien, die über dem See glitzern Sterne verblassen langsam, und ein müder Sven versucht, ein hübsches, übermüdetes Foto von sich zu schießen. Klappt nicht so gut 😀

Noch vor dem Frühstück geht es wieder auf das Langboot und wir fahren hinaus auf den See. Die Sonne geht hinter den Bergen auf und taucht sie in blauoranges Licht. Und dann schaltet der Bootsmann den Motor aus und wir hören die Stille.

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Ich schwärme noch im Boot, wie schön jetzt doch ein Pfannkuchen mit Bananen und Honig wäre, und zum großen Amüsement meiner Begleiter gibt es genau das, als wir anlegen. Wir frühstücken, dann gehe ich mit Amanda (einer der Schwedinnen) auf eine schöne Kajaktour. Das war echt super, wir hatten die Buchten für uns alleine, und weil wir nur flüsternd unterwegs waren, um die friedvolle Atmosphäre zu genießen, kamen wir ganz unverhofft in einen ganz besonderen Genuss. Direkt neben uns am Ufer, in zirka 3 Metern Entfernung sitzt eine Affenfamilie. Knapp 15 Tiere sitzen beieinander und lausen sich gegenseitig. Überwältigend, die Tiere in freier Natur zu sehen.

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Die anderthalb Stunden auf dem Wasser verfliegen wie im Flug, und leider ist danach unsere Zeit im Khoa Sok Nationalpark schon wieder vorbei. Wir steigen wieder in das Langboot, das uns zu einer weiteren Höhle bringt. Diesmal mache ich Fotos und lasse diese einfach mal auf den Leser wirken.

Wir fahren an eine kleine Halbinsel, wo es gebratenen Reis mit Gemüse gibt und wir ein herrliches Bad nehmen. Auch hier wieder einfach nur Bilder, um euch neidisch zu machen 😀

Nach all der schönen Zeit beginnt aber mit der Ankunft am Hafen der Stress. Wir haben keine Unterkunft, also fahren wir erstmal zu Dirk und Ellens Hostel, weil da ja unsere Rucksäcke liegen. Die sehr netten Besitzer des Hostels bieten uns sofort an, dort zu Übernachten, weil es aber ein bisschen teuer ist sagen wir, wir überlegen es uns. 10 Minuten später bestätigen wir unseren Aufenhaltswunsch… nur ist uns jemand zuvor gekommen. 1 Minute bevor wir zu ihr gegange sind hat jemand online den letzten Bungalow gemietet. Ok Scheisse gelaufen. Wir essen schnell zu Mittag, dann miete ich ein anderes Hostel für die Nacht via „Hostelworld“ und die netten Besitzer des Hostels, für das wir zu spät dran waren, bringen uns sogar umsonst dahin. Wir lassen dafür natürlich ein kräftiges Trinkgeld springen. Bei 32 Grad mit den Backpacks ne halbe Stunde laufen ist kein Zuckerschlecken.

Am Hostel gebuchten Hostel angekommen, in dem auch die Schwedinnen und der Engländer untergekommen sind, werden wir jedoch noch einmal bitter enttäuscht. Bei der Buchung ist etwas schief gegangen, wir haben für morgen gebucht, nicht für heute… Und auch hier wurde der letzte Raum 5 Minuten vorher weggeschnappt. Murphy’s Law schlägt mit aller Macht zu. Und es kommt noch dicker. Den Weg zum nächsten Hostel finden wir nicht auf anhieb, wir laufen nämlich in genau die entgegengesetzte Richtung. Bei 32 Grad wohlgemerkt.

Dann wiederholt sich ein Missgeschick vom letzten Jahr, Kalle vergisst seine Kreditkarte im Geldautomaten, wie ich letztes Jahr auf Bali. Wir verbringen über anderthalb Stunden uns mit Händen und Füßen – was am Telefon verdammt schwer ist – mit dem Callcenter zu verständigen und hoffen, dass Kalle die Karte bis morgen wieder bekommt, denn dan geht es für uns beide weiter.

Wir laufen in abendlicher Kühle bei 26 Grad zu unserem Hostel, was super ist. Wir wohen in einem Baumhaus ein paar Meter über dem Boden, und eine Bar ist in direkter Nachbarschaft. Dort haben wir uns mit den Schwedinnen Amanda und Louise, Andreas dem Briten und Ellen und Dirk aus den Niederlanden verabredet, und wir genießen ein paar Getränke zusammen.

Ende gut, Alles gut

Blog von Louise: http://louiseresedagbok.blogg.se

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