26.05. 2017 – Reality Tour, beide Seiten der Schere

Zum Frühstück gibt es wieder Omelett mit Tomaten und Zwiebeln, dazu den köstlichen indischen Tee, der auch ein bisschen Schärfe in sich trägt. Gestern hatte uns der Host von einer Führung einer Organisation namens Reality Tour erzählt, eine Tour durch Dharavi, das größte Slum Asiens, wenn nicht sogar der Welt. Wir haben ganz ehrlich Skrupel, ob wir dieser Tour beiwohnen sollen, ein einerseits weil wir es irgendwie falsch finden, als reiche ganz offensichtliche Europäer mit dem Rucksack durch eine der Gegenden zu laufen, in dem die Ärmsten der Armen wohnen. Andererseits bin ich mir auch nicht sicher ob ich das wirklich sehen möchte, das Bild eines bettelnden indischen Mädchens vor fünf Jahren verfolgt mich immer noch und ist seit dem sehr präsent in meinem Kopf, und eigentlich sind es solche Bilder, die man nicht sehen und verdrängen möchte.

Schlussendlich ist aber genau das der Grund, der Tour doch zuzustimmen, denn man muss einfach wissen worauf auch unser Wohlstand aufbaut, und die Augen vor Tatsachen zu verschließen ist generell die dümmste Sache, die man machen könnte. Also setzen wir uns nach dem Frühstück ins Zimmer, ich schreibe schnell den Blog, dann ist es Mittag und wir setzen uns in den Zug zur Station „Lower Parel“.

Dort angekommen müssen wir erst einmal den Treffpunkt finden, nach einigem herumfragen, in die Irre geleitet werden und erneutem fragen finden wir diesen dann, sehr auffällig an der Traube Weißer zu erkennen, die deutlich aus der Masse herausragen. Wir Gesellen uns dazu, und da Mumbai ja nicht das typischste Urlaubsziel ist treffen wir hier einen Haufen interessante Leute, die uns auch sofort freundlich anquatschen. Ein französisches Pärchen ist auf dem Weg von Kambodscha über Indien in den Iran, was laut ihren Freunden ein super schönes Reiseland sei. Auch die drei Jungs von denen ich gelesen habe (die mit dem Londoner Taxi) haben das geschrieben, es scheint also irgendwas zumindest dran zu sein. Dann ist da noch ein junger Typ aus Amerika, der 10 Wochen durch Indien und Asien reisen möchte und ein Kardiologe aus Freiburg, der auf einer Konferenz hier ist und nebenbei auch noch etwas vom Land sehen möchte. Die Truppe ist also bunt, und wir sind gespannt was uns erwartet. Insgeheim mache ich mich auf das Schlimmste gefasst.

Die Gruppe wird in zwei kleinere Grüppchen von vier beziehungsweise fünf Personen geteilt, wir sind mit dem Guide Champ, dem deutschen Kardiologen und einer Italienerin unterwegs, die allerdings lieber auf ihr altes Klapphandy einhämmert als sich mit uns zu unterhalten.

Auf der von den unten fahrenden, Zügen vibrierenden Überführung startet unsere Führung mit ein paar Fakts and Figures.

In ganz Mumbai gibt es über 2000 Slums! Das allein muss man sich mal vorstellen. Die Definition eines Slums dabei ist wohlgemerkt ein nicht genehmigtes Gebäude oder eine Siedlung dieser auf regierungseigenem Grund und Boden. Also kann in der Theorie auch ein Hundertmillionen Dollar Gebäude ein Slum sein, wenn es nur schwarz gebaut wurde – in der Praxis übrigens auch, denn dieses Beispiel gibt es wirklich.

„Unser“ Slum ist mit der Größe von 500 Fußballfeldern und einer Einwohnerzahl von offiziell einer Millionen Menschen das größte Slum Asiens (wenn nicht gar der Welt, das müsste aber noch mal recherchiert werden bevor ich das so ohne Klammern schreibe), inoffiziell ist die Einwohnerzahl allerdings mindestens um die Hälfte höher. In Mumbai leben insgesamt fast 11,5 Millionen Menschen in einem Slum, und teilen sich teilweise zu neunt und mehr eine winzige Wohnung, die kleiner ist als ein typisch europäisches Badezimmer.

Obwohl die Regierung (bis 2004) Sozialwohnungen beim diesem Slum gebaut hat wollen dessen meisten Bewohner in ihren Hütten bleiben und nicht in 30m^2 gratis zur Verfügung gestellten Wohnungen ziehen.

Und warum das so ist, dass zeigt uns unser Guide jetzt.

Dharavi ist kein Ort an dem die Menschen im Dreck in kleinen Hütten vor sich hinvegetieren, Däumchen drehen und in Verzweiflung ertrinken. Ganz im Gegenteil, das Slum ist ein summender Bienenkorb der Produktivität, der Freundlichkeit und der Nachbarschaftshilfe. Die Gemeinschaft greift ineinander wie ein Uhrwerk und ist vor allem eins: Produktiv.

Der Hauptwirtschaftszweig der Stadt in der Stadt, dem „Core of Mumbai“ ist das Recycling von Plastik. Jeden Tag werden zehn Tonnen Plastikmüll angeliefert, sortiert, gereinigt, geschreddert, eingeschmolzen und zu Pellets verarbeitet, die dann von Großkonzernen in Tastaturen, Handys, Stühle und vieles mehr verwandelt. Diesen Prozess sieht man ja am besten bei der Sendung mit der Maus, wir wissen jetzt, wie die Pellets entstehen.

Wir werden auf das Dach einer Plastikwäscherei geführt, von dem man wirklich einen Eindruck bekommt, wie riesig das Gebiet ist, und wie dicht es bebaut ist. Auf den Dächern stapelt sich Müll, Kinder spielen aber auch Fußball. Fotos machen ist aus zweierlei Gründen nicht erlaubt, erstens wegen des Respekts gegenüber der Menschen die hier leben, andererseits ist as auch eine Vorsichtsmaßnahme, niemand soll sich provoziert fühlen und wir wollen alle nicht in eine brenzlige Situationen kommen, also halten wir uns daran.

Als wir wieder vom Dach steigen tauchen wir weiter ein in das Slum. Es zu beschrieben ist unglaublich komplex, aber ich will es einmal versuchen. Fangen wir mal damit an was man sieht. Auf den Wegen, die teilweise aus gestampfter Erde, aus gebrochenen Betonplatten oder auch aus Pflastersteinen besteht liegt sehr viel Plastikmüll – ein Resultat des Hauptwirtschaftszweigs. Man muss echt aufpassen, wohin man tritt, um nicht in ein Schlagloch – oder schlimmer, mit seinen FlipFlops in einen Abwasserkanal mit undefinierbar weißem schleimigen Wasser zu treten. Das resultiert aus den Chemikalien, die beim Reinigungsprozess verwendet werden. Zu beiden Seiten der Gassen ragen die Mauern der Behausungen auf, aber auch der Geschäfte, die hier betrieben werden. Von bunten Tüchern, Lebensmitteln, Haushaltsgegenständen über Lederwaren und frisch gekochtem Essen kann man hier alles bekommen, was man zum Leben braucht. Teilweise stehen die Gebäude allerdings so dicht, dass man neben seinen Schultern nur noch je fünf Zentimeter Platz hat, ein Überholmanöver wird so gleich ungeheuer kompliziert. Erst recht wenn ein Kanal unter einem liegt, und besonders, wenn nicht nur der Boden ein Hindernis ist, sondern auch alles was über einem hängt. Die Elektroinstallationen sind wild durcheinander hängende Kabel, die auch häufig mal mit einem unisolierten Ende nach unten baumeln.

Die Gassen sind dunkel wie die Nacht, es gibt aber auch breite Straßen auf dem das Leben rumort, bunte Tücher im Wind flattern und knalliges Gemüse auf den Auslagen auf einen Kunden wartet. In jedem Viertel des Slums sind die Leute unterschiedlich, im muslimischen beispielsweise laufen viele Frauen in schwarzer Vollverschleierung umher (allerdings ohne zu arbeiten, das dürfen die meisten scheinbar nicht), während im Hinduistischen die Frauen in Farbenfrohe Saris gehüllt zusammen sitzen und Papadums (Brot) backen.

Dunkle schmale Gassen im Slum

Das führt uns auch direkt weiter zum Geruch. Natürlich riecht es an manchen Ecken nicht so gut, das erklärt sich von selbst wenn sich 1500 Menschen ein Toilettenhäuschen teilen müssen. Überwiegend ist die Luft aber sauber und an manchen stellen riecht es nach so köstlichem Essen, dass einem das Wasser nur so im Munde zusammen läuft. Gewürze wie Kümmel, Fenchel, Kardamom, Zimt und Anis strömen genauso durch die Gassen wie frisches Fladenbrot, gesottenes Hühnchen und natürlich das Essen der Imbissbuden: Samosas, Curries und vieles mehr. Man hört das Rufen der Händler, das debattieren der Käufer, das Knattern der Rikschas und natürlich deren Hupen. Es dröhnt Hämmern aus den Werkstätten der Kofferbauer und Ledertreiber und das mechanische Knacken der Zuckerrohrmühlen, die die Menschen mit erfrischenden Getränken versorgen.

Vor einer großen Menge aufgestapelter Farbeimer macht Champ halt und erklärt, dass auch diese recycelt werden. Die Eimerer werden über dem Feuer erhitzt, um die noch verbleibende Farbe auszutrocknen. Diese wird dann ausgescharrt, die Eimer gesäubert, auf Lecks überprüft, repariert, umlackiert und zurück an die Firmen verkauft.

Weiter geht’s an der öffentlichen Toilette vorbei zum Fuß- und Spielplatz. Die Kinder begrüßen uns fröhlich winkend und so steigern wir uns in ein wahres Winkkonzert, dass nicht enden will, mit lachenden Menschen auf beiden Seiten. Ein Lächeln ist eben die beste Art der Kommunikation. Leider wird die gute Laune etwas gedämpft als Champ von den hygienischen Problemen des Slums berichtet. Besonders in der Regenzeit ist die Gefahr für Krankheiten wie Malaria oder Typhus extrem hoch, das durch Fäkalien und diverse Chemikalien verunreinigte Wasser dringt in die beschädigten Wasserrohre ein, und verseucht das ohnehin nicht sehr saubere Wasser umso mehr. Die Bewohner kochen hier das Wasser ohnehin ab, wenn sie welches haben. Fließend Wasser gibt es nämlich nur für eine Stunde am Morgen, eine halbe Mittags und noch einmal eine volle Stunde am Abend, damit muss im wahrsten Sinne hausgehalten werden. Das Leben ist hier eben nicht nur tolle Gemeinschaft, sondern eben auch hart und gemein.

Der Fußballplatz

Unser Guide führt uns weiter zu einem Laden in dem Lederprodukte verkauft werden und zeigt uns hier, wie aus einfachem Ziegenleder durch Druckstempel Leder erzeugt wird, dass täuschendecht einem Alligator gleicht. Der Laden führ die „slumeigene“ Marke Dharavi, dessen Logo ein Herz ist. Wie gesagt wird das Gebiet ja auch Core (also Herz) of Mumbai genannt. Das liegt an der Form der Siedlung, die durch die Begrenzung zweier Bahngleise und zweier bogenförmigen Straßen tatsächlich an ein Herz erinnert. Lederjacken und Handtaschen sind nicht ganz unser Stil, weshalb wir hier heute nichts kaufen.

Weiter geht es dafür in die Schule, die die Organisation geründet hat und nun auch zum Teil mit Hilfe freiwilliger Mitarbeiter aus der ganzen Welt betreibt. Es ist nur ein kleiner Raum mit an die Wand geschobenen Tischen und Stühlen, zur Zeit sind Sommerferien in Indien und niemand ist hier der unterrichtet werden könnte. Der Unterricht besteht aus den vier wichtigsten Dingen die man können muss: Lesen, schreiben, Grundrechenarten und einen Computer bedienen.

Im Großen und Ganzen kann man sagen dass „Reality Trips“ wirklich großartige Arbeit leistet. Sie zeigt westlichen Besuchern das Leben in einem Armenviertel und sensibilisiert sie zumindest ein bisschen, wenn auch geschönt, für das Leben hier. Über 80% der Einnahmen durch die Führungen gehen zurück in das Slum um dort Entwicklungsarbeit zu leisten, was wirklich eine großartige Sache ist.

Nun beginnt die letzte Etappe der Tour, welche uns durch das Viertel der Töpfer führt. Sie sind die reichste „Zunft“ im Slum und haben die größten Häuser, allerdings dafür auch den starken Rauchgeruch der Brennöfen die ganze Zeit in der Nase. Diese werden interessanterweise nicht mit Holz befeuert, sondern mit Stoff und Baumwollresten, da diese nicht so hochtemperaturig verbrennen und die Töpferware so nicht springt.

Töpfer und Brennöfen

Ich denke jetzt haben sowohl wir als auch du, lieber Leser genug von dem Slum erfahren, sollten aber noch fragen offen sein, gerne in die Kommentare. Wir beenden hiermit die Tour, lassen noch eine Onlinebewertung da und versichern, unseren Freunden hiervon zu erzählen (hiermit geschehen). Wir bekommen auch noch einen Link mit Fotos, die die Organisation als andenken gemacht hat, dann fahren wir auch schon mit 8 Mann zurück zum Bahnhof.

Mit dem Zug geht es dann zurück zur Andheri Station, wo wir erst einmal im McDonalds was essen gehen. Wir sind einfach ein bisschen ängstlich was Straßenessen hier angeht obwohl wir da in Thailand keinerlei Skrupel hatten. Mit der Rikscha fahren wir dann ins Cinepolis, ein großes Kino wo wir den fünften Teil der Fluch der Karibik Reihe ansehen wollen. Es war gar nicht so einfach ein Kino zu finden das hier Hollywood-Streifen zeigt, Bollywood ist hier das einzig Wahre.

Nach zwei Stunden warten, die ich mit der ersten Hälfte dieses Eintrags fülle, können wir endlich in den Saal, 3D Brillen auf und los geht der Genuss. Aber noch nicht sofort. Bevor der Film startet werden die Besucher aufgefordert sich zu erheben und der Nationalhymne Indiens zu lauschen. Total schräg, dieser Patriotismus! Wir finden es eher lustig als ernst, ich muss aber sagen dass die Hymne wirklich schön klingt. Mit Ausnahme einer 15 minütigen Pause (ätzend!) verläuft aber sonst alles wie gewohnt – der Film ist bombastisch, die Story aber nur im Mittelfeld. So haben wir in gewissermaßen heute beide Seiten der Schere zwischen arm und reich erlebt, das Slum und die Dekadenz des Kinos, in dem alles schöner ist als es in Wirklichkeit ist. Damit hat es allerdings auch etwas mit dem Slum gemeinsam, denn das ist so erklärt auch schöner, als es ein vierzehnjähriges Ich damals erlebt hat.

Mit der Rikscha geht’s dann nach Hause, wo weiter der Blog geschrieben wir. Mittlerweile ist es 1 Uhr Nachts, allerdings werde ich das erst nach dem Tag gestern posten. Ich wollte lieber das Slum zuerst schreiben, solange noch alle Eindrücke ganz frisch sind. Gute Nacht!

Fotos der Organisation von der Tour

25.04. 2017 – Imperiale Macht und Erinnerungen

Wir stehen heute deutlich früher auf als gestern, weshalb wir heute auch etwas mehr unternehmen können. Die Planung dafür wird grob am Frühstückstisch erledigt, vor uns steht ein Omelett mit Tomaten und Zwiebeln, dazu gibt es den köstlich würzigen, indischen Tee, der auch etwas scharf ist. Dabei kommen wir natürlich auch ins Gespräch mit unserem Host und ich meine etwas Stolz, dass ich schon zum zweiten Mal hier bin. Als er hört dass ich vor fünf Jahren hier war lacht er schallend auf und meint „Das ist nicht mehr das Mumbai, das du kennst. Hier hat sich alles Verändert. Es leben seit dem drei Millionen Menschen mehr in der Stadt. Wir haben jetzt eine Metro und einen neuen Flughafen, den sie vor zwei Jahren eröffnet haben.“ Das erklärt natürlich so einiges… Wie sehr sich die Stadt Verändert hat, dass wollen wir nun natürlich sehen.

Wir laufen nach dem Zähneputzen, was wir nur mit Wasser aus der Flasche erledigen, zur Hauptstraße und winken eine Rikscha heran. Mit dem kleinen Gefährt geht’s zum Bahnhof Andheri, wo wir am Schalter aus Gewohnheit ein Ticket für die zweite Klasse ziehen. Der Mann hinter der Glasscheibe schaut etwas verwirrt, können sich die beiden Weißen wirklich kein Erste Klasse Ticket kaufen?

Schlange am Schalter

Aber als wir an die Gleise treten wird klar weshalb er so geguckt hat: der Bahnhof ist geflutet von Menschen, unglaubliche Massen sind unterwegs. Mit einigem herumfragen finden wir dann zum Richtigen der neun Gleise, denn auf dem Ticket ist dieses nicht vermerkt. Zum Glück sind die Inder sehr hilfsbereit und können auch fast alle sehr gut Englisch.

Kennst du die Bilder von indischen Zügen aus dem Fernsehen? So überfüllt dass die Türen nicht mehr schließen und die Leute aus dem Zug hängen um noch mitzukommen? Das ist die Realität, und genau in so ein Gefährt steigen wir jetzt ein. Zum Glück können wir uns tief genug in den Zug graben um nicht außen zu stehen, wobei dass wegen der besseren Durchlüftung sehr begehrte Plätze zu sein scheinen.

Nach einem kurzen, ungeplanten Umstieg haben wir es dann auch geschafft, und der Zug rollt in Churchgate ein. Die Leute an den offenen Türen hüpfen aus dem noch fahrenden Zug, und traben im Galopp weiter zu ihren Zielen. Ein absolut verrückter Anblick, wie hier Männer im Anzug und Frauen in Saris einfach aus dem fahrenden Zug springen.

Wir warten lieber bis er angehalten hat und gehen dann zu Fuß Richtung Süden, in den Stadtteil Apollo Bandar, der kolonialen Altstadt des ehemaligen Bombays.

Hier reihen sich prachtvolle Steinhäuser im Stil des Historismus und der britischen Interpretation des Mogul-Baustils aneinander, die Tore, Bögen und Türme machen einen vergessen, dass man in Indien und nicht in einer orientalischen Version Englands ist. Die Gebäude sind wunderschön, wie ich sie in Erinnerung hatte.

Catcontent

Durch Zufall finden wir auch das „Prince of Wales Museum“ wieder, in dem wir auch schon damals waren. Es kommt mir kleiner vor als in Erinnerung, allerdings sind die Ausstellungsstücke noch immer wunderschön. Dreitausend Jahre alte Statuen von Göttern finden hier genauso Platz wie mittelalterliche indische Waffen, Schatzkisten aus Elfenbein, kunstvoll gewebte Stoffe und Kleidungsstücke, aber auch naturkundliche Ausstellungsstücke wie ausgestopfte Vögel, ein weißer Tiger und einen Babyelefanten, den ich schon damals schrecklich fand.

Wächtergottheit
Das Prince of Wales Museum

Bronzeguss
Schmuckkästchen aus reinem Elfenbein
Kunstvolle Malerei mit buntem Sand von tibetischen Mönchen
Der Park des Museums
Bunte Tücher
üble Waffen
Liftboys gibts hier auch noch
Das Museum 2012

Nach ein paar Stunden umherlaufen hatten wir dann aber genug von Museen, besonders wenn man in dem letzten halben Jahr in so vielen war. Wir setzen also unseren Weg weiter fort, ins Herz der imperialen Stadt.

Das merkt man besonders an einem Gebäude, dass sich wie ein Berg vor dem indischen Ozean erhebt: dem Gateway of India. Es ist ein riesiger sandfarbener Triumphbogen, errichtet von 1911 bis 1924 im Gedenken an den ersten Besuch eines britischen Monarchen in Indien, Georg V im Jahr 1911. Ich würde gerne ein Bildervergleich machen, ich vor dem Tor vor fünf Jahren und heute, leider war damals das Selfie noch nicht erfunden, also habe ich kein Bild von damals.

2017
2012

Dafür werden heute unzählige Fotos gemacht, denn neben Dem Tor scheine ich zur wichtigsten Attraktion auf dem Platz zu werden. Viele Inder bitten mich, sich mit ihnen ablichten zu lassen, was natürlich urkomisch ist, und deren Wunsch ich gerne nachkomme. Passiert ja nicht so häufig dass hier so ein hübsches Kerlchen über den Platz läuft 😀 .

Autogramm wollte er aber leider nicht 😀

Wir ziehen weiter, am Taj Mahal Palace, dem besten Hotel am Platz durch den Stadtteil Colaba und schauen uns ein bisschen um. An einer der diversen Zuckerrohrmühlen bleiben wir stehen um uns eine Erfrischung zu kaufen. Dabei handelt es sich um kleine Marktstände, in denen eine Walze ganze Zuckerrohre zermalmt und presst, um den Saft aus ihnen herauszuquetschen. Das indische Pendant zu unserem frisch gepressten Orangensaft quasi. Der Saft ist grüngelblich und ungeheuer süß, aber extrem erfrischend.

Während wir den Saft genießen kommen wir mit einem Inder ins Gespräch der in Hamburg Softwareentwickler ist, und der uns auf einen lokalen Markt führt, wo wir frische Gewürze und Tee kaufen. Dann geht e auch schon wieder zurück, erst mit dem Zug, dann der Rikscha, wir hatten einen Ereignisreichen und schönen Tag.

 

24.05. 2017 – Ein kurzer Rundumblick

 

Weil wir erst so extrem spät ins Bett gekommen sind ist es nicht weiter verwunderlich, dass wir heute bis 14 Uhr schlafen, und damit die erste Hälfte des Tages verpassen. Wir stehen also spät auf, und gehen aus dem Hostel, um zu wissen, wo wir überhaupt gelandet sind.

Die dunkle Gasse durch die wir gestern Nacht gefahren sind stellt sich als schattiger kühler Weg durch einige Hinterhöfe heraus, die Leute arbeiten in kleinen Läden, die Kinder spielen Kricket auf der Straße und ein Tempel gibt uns einen Orientierungspunkt von der Hauptstraße aus, auf der das typisch indische Verkehrschaos herrscht.

Unsere Gasse
Das 6-Sterne  Hostel von außen (von innen ist es wirklich besser)
Rikscha

Oberste Priorität hat ein Frühstück, den Straßenständen trauen wir allerdings nicht wirklich, weshalb wir in die Filiale eines Lieferservices gehen, und dort gefülltes Fladenbrot bestellen. Die würzig scharfe Soße die nach Kreuzkümmel schmeckt finde ich köstlich, Chris liegt der Geschmack allerdings weniger.

Erstes Frühstück

Als wir die Brote verzehrt haben laufen wir einmal um den Blog, über dem teilweise in sehr schlechten Gehsteig kommen wir an edlen Häusern aus Glas, Stahl und Beton vorbei, aber auch genau so an runtergekommenen Mietskasernen und aus Zeltplanen gebauten Unterständen, in denen die Menschen diverse Waren anbieten.

Auch sehr grüne Ecken gibt es hier

Wir kommen an einer Boutique vorbei, und gehen hinein. Die nächsten zwei Stunden verbringen wir mit dem Anprobieren diverser Hemden und T-Shirts, denn unsere Klamotten sind nach sechsmonatiger Dauerbenutzung langsam echt verschlissen. Dennoch kaufen wir noch nichts, das wollen wir erst am letzten Tag erledigen, um für eventuell noch coolere Sachen auch noch Platz im Backpack zu haben, der wirklich langsam überquillt.

Zum Abendessen gehen wir in Dominos, eventuell ein Fehler weil man die indische Küche verpasst, allerdings wurde einem vor fünf Jahren eingeschärft nur bei den Gasteltern oder Ketten zu essen, da diese Hygienevorschriften haben. Allerdings wäre es schade nie was wirklich indisches hier zu essen, deshalb setzten wir uns später darüber vielleicht hinweg. Nach der Pizza geht es wieder zurück ins Hostel und ins Bettchen, reisen kann einen ganz schön schlauchen.

Abendessen

 

23.05. 2017 – Nur noch 6.586 Kilometer von zu Hause weg

 

Um viertel vor 5 klingelt der Wecker und schmeißt uns aus dem Bett, die Zeit in Thailand ist um. Wir räumen das Zimmer noch etwas auf, frühstücken einen Joghurt, schultern unsere Backpacks und stapfen in den Morgen. Selbst um diese frühe Zeit ist es schon angenehm warm, die Vögel zwitschern und auch die Automotoren der Hauptstraße schwappen in unsere Seitengasse, die keinen Namen sondern nur eine Nummer hat: Lat Phrao (der Stadtteil) 34. Wir winken ein Taxi heran und fahren über die Mautstraße zum Flughafen, diesmal allerdings dem Neuen. Die Sonne geht gerade auf und taucht die Stadt in ihr orangenes Licht, während wir an Hochhäusern und Werbeplakaten vorbei ziehen.

Sonnenaufgang über Bangkok
Blumenschmuck am Airport Bangkok
Auf zur letzten Etappe
Götterbilder

Am Flughafen klappt diesmal ausnahmsweise alles reibungslos, kein Theater mit dem Visum (das hatten wir ja gestern Abend), Gepäck haben wir diesmal auch gebucht – alles läuft bestens. Wir „frühstücken“ noch je eine halbe Pizza, bevor es dann in den Flieger gen Colombo, Sri Lanka geht. Dort kommen wir auch um 11 Uhr Ortszeit an und landen mitten im grünen Dschungel, kein Haus weit und breit zu sehen. Ab jetzt heißt es warten. Sehr sehr lange warten… denn unser Flug geht erst um 23:40 Uhr weiter. Die ersten paar der 13 Stunden verbringe ich mit bloggen, dann wird es eintönig. Zuerst freue ich mich noch darüber, mit dem Pakistani neben mir ins Gespräch zu kommen, doch das ändert sich rapide als er das Thema auf einen nur allzu bekannten deutschen politischen Führer lenkt und die Meinung vertritt, dass er nur das Pech hatte von allen Leuten gleichzeitig nicht gemocht zu werden, er aber sonst in großartiger Staatsmann mit einer hochtechnisierten Armee gewesen sei. Kurz bevor mir der Kragen platzt und ich ihm für seine absolut bescheuerte Meinung eine reindonnere (die sich auch mit Fragen wie, wer wird den Krieg zwischen der EU und Russland gewinnen beschäftigt , oder dem „Fakt“ dass Deutschland Armeen anderer Staaten in die Bundeswehr eingliedere, was er mit „absolut verlässlichen Quellen“ aus dem Internet belegt) haue ich lieber ab und gehe wutschnaubend auf einer Bank am anderen Ende des Terminals schlafen.

Endlich geht es zähfließende Stunden später weiter, nicht einmal Essen gehen kann man hier günstig, ein Menü bei Burger King kostet 20 US-Dollar.

Im Flugzeug essen wir schnell den kleinen Snack und schlafen dann sofort ein. Ein wenig später landen wir dann sanft in Mumbai, im Gegensatz zu Indonesien geht die Einreise hier sehr schnell, wir sind die einzigen am Schalter für das E-Visum mit dem wir auch sehr schnell unsere Stempel im Pass sammeln können. Das ist das vielleicht einzig coole an der ganzen Grenzgängerei, die vielen Trophäen die man in seinem Pass sammelt. Wir müssen lediglich ein Foto von uns machen lassen und jeden Fingerabdruck scannen, schon sind wir am Gepäckband. Chris Rucksack kommt zuerst, von meinem fehlt jede Spur. Das Selbe bei einem Inder neben mir, der sich extrem aufregt und völlig verzweifelt ist, was er denn jetzt ohne Gepäck machen soll. Ich bleibe cool, die ganze Situation kenne ich ja schon, obwohl das mittlerweile fast sechs ganze Monate her ist. Mittlerweile ist es halb 3, mein Rucksack ist noch immer nicht da. Nach einer kurzen Beschreibung des Gepäckstückes kommt dem Flughafenmitarbeiter allerdings ein Gedanke und führt mich zum Büro, in dem Übergrößengepäck lagert. Und tatsächlich, dort liegt mein gigantischer grauer Seesack unversehrt und wartet auf mich. Noch mal Glück gehabt, im Gegensatz zu dem Inder, dessen kleiner Koffer taucht nämlich nicht mehr auf.

Als nächstes erwartet uns ein anderes Abenteuer: Geld abheben. Das ist nämlich hier wohl gar nicht so einfach. Es gibt nur drei Geldautomaten am Ankunftsterminal, und nachdem sich die ersten beiden als komplett leergeräumt herausstellen haben wir wenigstens beim Letzten Erfolg und kommen an Bargeld, denn hier läuft nichts ohne dieses.

Wir gehen zum Rikscha-Stand und wuchten unsere Backpacks in das kleine Gefährt, irgendwie finden wir darin auch noch Platz und schon knattern wir über die Straßen von Mumbai, die mir in ihrem Zustand wesentlich besser bekannt sind als der Flughafen, den ich nicht wiedererkenne. Wahrscheinlich sind wir an einem anderen Ausgang herausgekommen.

Leerer und unbekannter Abschnitt des Flughafen Mumbai
Müde

Der Rikschafahrer ist inzwischen von der Hauptstraße in eine kleine, verwinkelte, dunkle Gasse abgebogen und lässt uns vor einem Mäuerchen raus. Er deutet in eine unbestimmte Richtung und sagt, dass dort das Hostel liegt, kassiert das Geld und knattert auch schon wieder davon.

Unsere Rikscha

Da stehen wir nun, es ist vier Uhr morgens und keine Sau ist auf der Straße, den wir fragen könnten wo wir wirklich hinmüssen. So schmeißen wir erst einmal die Rucksäcke auf den Boden und überlegen. Neben uns ist ein Mehrfamlilienhaus, in dessen Eingang unter der Treppe ein Mann auf einer Matratze schläft. Wir überlegen eine geschlagene Viertelstunde, ob wir ihn wecken sollen, da hören wir das erlösende Knattern eines Motorradmotors. Ein Vater mit seinem Sohn kommt angebraust und steigt genau beim Haus gegenüber ab. Wir rennen natürlich sofort hin und fragen, wo denn das „Anjali Homestay“ wäre, unser Hostel. Er deutet auf den Eingang mit dem schlafenden Mann und sagt als wäre es das selbstverständlichste der Welt: „Na dort in dem Haus, zweiter Stock“

Wir schleichen uns also an dem Schläfer vorbei, so gut das eben mit zwei fünfundzwanzig Kilo Säcken geht und klingeln im Hostel. Ein völlig verpennter Inder (wer kanns ihm verdenken) öffnet und begrüßt uns trotz der späten Stunde freundlich. Wir tragen uns schnell in das Gästebuch ein und gehen dann in unser Zimmer, das ungefähr so groß ist wie unser Bad in Bangkok. Wir lassen uns auf die Betten fallen und schlafen in Nullkommanichts ein.

22.05. 2017 –Schwimmende Märkte und ein Apokalypsenspielplatz

Heute wollen wir zu einer sehr speziellen Attraktion von Thailand, den schwimmenden Märkten. Wir hatten schon viel davon gehört, und zu Hause haben wir eine Postkarte von einem Händler dieser Märkte im Bad hängen. Also haben wir einen dieser Märkte auf unsere heutige Agenda gestellt und sind schon auf das Angebot gespannt, welches dort präsentiert werden würde.

Doch zuerst müssen wir zu dem Markt gelangen, und dieser liegt 16,5 Kilometer von unserer Wohnung entfernt, immer noch in „zu-Fuß-Reichweite“, aber wir wollen ja heute auch noch was anderes sehen. Deshalb entscheiden wir uns für den Bus, umweltfreundlich, günstig und hoffentlich schnell bietet er sich einfach an. Die Verbindung ermitteln wir mittels Google Maps und steigen in Linie 8 Richtung Osten. Diese Linie hat kein blaues Schild in der Windschutzscheibe, also müssen wir hier zahlen. Für 50 Cent, die wir an eine Frau mit rundem Blechetui zahlen, sind wir beide an Bord. Wir betrachten die urbane Landschaft die an uns vorbei zieht und werfen immer mal wieder einen Blick aufs Handy, um sicher zu gehen dass wir auch richtig fahren. Alles klappt wie am Schnürchen, bis plötzlich der Bus in eine Seitenstraße fährt und alle Passagiere den Bus verlassen. Auch wir müssen raus, die vermeintlich direkte Verbindung endet nach ziemlich genau der Hälfte der Strecke.

Ohne Simcard oder Wifi sind die Handys nutzlos, wenn man sich eine neue Route heraussuchen möchte, allerdings scheinen die Buslinien ja eh nicht sonderlich zuverlässig hinterlegt zu sein. Also old-school nach dem Weg fragen, was sich als etwas schwieriger herausstellt, da die meisten Thais nicht sehr gut bis gar nicht Englisch sprechen (wir sind ja nicht in einem reinen Touristengebiet). Glücklicherweise treffen wir nach ein paar versuchen auf eine Thailänderin die in den Staaten lebt, und deshalb sehr gut Englisch, aber auch Thai spricht. Sie hat zwar keine Ahnung, wo der markt ist, zu dem wir unterwegs sind, allerdings könne sie einen anderen empfehlen, den sie uns gleich auf Thai auf einen Zettel schreibt, damit wir so weiter fragen können. Desweiteren bugsiert sie uns in einen Bus der Linie 27 und sagt dem dortigen Kassierer, wo wir raus müssen und bittet ihn, uns dort raus zu schmeißen.

Wir sitzen also wieder im Bus, die Ventilatoren drehen sich über uns und sorgen wenigstens für ein bisschen Kühle in der mittäglichen Hitze, während wir weiter nach Osten fahren.

Dann kommt das Signal des Kassierers, wir steigen vor einem Restaurant an der Hauptstraße aus und versuchen uns zu orientieren. Dabei hilft der Zettel der Dame ungemein, die Leute im Restaurant helfen uns gerne und zeigen in die gesuchte Richtung.

Wie sich herausstellt ist unser Markt und der der Dame deckungsgleich, und trotzdem stoßen wir auf Probleme. Doch zuerst durchqueren wir ein großes goldenes Tor und finden uns auf einem Klosterareal oder etwas ähnlichem wieder. Reich geschmückte Gebäude denen im Königspalast nicht unähnlich stehen in lockerer Formation nebeneinander, zwischen ihnen erstreckt sich eine Parkanlage, aber auch turmähnliche Gräber mit Inschriften und Bildern der Verstorbenen.

Uns kommen zwei Mönche in orangener Kutte entgegen, einer fährt einen orangenen Gabelstapler und allein für den Anblick hat sich die einstündige Busfahrt gelohnt. Leider ist er so schnell an uns vorbei gesaust, dass es davon kein Foto gibt. Wir überqueren das Areal uns suchen den Fluss mit den kleinen Booten der Händler, die darin ihre Waren transportiert und wenn man sie heran winkt angestakst kommen und einem diese dann verkaufen.

Als wir am Fluss ankommen sehen wir die Anleger, das Schild für den Markt und eine Brücke die beide Ufer miteinander verbindet – allerdings keine Händler. Im Fluss wimmelt es zwar von Fischen, aber kein einziges Bötchen treibt auf ihm. Das schöne Kloster und das reine Erlebnis der Busfahrt tröstet uns aber darüber hinweg dass der markt offenkundig nicht stattfindet, wie immer ist der Weg das Ziel.

Markt ohne Händler

Also machen wir uns wieder auf denselben, mit der 27 geht’s wieder zurück. Wir steigen wieder dort aus, wo wir eingestiegen waren und stellen jetzt fest, dass dort ein Foodmarket ist, der sich um ein kleines Einkaufszentrum tummelt. Dort essen wir zu Mittag, ich bestelle mir bei einem Stand Frühlingsrollen und in Panko paniertes Hühnchen, während Chris bei einem anderen eine Hühnersuppe mit Reisnudeln kauft. Alles schmeckt ausgesprochen köstlich und ist nicht einmal sehr scharf. Das Mittagessen ist ein purer Genuss, und so bestelle ich mir das Selbe gleich noch einmal, einfach weil es soo gut und günstig ist.

Supergünstige Köstlichkeiten

So gestärkt können wir unser nächstes Projekt angehen, ein wahrer Geheimtipp den man auch nur sehr versteckt in anderen Reiseblogs findet. Den Kilometer dahin laufen wir wieder. Dann sind wir da, am wohl schrägsten Ort von ganz Bangkok, denn mitten durch das Grün der Büsche am Straßenrand schimmert das metallische weiß einer Boing 747 und zweier MD82. Ja richtig gelesen, da stehen Flugzeuge mitten in der Stadt an der Hauptstraße. Eine Landebahn gibt es nicht, die würde den Maschinen allerdings auch nichts mehr nützen, denn was vor uns liegt ist ein Flugzeugfriedhof.

Am Zaun erwartet uns ein kleiner Junge der von uns das Eintrittsgeld kassiert, er lebt mit mehreren Familien in Hütten, die aus der Rumpfröhre der Boing747 geschnitten sind. Deshalb ist das gigantische Flugzeug auch nur noch zur Hälfte da, die überall auf dem Gelände verteilten Bauteile der ausgeschlachteten Maschinen geben dem Friedhof eine postapokalyptische Atmosphäre, erst recht wegen der drei mausgrauen Betonhochäuser im Hintergrund.

Alle Notausgänge des gewaltigen Flugzeuges sind aufgerissen und es sieht aus als hätte ein gewaltiges Unglück gegeben. Auch die Klappen des Rollwerks und die Ladungsluke sind aufgeklappt, und durch genau diese betreten wir jetzt das Flugzeug.

Der Laderaum ist vollgestopft mit Handgepäckfächern, doch schlägt man eine Plane beiseite kommt man über einige Steigeisen über eine Bodenluke in die Economyclass des Fliegers. Dort liegt noch einen teil der Inneneinrichtung, und eine Sauerstoffmaske sorgt für den perfekten Look eines Weltuntergangfilmes. Über eine Treppe erreichen wir die Firstclass und das Cockpit, selbstverständlich lassen wir es uns nicht nehmen an den noch vorhandenen Instrumenten herum zuspielen und es uns auf dem Pilotensitzen bequem zu machen.

bruchpiloten

Der Flugzeugfriedhof ist also der reinste Apokalypsenspielplatz und ein absolutes Must-Do für den Alternativen suchenden Bangkoktouristen. So bleibt uns nun nur noch zurück zum Apartment zu gehen und die Backpacks zu packen, bis uns noch einfällt, wir müssen noch die Visa für morgen ausdrucken! Mit viel Geschiss halten wir diese dann um halb 1 in der Hand, in vier Stunden wird uns der Wecker aus den Federn holen. Der letzte Tag in Bangkok ist um. Ab morgen trennen uns nur noch 3 ½ Stunden Zeitverschiebung von zu Hause.

 

21.05. 2017 – One night in Bangkok

 

Nachdem wir den gesamten gestrigen Tag und den heutigen Morgen und frühen Mittag wieder nichts machen konnten, da es diesmal Christoph erwischt hat bleibt uns nur eines übrig: den Abend nutzen!

Davor geht es aber noch zum Friseur, die Mähne ist in den letzten zwei Monaten ordentlich gewachsen. Wir gehen also zum Hairstylisten unseres Vertrauens um die Ecke, der alle Geschütze auffährt, um uns in zufriedene Kunden zu verwandeln. Das beginnt damit das er einem die erst zehn Minuten vorher gewaschenen Haare ordentlich einseift, wäscht und einem on Top auch noch eine Kopfmassage gibt, so das wir uns tiefenentspannt auf dem Stuhl niederlassen können. Dann beginnt er zu schnippeln, fragt wo wir her sind (mit Skandinavien lag er gar nicht soo daneben), Smalltalk eben. Als er dann fertig ist gibt es noch einmal waschen und Massage, und wir überlegen schon zu einer kompletten Thai Massage zu gehen.

Waschtag war auch noch, Trocknen nur mit Klimaanlage möglich
Anstatt dessen fahren wir nach einem kurzen Aufenthalt im Apartment und Überwindung des inneren Schweinehundes mit der U-Bahn los zu einem Nachtmarkt. Der Ratchada Trainmarket ist – anders als der Name vermuten lässt kein Ort an dem Züge verkauft werden, sondern eigentlich alles. Klamotten, Handyhüllen, Taschen, Schuhe und natürlich Streetfood und Getränke.
Wir schlendern über das Gelände und schauen uns ein bisschen um, sind aber nicht wirklich in Shoppinglaune (wie schon die letzten Tage). Da kommt plötzlich ein Typ auf uns zu, groß und breit gebaut, mit langen braunen Haaren und Bart.

Er spricht uns an „Hey Guys, wanna join our dinner? I know this is realy weird but we just ordert to much and we don’t wanna waste this food. It’s realy weird, but yeah, wanna join? I’m Amarican by the way.“

Wir schauen uns an, ist die Sache komisch? Ja. Aber das hat er ja auch gesagt. Haben wir Bock was zu essen? Klar, wenn man eingeladen wird, warum nicht? Innerhalb einer halben Sekunde nicken wir ihm grinsend zu und laufen hinter ihm her. Sind es nicht gerade die unplanbaren Dinge einer Reise, die sie selbst so besonders machen? Rhetorische Frage, natürlich! Der Abend wird unglaublich, wir sitzen zusammen vor einem „Hotpot“, eine Schüssel, die ähnlich einem Fleischfondue auf einer Gasflamme steht. Darin köchelt eine Brühe, in die man vorgeschnittene Zutaten hineinwerfen kann. Das amerikanische Pärchen mexikanischen Ursprungs, dessen Namen wir leider nicht mehr drauf haben (nennen wir sie mal der Einfachheit wegen Carlos und Maria), hat nicht übertrieben. Sie hatten so was von viel zu viel bekommen, ungefähr die dreifache Menge von dem was wir zu Hause für ein Raclette zu viert bräuchten.

Wir setzten uns also dazu und werfen fröhlich Shrimps, Hühnchenbrust, Rinder- und Schweinestreifen, Chinakohl, Sojasprossen, diverse Pilze, Muscheln, und und und in den Kessel und lassen es in der duftenden Brühe kochen. Dabei entwickelt sich natürlich zwangläufig ein angeregtes Gespräch über unsere Reisen, aber auch über die jeweilige Kultur. Wir reden übers Schulsystem und –ferien genau so wie über Weihnachten feiern und Politik, wobei die beiden Trump überhaupt nicht toll finden und sich zurecht über jeden aufregen, der ihn gewählt hat. Der Einblick in die doch recht bekannte Welt der Amerikaner ist überaus spannend, wobei wir wohl viel mehr über sie zu wissen scheinen als die beiden über Europa oder Deutschland. Diese Wissenslücke versuchen sie aber eifrig zu stopfen und fragen uns Löcher in den Bauch.

Der Abend wird sehr lang. Sogar so lang, dass die U-Bahn nicht mehr fährt, womit wir überhaupt nicht gerechnet hatten. Weil wir ja nur vier Kilometer weg von zu Hause sind beschließen wir die paar Meter zu Fuß zu gehen (#Dorfkindmoment) und sehen Bangkok so auch endlich mal in seinem Nightlife. Eine kurze Pause müssen wir im Burgerking einlegen, um uns etwas zu trinken zu holen, denn obwohl es schon halb 2 ist ist es immer noch knapp 28 Grad warm.

 

19.15 2017 – Buddha is for respect, not decoration

 

Die U-Bahn spuckt uns heute in Hua Lamphong wieder ans Tageslicht. Das ist der Name für die Endstation der blauen Metrolinie und zugleich auch der des Hauptbahnhofs von Bangkok, der auf der anderen Straßenseite der Metro liegt. Er ist ein großer gelb-weißer Komplex, den wir aber links liegen lassen, denn wir wollen mit einem der Taxis weiter.

Morgendliche U-Bahn
Gedenken an den König in der Endstation – unfreiwillig komisch

Die Taxifahrer weigern sich jedoch mit Taxameter zu fahren, der Stau mache eine kurze fahrt unmöglich, dazu noch die ganzen Einbahnstraßen und so weiter, da brauch man einfach ein bisschen Provision. Aber nicht mit uns, und wir sind schon auf dem Weg in den Bahnhof um uns dort nach Alternativen zu erkundigen. Die kommen allerdings in Form einer sehr freundlichen Dame zu uns, die sich der Tourismusbehörde zugehörig erklärt und uns weiterhilft. „Nehmt einfach den Bus, Linie 52, fährt dort um die Ecke unter dem Baum ab.“

Ungünstigerweise stehen ausgerechnet die Taxis im Schatten jenes Baumes, und so müssen wir erst jeden Fahrer abwimmeln, bis dann endlich ein alter Linienbus um die Kurve fährt. Drei Dinge fallen einem beim Betreten durch die Hintertür sofort auf.

  1. Der Bus hat einen edlen Echtholzboden aus irgendeinem Tropenbaum
  2. Den Busfahrer scheint es nicht zu interessieren ob man ein Ticket hat oder nicht
  3. Es gibt keine Klimaanlage sondern nur geöffnete Fenster (wenigstens erkältet man sich hier nicht)

Kaum hingesetzt finden wir auch schon einen Namen für unseren Fahrer: Ernie, wie der wahnsinnige Fahrer des „Fahrenden Ritters“ aus Harry Potter. Ernie haut sowas von aufs Gaspedal und die Bremse dass man ohne Schleudertrauma und mit allen Zähnen im Bus ankommt. Aber die Fahrt ist super und es gibt auch einiges zu sehen, denn wir fahren durch das chinesische Viertel von Bangkok, und Chinatown hebt sich auch hier in Asien vom Rest der Stadt ab. Die Schriftzeichen der Geschäfte wandeln sich, und auch das Sortiment in ihnen. Lampions und Seidengewänder bestätigen jedes Klischee, auch an chinesischen Apotheken und Tempeln zieht der Bus in einem Affenzahn vorbei. Marktfrauen mit Handkarren auf denen sie ihre waren präsentieren unterhalten sich schnatternd über den Verkehrslärm hinweg.

 

Auf ein Schwätzchen
Chinatown
Tempel

 

So schnell wie das Viertel anfing hört es auch wieder auf, und wir fahren wieder an thailändischer Schrift vorbei an einer langen, glatten, weißen Mauer. Dahinter liegt unser Ziel, die Hauptattraktion der Stadt: Der Große Palast. Die Residenz des Königs, den allerdings leider gerade nicht gibt. Wir hüpfen aus dem rasant bremsenden Bus, ohne einen Baht gezahlt haben zu müssen, und suchen den richtigen Eingang. Wir kommen am Militärhauptquartier vorbei, in dessen Hof große, von Grünspan überzogene Kanonen stehen, die bis zu 300 Jahre alt sind. Damit sind die älter als alles, was man in Neuseeland so sieht.

Erste Sicht auf die Palastmauer

Der fahrende Ritter?! Fast

Nach einigem Suchen finden wir dann den richtigen Eingang und wir machen uns palasttauglich. Da es in Thailand einen ziemlichen Kult um den König gibt, es aber auch religiöse Tempel auf dem Areal gibt sind bedeckte Beine und Schultern sowie festes Schuhwerk Pflicht und werden peinlichst genau von der Palastwache überprüft. Spätestens jetzt wird es also Zeit unsere gut geeignete tropische Garderobe auszupacken. Ich mache nur Spaß, so etwas haben wir natürlich nicht, und so werfen wir uns bei 35 Grad und über 80% Luftfeuchtigkeit in Jeans und Wanderschuhe.

Die reglosen Wachen in weißer Uniform und grauer Hose und einem Helm der aussieht als hätte man den Tropenhelm des Afrika Korps mit einer Pickelhaube gekreuzt.

Durch das gigantische Holztor wird man von den Massen in den Palast gespült, dann fehlen einem die Worte.

Zu seiner linken liegt eine Grasfläche mit sauber geschnittenen Bäumen, dahinter allerdings die prächtigsten Gebäude die man sich vorstellen kann. Pagoden und Türmchen aus Gold, in Kaskaden gestufte Dächer aus bunten Mosaiken und Ziegeln, und an den Giebeln kunstvoll geschwungene Verzierungen.

Da mussten wir Näher ran, deshalb schnell die 500 Baht (13€) Eintritt gezahlt und rein in das Areal.

Ich glaube die Pracht kann ich am Besten einfach durch die aufgenommenen Bilder zeigen, aber der Detailgrad der Arbeiten ist einfach unglaublich, die kunstvoll gestalteten Statuen und Götterbildnisse, Wahnsinn.

In die meisten Gebäude konnte man leider nicht hinein, und in dem Einen das zu betreten war durfte man keine Fotos machen, davon haben einen die fünf Wächter abgehalten. Es war der Tempel des Smaragdbuddahs, in dem auch gebetet wurde. Vor dem Betreten mussten die Schuhe ausgezogen werden, im Inneren durften die Füße aber (im Sitzen) nicht zu Buddha zeigen. Denn Buddah gehört Respekt gezollt, und ist keine Dekoration, wie hier auf jedem Sonnenschirm prangt.

Die Geschichte der Smaragdstatue ist sehr interessant, die Kurzfassung davon ist, dass er von einem Mönch in einer Höhle gefunden wurde. Da war er allerdings eingegipst. Erst später im Tempel bröckelte der Gips etwas ab, das grün kam zum Vorschein und der Mönch hielt es für Smaragdgrün – fälschlicherweise, denn der Buddha ist aus Jade. Ein paar royale Verwicklungen, einen zweihundertjährigen Ausflug nach Siam, einen Krieg und die Gründung der neuen Hauptstadt Bangkok später und der Buddha fand seinen Weg in den prunkvoll gestalteten Tempel in dem wir ihn heute sehen können.

schöne Grünflächen gibts auch

Dann sind wir auch schon fertig mit dem Rundgang, und gehen mit einer Armee aus schwarz gekleideten Menschen hinaus. Sie sind Trauernde die ihrem verstorbenen König Respekt erweisen und strömen zu hunderten auf einem „Pilgerweg“ um das Areal. Wie gesagt, der König ist hier sehr wichtig, so wichtig, dass man Strafen dafür bekommen kann auf einen Geldschein zu treten, denn immerhin ist da sein Konterfei abgebildet.

Mit der Linie 52 wollen wir wieder zurück, denn in der Theorie fährt sie ja sicher einen Kreis und wechselt nicht irgendwo die Nummer. Es regnet gerade also ist das sogar ein sehr guter Zeitvertreib. Wir sitzen also im Bus und freuen uns ob der gratis Stadtrundfahrt als ein Mann den Bus betritt, ganz offensichtlich nicht von hier. Er ist aus Montreal, Kanada, 61 und Weltenbummler und auf dem Weg zum selben Bahnhof wie wir. Er erklärt uns, dass die Busse hier, die ein Blaues Schild führen, tatsächlich umsonst werden, bezahlt von der Prinzessin. Danke dafür, umsonst durch die Stadt, super Sache. Wir haben ein wunderbares Gespräch weniger über Gott und vor allem über die Welt, dann sind wir auch schon bei der Station und schon trennen sich Michels und unsere Wege wieder. Mit der Ubahn geht’s nach Hause, einkaufen und schreiben, dann ins Bettchen.

Karte des Areals, zu besichtigen das Areal auf der linken Seite, umrandet vom rot überdachten „Trauergang“

 

18.05.2017 – Bangkok Haul

Heute geht es wieder mit der Metro in die Stadt, diesmal allerdings etwas weiter nach Luphini. Die Station ist nach dem Park über ihr benannt, durch den wir natürlich einen morgendlichen Spaziergang machen. Die breiten und asphaltierten Wege laden zum Jogging oder Fahrrad fahren ein und auch ein paar Sportgeräte herum. Wir laufen um den großen See in der Mitte herum, in dem sich die exotischen Bäume am Ufer und die Hochhäuser im Hintergrund spiegeln. Auch eine kleine Flotte Tretboote dümpelt vor sich hin, aber zu dieser Zeit ist noch keiner mit ihnen unterwegs.

Es ist knapp 10 Uhr, die Temperatur liegt bei knapp über 30 Gra mit einer durchschnittlichen Luftfeuchtigkeit von 75 Prozent schlendern wir unter dem Grün umher und schauen Gärtnern zu, wie sie ein kleinere Bäume an einem kleinen Flüsschen fällen und das Holz dann aus diesem fischen. Wir komme an einem Tempel oder Schrein im Park, dessen helles weiß und rotes Ziegeldach sich harmonisch von den Pflanzen um ihn herum abhebt. In ihm ist eine steinerne Gedenktafel, was auf ihm steht verstehen wir nicht, da sie auf japanisch und thai verfasst ist.

Tempelchen im Park
Schöne Blumen gibts auch…

Über einen hoffnungslos überfüllten Parkplatz kommen wir zurück auf die Straße, über der sich bedrohlich die Stromleitungen der Stadt tummeln. Hier verkabelt man offensichtlich nach dem Chaosprinzip. Was lässt sich während wir zu unserem ersten Ziel gehen sonst über Bangkok sagen? Was auffällig ist, die Stadt ist extrem sauber, was ich ehrlich gesagt nicht erwartet hatte, im Hinblick auf die Erinnerung an Mumbai und auch an Indonesien, was auch nicht überall den sauberen Tourischein wahren kann. Das Fahren in der U-Bahn ist sehr angenehm, wenn auch wegen der Klimaanlage viel zu kalt, denn die Leute sind höflich und man kann fast sagen diszipliniert, jeder hält sich beispielsweise an die auf den Boden gemalten Ansteh-Schlangen, weshalb Gedränge beim Einsteigen wegfällt.

…und gefälschte deutsche Nummernschilder

Mittlerweile sind wir bei der CentralWorld Mall angekommen, ohne zu merken dass es auf der Liste der größten Einkaufszentren der Welt Platz 10 belegt. Fast 500 Shops erstrecken sich auf 187.046 Quadratmetern, ein riesen Teil durch das wir gemütlich spazieren und uns alles anschauen. Hier gibt es einfach alles, Klamotten, Porzellan und Kinosessel. In denen machen wir es uns auch bequem und lassen die Eindrücke auf uns einknallen, bis wir dann zum Mittagessen vor die Mall gehen, denn dort hat ein Foodmarkt auf dem Vorplatz geöffnet. Auch hier gibt es wieder ein unglaubliches Angebot was absolut herlich ist, denn auf Bali konnte man sich praktisch überall nur zwischen Nasi Goreng (Reis) und Mie Goreng (Nudeln) entscheiden. Mit diesem Wissen entscheiden wir uns: richtig, für gebratene Nudeln. Ich bin aber immer noch nicht ganz auf dem Damm, deshalb wird die Packung in den Rucksack gepackt, und wir gehen wieder zurück in die Mall.

Der Erawan Schrein auf dem Weg zur Mall
Crepes aus Plastik, damit man weis was man bekommt
Erstmal ne Pause
Super, wird sind hoch hinaus

Irgendwann sind wir dann damit fertig und gehen mit einem kleinen Schlenker über das Big C Supercenter auf der anderen Straßenseite weiter. Diesmal allerdings nicht auf dem normalen Gehweg neben der Straße, sondern auf dem Pendant zur Autobahn per Pede. Mit einer Rolltreppe kommt man fünf Meter über das Straßenniveau wo ein überdachter und mit Musik unterlegter Runway nur für Fußgänger das Laufen nicht nur sicherer macht, weil man nicht mehr auf den Verkehr achten muss, sondern auch angenehmer, da man eine tolle Perspektive auf das Geschehen unter einem hat. Dieser Highway (mehr Wortanlehnungen für das Gebilde gibt es ziemlich sicher nicht) spuckt uns auch gleich bei der nächsten Mall heraus, die ausschließlich für Klamotten ist.

die Autobahn für Fußgänger
Glas und Stahl
gebaut wird natürlich auch ziemlich viel

Das sagt auch schon der Name: The Platinum Fashion Mall. Sie ist im groben ungefähr eine Mischung aus balinesischen Tourishop und Primark. Also furchtbar billige Klamotten in beschissener Qualität in Läden die ungefähr so groß sind wie Schuhkartons. Und die Leute findens geil. Wir nicht, deshalb gehen wir schnell wieder und tragen nicht wie alle anderen Müllsäcke vollgestopft mit Müll nach draußen. Mit Sicherheit kann man hier auch tolles finden, aber das ist uns in dem Chaos, dem Kitsch und der Masse an Menschen einfach zu anstrengend. Uns wird bewusst, obwohl wir durch drei gigantische Malls gelatscht sind, haben wir nichts gekauft. Kaufen um des Kaufens Willen ist ja auch Quatsch.

So geht’s mit der U-Bahn wieder nach Hause, wo es zum Abendessen frische gegrillte Würstchen mit Toast vom Streetfoodstand vor dem Obstladen gibt, und zum Nachtisch einen schönen Joghurt.

 

 

 

 

16.05. 2017 – Abstecher in die Metropolen der Welt

 

Wir schlafen herrlich aus und frühstücken in aller Ruhe Toast mit Beerenmarmelade, und das Toast hat besser geschmeckt als jedes einzelne in Neuseeland. Wie ein Land, das hauptsächlich Reis isst, das fertig bringt im Brot backen besser zu sein als die Kiwis, die ja nur das Zeug futtern ist mir einigermaßen schleierhaft. Wahrscheinlich liegt das daran dass die Thais einfach phänomenale Köche sind.

Etwas verplempern wir die Zeit und lassen es ruhig angehen, dann treibt uns die Neugierde aber doch auf die Straße und wir begeben uns zum nächstgelegenen Ziel auf meiner „Interessante Orte“-Karte, die ich damals in Ubud angelegt habe (Falls dem Leser hier noch ein Must-Do einfällt, immer her damit). Da unser Apartment allerdings etwas außerhalb liegt (was man aber eigentlich auch nicht sagen kann, mehr dazu hoffentlich später) nehmen wir die Metro. Die wurde ab 1999 gebaut und ist damit noch ziemlich jung, sagt der alte Hase von Redakteur der ist ja immerhin viel älter. Nun bei achtzehnjährigem bestehen ist es dann auch nicht mehr verwunderlich das Bahnhöfe, Tunnelsystem und Züge sehr modern sind. Die Bahnhöfe, die man erst nach einem halbherzigen Securitycheck mit dauerpiependen Metalldetektor betreten kann sind sehr groß, an einem Ticketschalter mit schlecht zu verstehenden Personal und nicht den besten Englischkenntnissen bekommt man seinen Ticketchip, der aussieht wie in der Mensa damals (vor einem Jahr…). Man fühlt sich fast wie zu Hause.

Bei der Station Sukhumvit gings dann raus in die schwüle subtropische Wärme der Metropole, der wir aber mit einem kurzen weg über die Straße auch schnell wieder entkommen konnten, denn unser Ziel war direkt um die Ecke.

Das Terminal 21 ist ein gigantisches Einkaufzentrum, eine Mall der Extraklasse, das war schon einen Meter hinter der Tür klar, bei der es übrigens auch einen Securitycheck von einem Mann in weißer Militäruniform gab.

Terminal 21 – das Einkaufzentrum von außen

Das ganze Ding sah aus wie die Enterprise, bei der sich die ganzen Decks nach Themen verkleidet hätten. Von Ebene zu Ebene, von denen es insgesamt um die 8 gab, wurde man von Scotty in eine andere Stadt gebeamt. Von Paris nach Tokio, wo wir auf dem berühmten Bürgersteig laufen konnten und die Shops alle wie traditionelle japanische Gebäude mit Kirschblüten aussahen gings dann nach London, wo man die roten Telefonzellen ohne Telefon (hat ja eh jeder eins dabei) anschauen und in der „Underground“ auf Toilette gehen konnte. Weiter gehst auf den Basar von Istanbul mit tanzenden Derwischstatuen und San Francisco, in dem sich die Golden Gate Bridge über die Rolltreppenkluft spannt. Super, und auch super kitschig, aber so können wir wenigstens noch ein paar mehr Metropolen auf unsere „gesehen“ Liste setzten.

Die Höhe überrascht den Dorfjungen

Sind wir denn jetzt plötzlich in San Francisco gelandet?

Das Highlight war aber die oberste Etage, wie wahrscheinlich jeden männlichen Mallbesucher, den die Shops eher weniger interessieren. Hier liegt nämlich die Fressmeile. Und das ist wirklich mal was anderes.

Man stelle sich das Ganze ungefähr wie folgt vor. Es gibt dutzende kleiner Inselchen, hinter deren Theken sich wiederum bis zu vier Anbieter mit bunten Smoothies, duftenden Suppen, die in riesigen Kesseln und Woks kochen, oder knusprigem Gebratenem um Kunden buhlen. Darum rennen hunderte von Leute, die alle versuchen das schier endlose Angebot innerlich zu sortieren. Obwohl wir mindestens zwei Köpfe größer sind als alle anderen verlieren wir komplett den Überblick, laufen ein bisschen hin und her und bestellen am ende gebratene Ente mit Reis, da kann man ja schon mal nichts falsch machen.

Große Pötte

 

Unbekanntes Obst in der Fressmeile…

 

…die sich auch sonst etwas von zu Hause unterscheidet.

Die Ente wird vom Haken genommen, und vor einem mit einem gigantischen Hackebeil in kleine essstäbschengerechte Scheibchen geschnipselt. Oookay, dann mal guten Appetit. Und ja, wir haben damit nichts falsch gemacht, das Essen ist herrlich!

 

Da noch Geld auf der Prepaidkarte ist, die man vor dem Essen für jeden Laden aufladen muss (zugegeben sau unpraktisch) bestellen wir nun etwas mutiger unseren Nachtisch. Wir haben zwar keine Ahnung was es wird, aber der dekorativ in die Schüssel geworfene Bollen Crushed Ice macht Hoffnung. Er schwimmt in einer süßen Flüssigkeit, wir haben sie mal für Ahornsirup erklärt. Was dann aber unter dem Eis zum Vorschein kommt erwartet man in einem schönen Chilli con Carne, aber nicht im süßen Nachtisch: Kidney- und Saubohnen!

Nachtisch

Erstaunlich aber wahr, Bohnen schmecken auch süß sehr gut. Was sich allerdings noch in unserer Schüssel befinden könnte entzieht sich unserer Phantasie, es ist weiß, glibberig, in dünnen Scheiben geschnitten oder Tentakel- beziehungsweise Wurmähnlich. Dass es mal gelebt hat, das glauben wir nicht, es schmeckt zumindest nicht nach Fisch oder so. Am ehesten könnte es vielleicht das glibberige Fruchtfleisch einer noch nicht fertig gereiften Kokosnuss sein, das zumindest hatte ich auf Bali mal probiert. Und mit der Erklärung sind wir gedanklich auch ganz zufrieden.

Glibber zum Mitraten

Unabhängig davon möchte ich nun aber wirklich lieber in unser Apartment zurück fahren, ich bin schon den ganzen Tag etwas angeschlagen und will mich etwas ausruhen. Wie sich später herausstellt ist es doch etwas mehr als zu wenig geschlafen, den kompletten restlichen Abend und nächsten Tag falle ich flach und bleibe im Bett – krank. Kacke.

 

15.05 2017 – Welcome to his majesty the king, welcome in Thailand

Wir stehen gemütlich um 8 Uhr auf und packen mal wieder die Backpacks. Ein kurzes Toastfrühstück am Pool und dann checken wir auch schon aus dem Hotel aus, dem wir allerdings keine sonderlich gute Bewertung auf Air BnB geben (Hotels dort zu mieten sollte man in Asien wahrscheinlich eher lassen, obwohl wir auf Gili ja ein sehr Gutes hatten, private Unterkünfte sind wesentlich sauberer und gut in Schuss).

Die Frage des Transports zum Flughafen macht uns kurzzeitig ein paar Schwierigkeiten, die Uber-Fahrer die wir mit der App bestellen wollen nicht in unsere Gegend an einem der Mainstrips der Stadt fahren, wo sich dutzende Clubs und Restaurants tummeln. Ein dankend abgelehnter aber sehr aufdringlicher liefert auch gleich die Erklärung dafür: Uber ist hier illegal. Wir stornieren also die Bestellung und winken ein richtiges Taxi heran, verhandeln den Preis und fahren los zum Flughafen.

Die Flugtickets hatte Chris in den super Hotel auf Gili ausgedruckt und so erwarteten wir keine Probleme beim Check-In. Aber wenn alles reibungslos gelaufen wäre wären wir ja nicht wir, oder? Natürlich gibt es ein Problem. Die Dame hinter dem Tresen guckt nämlich etwas verdattert, als wir je über 20 Kilo Gepäck anschleifen. „Sorry Guys, you haven’t booked luggage.“ Wie, kein Gepäck gebucht? Und was machen wir jetzt hier mit den 43 Kilo?

Los gehts nach Bangkok! Nur noch schnell Gepäck weg bringen

Natürlich war das kein riesen Problem, wir konnten einfach extra Gepäck buchen… für zweimillionenundvierzigtausend Rupie. 2.040.000,00 Rupie sind schon n ganzer Batzen, nämlich rund 140€, was fast dem Preis für das Ticket entspricht.. suuuper!

Wenigstens kommen wir zum Flugzeug, durch eine ganze Reihe von Sicherheitschecks, mehr als in Auckland oder Frankfurt. Der Flughafen ist übrigens mit seinem hohen geschwungenen Dach aus Aluminium sehr hübsch und modern, als kleine Randinfo.

Dann geht’s auch schon in die Sardinenbüchse und ich bin froh einen Gangplatz erwischt zu haben, um wenigstens ein Bein mehr als 90 Grad ausstrecken kann. Die nächsten vier Stunden fließen etwas zäh dahin, es gibt kein Entertainmentsystem an Board, und die drei Briten in ihrem Black Cab sind mittlerweile auch wieder in London angekommen, neuen Lesestoff hatte ich nicht runtergeladen.

Dann landeten wir sanft in Bangkok, nachdem wir über große mit Einfamilienhäusern Siedlungen geflogen sind, in denen ein Haus dem anderen glich, fast als würde man auf eine US-amerikanische Vorstadt zusegeln.

Unser Host hatte uns im Voraus unglaublich viele Informationen über den Flughafen, die Verbindungen von dort zum Apartment und vielem mehr geschickt. Doch all das nütze nichts, denn wie wir feststellten sind wir gar nicht am neuen Internationalen Flughafen gelandet, sondern beim alten. Er sah aus wie ein Krankenhaus aus den 70ern. Mintgrün lackierte schon etwas schmuddelige Wände, brauner Linoleumboden und in der Luft hing noch eine leichte Note längst verglimmter Zigaretten.

Das Problemchen mit dem jetzt unbekannten Transport (wir wollten eigentlich mit der Metro fahren) musste allerdings erst einmal warten, im wahrsten Sinn. Denn zuvor ist Einreise dran, in einer riesigen Halle stehen hunderte von Menschen in unübersichtlichen Schlangen und warten auf die gemächlich arbeitenden Beamten. Zum Glück bemerken wir recht zügig, dass wir in der Schlange „Aiseans“ (buchstäblich) stehen, und ziehen dreist diagonal nach vorne in die richtige Reihe ein. 35 Minuten später stehen wir dann endlich vor den Beamten, der den Stempel einfach über den Indonesischen in den Pass haut, und wir können zum Gepäck.

Warten auf die Einreise

Der Vorteil von so langem Warten auf die Einreise ist, dass wenigstens das ganze Gepäck schon auf den Bändern rollt, alles hat seine positiven Seiten.

Jetzt wollen wir mit dem Bus zu unserem Apartment, das nicht ganz Zentral aber dennoch mitten in dieser gigantischen Metropole, die 2010 schon doppelt so viele Einwohner hatte wie ganz Neuseeland, nämlich 8,249 Millionen.  Allerdings können wir den passenden einfach nicht finden, und ein freundlicher Amerikaner empfiehlt uns das recht günstige Taxi zu nehmen. Das machen wir dann auch, man stellt sich an einen Schalter und bekommt ein Taxi zugewiesen, das gesetzlich dazu verpflichtet ist, mit Taxameter zu fahren. Mittlerweile ist es 5 Uhr, die beste Zeit um in einer Millionenstadt mit dem Auto unterwegs zu sein.

Zum glück gibt es eine Tollstreet, also eine Mautstrecke, auf dem wir einen Teil des Weges für 1,50€ in normalem Tempo zurück legen. Wir sehen kurz die Skyline am Horizont, bevor es auf den normalen Freeway geht. Eine halbe Stunde später kommen wir in einer Garage zum Stehen, bezahlen den Fahrer und schultern den Rucksack. Eine Dame in einem kleinen Office händigt uns einen Chip für die Haustüre des sechsstöckigen Gebäudes und den Wohnungsschlüssel aus und wir fahren mit dem Lift in den Dritten.

Das wunderbar große und saubere Zimmer freut uns erschöpfte Reisende und wir legen uns aufs Bett und erholen uns. Dann entdecken wir die Instantnudeln an denen wir uns gütlich machen, wir hatten außer etwas Toast und Chips mit Seegrasgeschmack (schmecken echt gut) nichts gegessen. Die Instantnudeln waren auch sehr lecker (nur vertragen hab ich sie überhaupt nicht), machten aber nicht satt.

Bild aus dem Taxi
1. Abendessen der BASF
Nur gesunde Inhaltsstoffe

Und da wir eh nach Bangkok wollten um die kulinarische Vielfalt des Streetfoods hier zu testen, begann der Test gleich nach dem Abendessen.

Wir schlenderten ein bisschen an den dichtbefahrenen Straßen entlang, und überquerten eine Kreuzung, um auf die andere Straßenseite zu kommen. Hier muss man sich nicht durch den Verkehr schlagen oder an Ampeln warten, sondern kann gemütlich über die Fußgängerbrücken über der Fahrbahn gehen. Bangkok ist also zumindest auf den ersten Blick sehr fußgängerfreundlich.

Bangkok bei Nacht
Nightmarkt mit Dino zum reiten

Vor einem kleinen Restaurant hielten wir und bestellten etwas zu Essen. Christoph wählte Reis mit Schwein, bei dem auch gebratene Zwiebeln, Glasnudeln und Gemüse dabei war, während ich Reis mit Seafood bevorzugte. Die Soße war scharf und würzig, und schmeckte lecker nach Lakritze. Eine wirklich sehr interessante Mischung, Oktopus, Reis und Süßigkeiten.

Kochen auf der Straße
Lecker 2. Abendessen

Dann gings zurück zum Apartment, wo wir noch einen gemütlichen Abend verbrachten.

12.05. – 14.052017 – Kuta Bali

 

Bei einer unserer Inselerkundungen, die nur etwas unter einer Stunde benötigen bis man alles gesehen hat haben wir unser Speedboat für die Fahrt nach Bali gebucht. Diesmal das Speedboat, weil es erstens keine öffentliche Fähre von den Inseln aus gibt und zweitens, der Zeitaufwand von Gili mit dem kleinen Boot nach Lombok überzusetzten, dort mit dem Taxi nach Lembar zu fahren und dann mit der unendlich langsamen Fähre nach Bali zu schippern einfach zu immens ist, als dass sich die paar Euro mehr nicht lohnen würden.

Colour Cottage Gili
Hafen von Gili Air

 

Und auch sonst hat sich das Speedboat gelohnt. Wir bestiegen es um 12 Uhr nach einem sehr verfrühten letzten Mittagessen in unserem Stammrestaurant (das glaube ich nicht einmal einen Namen hat) und einen herrlichen Fruchtsaft, den wir in einem anderen Restaurant schlürften. Christoph hatte sich einen knallpinken Drachenfruchtsaft bestellt, ich einen Mangosaft. Beide frisch gepresst und zu 100% nur aus Frucht.

Köstliche Säfte

Dann haben wir es uns auf dem Oberdeck gemütlich gemacht, der Partymusik von bis ans Limit aufgedrehter Boxen gelauscht und betrunkenen Schweden, Aussies und anderen Völkchen beim feiern zugesehen. Mit einem kleinen Schwenker nach Lombok rüber ging die Fahrt dann los. Die Stimmung war ausgelassen gut und wurde umso besser je stärker der Wellengang wurde. Das Wasser spritze einen von oben bis unten klatschnass und ich war so gezwungen mein Buch mal aus der Hand zu legen und im trockenen Rucksack zu verstauen (Der Marsianer von Andy Weir, absolut fesselnd!).

Nach einigem über-die-Wellen-Gehopse waren wir auch schon von oben bis unten nass aber bester Stimmung in Padangbai, wo wir neun Tage vorher abgefahren waren.

Die bunten Opferschälchen mit den Blumen begrüßten uns auf dem Boden und wir kämpften uns durch den Pulk von Touris und Taxifahrern zu unserem Shuttlebus, der im Speedboatpreis inbegriffen war.

Damit tuckerten wir dann auch zwei Stunden nach Kuta, „Der Marsianer“ konnte ich so also in aller Ruhe fertig lesen und begann schon das nächste Buch, das von drei Freunden geschrieben wurde, die mit einem London Black Cap, also den typischen Taxis, von London nach Sydney fahren wollten. Es muss zwar kein London Cap sein, aber die Idee hatte ich auch schon.

Abends kamen wir in unserem Hotel an, ich begann zu schreiben und die Karte zu aktualisieren. Ab jetzt ist jede Übernachtung und jede Reise vorbestimmt, es gibt keine Spontanbuchungen mehr, kein Campingplatzgesuche und keine spontanen Flugbuchungen weil ein Rückflug fehlt. Am Ende der Reise werden wir an genau 88 Orten übernachtet haben bevor wir um 13.00 Uhr in Säckingen am Bahnhof stehen, mit mehr Gepäck, mehr Erfahrungen und mehr Bräune auf der Haut wie zu Beginn der Reise, also die beiden Greenhorns aus dem Wald sich mal eben aufgemacht haben, sechs Monate am anderen Ende der Welt zu leben.

Am 13.05 schliefen wir erst einmal kräftig aus und legten uns vormittags an den Pool, wie es unsere mittlerweile standartmäßige Tagesplanung „vorschreibt“. Ich schrieb den Rest der Beiträge fertig und bezahlte die Visa für Indien, dann gingen wir in ein super tolles Restaurant in der Nähe wo wir uns jeder einen schönen Burger mit Pommes gönnten. Wir haben noch eine Millionen Rupie die wir verheizen können, denn außer in Indonesien ist die Währung nirgends was wert. Aber eine Millionen zu verprassen dürfte nicht all zu schwer werden.

Hamburger mit Pommes

Dann geht’s zum Strand, wo wir uns eine Liege mieten wollen. Die sind aber so unverschämt teuer, dass wir unsere Millionen schon vorzeitig schwinden sehen.

Das tolle ist an Bali, dass die Leute so freundlich sind. Zwei Balinesen kamen auf uns zugesteuert und boten uns einen Platz auf ihren dutzenden abgesägten Plastikstühlen an, so dass man auch fast im Sand liegen konnte. Und das auch noch für lau! Die Truppe die sich dort zusammen fand war ein bunt gemischter Haufen aus Weltenbummlern, Hippies und normalen Urlaubern. Wir bestellten uns bei unseren Gastgebern zwei Getränke, die sogar fast dem Supermarktpreisen entsprachen und genossen den Tag. Es gab sogar Internet am Strand, was echt praktisch war, denn ich hatte mein Buch im Hotel liegen gelassen und so konnte ich es aufs Handy laden. Wir betrachteten den Sonnenuntergang über dem Meer und dachten daran, wie es wohl in Bangkok wird.

Prost!
Sonnenuntergang

Weil die Akkus eh gerade alle waren gingen wir in einen kleinen Imbiss nicht weit vom Strand wo es die mit Abstand besten gebratenen Nudeln des Urlaubs gab.

Da wir kein Frühstück im Hotel bekommen mussten wir uns auch noch dafür etwas besorgen, nach dem siebten Supermarkt fanden wir dann auch endlich einen, der Brot verkaufte und wir deckten uns sofort ein. Ach wie ich ein gutes Frühstück zu Hause vermisse…

Auch den 14.05. (und damit der letzte Tag auf Bali) verbrachten wir wie den Vorangegangenen. Morgens Brot zum Frühstück, dann an den Pool und schreiben. Danach gabs den selben Burger im selben Restaurant, dann wieder zu unseren Gratisliegen wo wir den ganzen Abend gemütlich saßen während Chris allerdings auch sehr lange mit einem gemieteten Surfboard auf den Wellen unterwegs war. Selbst das Abendessen und der Imbiss war der Selbe wie gestern

08.05 – 12.05 2017 – Gili Air

Am 08. packten wir mal wieder unseren Backpack, wir wollten eine neue Insel erkunden. Dafür hatten wir gestern bei unserem jetzigen Host einen Shuttle Service gebucht, der um ein Uhr eintreffen sollte. Wir gingen also noch schnell was in unserem Stammrestaurant essen und als wir zurück kamen war der Wagen auch schon da. 

Die riesigen Backpacks in den mit Menschen schon überladenen Kleinbus gestaltete sich als schwierig, zumal ich mit der Tante des Hosts, der gerade nicht da war, stritt, weil diese, und auch der Host der per Nokia-Knochenkommunikation dazu geschaltet war das Geld für unsere Übernachtungen wollte. Das hatten wir allerdings online an den anderen Host gezahlt, der uns ja dann mangels Hostels hier untergebracht hat. 

Der Fahrer hat das allerdings dann, nachdem er es irgendwie geschafft hat sein Tetris-Level zu beenden, sehr diplomatisch gelöst: „Ist mir scheiss egal ob die gezahlt haben oder nicht, du steigst jetzt ein, ich hab Zeitdruck!“

Dieser Argumentation könnte sich natürlich niemand entziehen, und ich sprang in den Wagen, während die völlig verdatterte Tante nur dem Wagen hinterhergehen konnte. Wenn wir dadurch jetzt eine Nachbarschaftsfede ausgelöst haben sollten – tut uns echt leid, aber wir standen ja unter Zeitdruck…

So raste der Bus nach Pamenang, durch einen Schleier von Regen, der kurzzeitig die Sicht trübte. Mal wieder Glück gehabt, dass das Wetter genau dann schlecht ist wenn wir nicht drauf angewiesen sind. 

Gegen halb drei kamen wir in Pamenang an und wurden bei einem kleinen Restaurant ausgeladen, in dem man vor dem Ablegen der Fähre in einer halben Stunde noch was essen könnte (der Fahrer hatte wohl keinen Zeitdruck…). Wir hatten das ja schon erledigt und waren so versorgt. Ein wenig später kam das Zeichen, wir schulterten unsere Sau schweren Backpacks und liefen zum Hafen. 

Dort mussten wir unser vorläufiges Ticket vom Restaurant in ein richtiges Ticket der Fähre tauschen.

Etwas später versuchten wir auf die schaukelnde Fähre steigen, die auch nur ein etwas größeres Fischerboot war. Das war einigermaßen kompliziert, wir mit fast 30 Bonuskilos um Bauch und Rücken versuchten vom weichen Sand aus in das in den Wellen lustig vor sich hin treibende Boot zu steigen. Mit Hilfe von ein paar freundlichen Mitpassagieren, die beherzt Zugriffen und einen an Board zogen gelang das dann auch, unter unserem Gewicht brach allerdings die Sitzbank der Fähre, Christoph und ich haben je ein Brett auf dem Gewissen.

In weniger als 20 Minuten waren wir übergesetzt, die kleine Insel Gili Air und ihre zwei Mit-Gilis im Hintergrund konnte man schon von Hafen aus sehen, was natürlich unsere Vorfreude weckte.

Dort angekommen kämpften wir uns an Land und durch die Menschenansammlung im Hafen und machten uns dann auf den Weg zum Hotel.

Den ersten und größten Erholungsfaktor sieht man sofort wenn man auf die Straßen blickt. Beziehungsweise man sieht ihn nicht, und das ist super. Es gibt keine Autos und auch keine Motorroller. Das macht die Insel sehr leise, himmlisch leise. Ganz abgesehen davon ist die ganze Insel ein Paradies auf Erden. Gebt sie einfach mal in die Google Bildersuche ein, dann ist schon klar warum. Es ist DAS Klischee von Südseeinsel. Türkises glasklares Wasser, Palmen überall und korallweißer Strand. Das hatten wir hier zwar überall sonst auch, aber Gili Air ist wie eine kleinere schönere Miniaturausgabe von Indonesien. Atemberaubend und definitiv ein Tipp für die nächsten Urlaube. 

Und unser Hotel, das Colour Cottage war auch super. Ein toller kleiner Pool, ein schönes großes Bett, Klimaanlage und Frühstück. Das beste war vielleicht allerdings das Badezimmer, das außerhalb der Hütte lag, in der wir schliefen. Es hatte kein Dach und so könnte man unter freiem Himmel duschen. Herrlich.

Die Gili Inseln waren so der absolut erholsamste Ort auf dem wir bislang waren. Mehr gibt’s dazu eigentlich auch nicht zu erzählen. Entweder wir lagen am Strand, am Pool oder saßen in unserem schnell gefundenen Stammrestaurant beim Essen. Wir waren so gern gesehene Gäste dass wir ganz schnell auch Köstlichkeiten aufs Haus bekamen, wie selbst gebackene Süßigkeiten aus einer Knolle, Manjok vielleicht, mit Nüssen und Kokosnussraspwln verfeinert, oder Salaks, Früchte die aussehen wie Feigen die sich als Gürteltiee verkleidet hatten, und nach Ananas schmeckten. Köstlich. Dort trafen wir auch Eva, eine holländische Backpackerin, die auch gerade aus Neuseeland gekommen war, weshalb man natürlich reichlich Gesprächsstoff hatte. Und wir alle merkten, wir müssen da mindestens noch mal so lange da hin, um all das zu sehen, was man tolles verpasst hat (Wanderungen und die Kekse des Kinos in Wanaka, die wohl ziemlich gut sein sollten). 

Die Zeit auf Gili war einfach nur bombastisch, und würden wir nicht in ein paar Tagen nach Bangkok wollen, würde ich hier gern auch noch ein zwei Monate bleiben. 

03.-08.05. 2017 – Lombok

03.05. 2017 – Kuta Lombok

Ein letztes Bananen-Sandwich und dann ist es auch schon wieder Zeit sich von Bali zu verabschieden. Heute verlassen wir unser Häuschen in Ubud und begeben uns auf Balis Nachbarinsel Lombok. Praktischerweise hat die Familie, bei der wir untergekommen sind, auch gleich noch ein Taxiunternehmen weshalb wir zwar für einen stolzen aber doch einigermaßen guten Preis um 10 Uhr nach Padangbai aufbrechen. Von dort aus geht nämlich die öffentliche Fähre, die wir Sparfüchse natürlich nehmen – der Fahrpreis ist nämlich nur 10% dessen was man für ein Speedboat zahlen würde.

Bevor wir uns allerdings einschiffen wollen wir noch schnell eine Kleinigkeit in dem schnuckeligen Dorf essen, und gehen ziemlich planlos ins nächstbeste Restaurant, das ganz am Ende des Hafens liegt. Es gibt nur vier Tische, gerademal einer ist besetzt.

Nachdem wir uns niedergelassen haben werden wir stutzig… Moment… das Mädel dort kennen wir doch!

Ja klar, da sitzt unsere ehemalige Mitschülerin Celine mit zwei anderen Mädels und isst zu Mittag. Wir sind völlig perplex ob des Zufalls jemanden aus 120 Schülern am (fast) anderen Ende der Welt in einem winzigen Restaurant zu genau der selben Uhrzeit zu treffen (wir hatten ja nur eine halbe Stunde hier), zumal wir nicht einmal voneinander wussten, dass wir alle überhaupt auf Bali sind.

Sicht auf das Hafenbecken und die Fähre

Nachdem unser Essen dann auch aufgegessen war ging es für uns auch wieder weiter, um 1 sollte die Fähre ablegen. Mit südseetypischer Gelassenheit fuhren wir dann auch um halb 2 langsam los, und wir waren bis auf wenige Ausnahmen die einzigen Touristen hier. Auffällig war, dass hier fast jede Frau Kopftuch trägt, denn Lombok ist sehr muslimisch geprägt, im Gegensatz zu Bali So konnte man auf dem Außendeck den Klängen indonesischer Stars im Fernsehen lauschen, bis es mir zu bunt wurde und mich für ein Nickerchen aufs Oberdeck verzog..

Unser Deck

Die Sonne versteckte sich zum Glück hinter den Wolken, so gab es während der fünfstündigen Fahrt keinen Sonnenbrand. Man kann jetzt allerdings auch verstehen warum hier so viele Speedboote angeboten werden, denn die nicht mal 50 Kilometer kann man wirklich wesentlich schneller zurück legen als auf diesem Kutter.

So kamen wir auch erst sehr spät in Lembar an, die Taxistände waren leer und wir mussten deshalb ein ziemlich überteuerten Shuttlebus nehmen. Pech gehabt.

Sonnenuntergang bei der Einfahrt in den Hafen von Lombok

Als wir dann endlich in Kuta Lombok ankamen, (Lombok muss man immer dazu sagen, denn auch auf Bali gibt es ein Kuta) mussten wir zuerst unsere AirBnB Unterkunft suchen, denn eine genaue Adresse bekamen wir nicht. Wie auch, nach langer Suche stellte sich heraus, dass es das Zimmer gar nicht gab…

Der „Host“ quartierte uns so beim Nachbarhostel ein, wir hatten unseren eigenen Raum wie gebucht und waren damit dann auch zufrieden, es war spät und wir wollten ins Bett.

Unsere Unterkunft liegt im tropischen Schatten

 

 

  1. – 08.05 2017

 

Die nächsten Tage verbrachten wir mit Urlaub. Wir lagen am Strand, der sich direkt auf der anderen Straßenseite befand und aus Korallen und kugelrunden Sandkörnern bestand. Das Wasser war angenehm warm und so mussten wir uns nur um unser Mittag- und Abendessen kümmern, Frühstück bekamen wir in unserer Unterkunft gratis dazu (es gab jeden Morgen Bananenpfannkuchen mit Indomilk, von der wir immer noch nicht genau wissen was das überhaupt ist. Pappsüße angedickte Milch die nach weißer Schokoloade aus dem Ü-Ei schmeckt trifft es wahrscheinlich am besten). Schon bald hatten wir unser Stammrestaurant gefunden, das sehr gute Fischgerichte zu sehr günstigen Preisen anbot. Wir mieteten uns außerdem Scooter für drei Tage, mit denen wir die Insel erkunden wollten.

Der Strand

Der Blick über die Straße

Am ersten Tag (also dem 05.05) waren wir aber viel zu sehr mit ausschlafen beschäftigt, und deshalb zu spät dran überhaupt noch etwas zu sehen. Deshalb fuhren wir in eine Bucht ein paar Kilometer entfernt und bekamen so auch einen kleinen Einblick in das leben der Insulaner.

Was mir hier sofort auffällt: Durch den noch fehlenden Tourismus müssen sich die Leute auf andere Art ihre Brötchen (oder Reis) verdienen, weshalb sie doch recht massiv Raubbau an der Natur betreiben. Wir fahren an einem gewaltigen Loch im Dschungel vorbei, wo dutzende LKW die Produkte des Steinbruchs davonkarren, und uns ganz schön den Staub ins Gesicht treiben.

Steinbruch

Wie um einen Kontrast zu der braunen Einöde zu bilden kann man von einem Hügel gleich dahinter die atemberaubend schöne Bucht sehen, zu der wir unterwegs waren. Wie die Säulen des Herakles ragen zwei Berge aus dem Meer und schützen so die sanfte Bucht dahinter. Wir sehen das türkise Meer, den weißen Strand und die dunkelgrünen Plamen dahinter und geben Gas.

Unser Ort der Entspannung

Wir parken unsere Roller unter einem aus Palmenblättern gebauten Unterstand und begeben uns zu den liegen, die am Strand stehen. Außer fünf anderen Touristen sind wir die einzigen hier und haben den ganzen Strand für uns alleine – ein Träumchen. Wir schlürfen aus unseren Kokosnüssen, die wir mit in den Liegenpreis verhandeln, lesen, schwimmen im glasklaren Wasser und lassen es uns in der Sonne so richtig gut gehen.

 

Den 05.05. muss ich allerdings gesondert erwähnen, denn da waren wir mit den Rollern unterwegs auf größerer Erkundungstour, wie wir das ja auch schon auf Bali gemacht haben. Unser erstes Ziel war das Dörfchen Sade, es ist das Älteste Lomboks, in dem die Menschen noch die traditionelle Lebensweise der Sasak leben, der größte Volksstamm der Insel. Die Wände der Hütten bestehen aus geflochtenen Bambusrohrstreifen, die Dächer sind aus Elefantengras gewundene Matten den Reetdächern nicht unähnlich. Die Hütten sind Treppenförmig konstruiert, hervorgerufen durch die Hanglage. So ergibt sich aber auch eine Aufteilung des Raumes in mehrere Ebenen, die jeweils aber nur ein paar Meter breit sind. Die oberste Ebene, und damit die, die am weitesten von der Straße entfernt liegt, ist für die Frauen, Kinder und die Küche mit den Vorräten reserviert. Der Raum hat keine Fenster, um die warme Luft von außen nicht hinein zu lassen, und so ist es einigermaßen kühl. In der Ebene darunter liegen die Männer, und passen auf das Haus auf, denn gleich eine Ebene weiter unten liegt die Straße. Das Dach liegt sehr tief, so dass man sich wenn man eine Ebene höher möchte bücken muss, was ein Zeichen des Respekts darstellt. Vor wem wird allerdings nicht deutlich, eventuell aber Allah, denn diese Art der kleinen Türen kennt man ja aus sehr alten Moscheen auch.

Wilkommen
Abbildung 1: Schemische Darstellung eines Sasak Hauses

 

Das Dorf lebt von zwei unterschiedlichen Industrien – drei, wenn man Tourismus noch hinzuzählt- von der Landwirtschaft und der Webkunst (nicht das Internet, sondern Stoffe 😀 ). Beides spiegelt sich auch in der Architektur wieder, für den Reis gibt es mehrere große Speicher im Dorf, die wahrscheinlich mehreren Generationen einer größeren Familie zusammen gehören. Ihre form ist sehr interessant, denn über dem steinernen Fundament befindet sich eine kniehohe Plattform, auf der tagsüber im schatten des eigentlichen Speichers gearbeitet, gekocht oder wahlweise auch gedöst wird. Darüber liegt auf vier Pfosten der Reisspeicher, um die Posten sind runde Holzscheiben angelegt, in etwa so groß wie eine Pizza, um Mäuse oder Ratten abzuhalten. Dann geht es durch eine Falltür auf den Boden über dem sich ein glockenförmiges, sehr hübsch anzusehendes Strohdach befindet. In den Speicher aber dürfen ausdrücklich nur Frauen, kochen ist schließlich auch nur was für Frauen…

Der „Nebeneingang“ zum Dorf

 

 

links: Wohnhaus rechts: Reisspeicher mit darunter liegender Entspannungsfläche

Dabei scheinen gerade diese für das Immage des Dorfes essentiell, denn nun kommen wir zum zweiten Industriezweig, der Weberei.

Kleine Gassen auf denen so allerlei verkauft wird

 

Hier reihen sich Webstube an Webstube, in denen sogar noch richtig antike Webstühle befinden, die man in Europa schon seit mindestens 150 Jahren nicht mehr gesehen hat. Im Prinzip sind es nicht einmal richtige Webstühle, sondern eher überdimensionierte Webrahmen für Kinder mit einem kleinen hölzernen Sitz davor. Und trotz dieser Einfachheit, vielleicht auch gerade deshalb, kommen die wunderschönsten Muster auf die farbenprächtige Tuche, die man sich nur vorstellen kann. Und alles reine Handarbeit, kein Strom, keine Maschine und kein Computer der die Muster optimiert. Was hier zählt sind Erfahrung, Können und Kreativität.

Die typischen Webstühle

 

Im Nachhinein hätte man alle Läden leer kaufen sollen, aber das kann man ja auch noch bei der nächsten Reise und etwas weniger Grundlastgepäck machen.

Herrlich oder?

 

Dann geht’s auch schon weiter auf unserer Tour, und wir merken, wir sind Neuseelandverwöhnt. Irgendwie hatte ich mir zumindest landschaftlich eine Veränderung zwischen den beiden Inseln vorgestellt, aber hier gibt’s tatsächlich genau das gleiche wie auf dem 50 Kilometer entfernten Bali – eigentlich logisch. Die Flora und Fauna sind also gleich, üppiges Grün, Palmen und Bananenstauden und natürlcih Reisfelder auf der ganzen Länge der Strecke. Was anders ist sind die Menschen. Die Leute hier sind nicht so freundlich und hilfsbereit, eher vorsichtig, zurückgezogen und etwas misstrauisch den beiden verrückten Touris, wahrscheinlich den einzigen die so etwas auf Lombok überhaupt machen.

Reisbauern bei der Arbeit

 

Das dem nicht so ist stellen wir ein wenig später an unserem nächsten Ziel fest, auf das wir uns schon sehr freuen. Es verspricht nämlich eine Pause vom Auf-dem-Roller-sitzen, uns tun beide unsere vier Buchstaben weh und wir fragen uns nach den zwei Stunden wie wir auf Bali neun Stunden mit den kleinen Biestern fahren konnten.

Nun aber zum Ziel. Es heißt Pura Suranadi. Dabei handelt es sich um eine Tempelanlage, logischer weise buddhistisch. Sie liegt mitten im Dschungel, umgeben von einer Mauer und ein paar Häuschen. Wir parken unsere Roller für ein paar tausend Rupie und machen uns dann auf zum Tempel.

Treppe zum Allerheiligsten

 

Davor ist eine kleine Baracke mit einem Wärter, bei dem wir uns wieder gegen eine kleine Summe einen Sarong ausleihen, ohne den wir nicht in den Tempek dürften. Ein Sarong ist eigentlich nur ein langes Tuch, dass man sich um die Hüfte wickelt, allerdings nicht ganz so wie ein Handtuch sondern doch etwas mit System. Da wir keine Ahnung haben wie dieses System funktioniert lassen wir ihn mal an uns rumwerkeln, lassen uns aber natürlich auch erklären, wie das wirklich funktioniert. Nach einem kleinen Hinweis den hinteren oberen Teil, der nur über eine große Freitreppe zu erreichen ist bitte nicht zu betreten lässt er uns in den Tempel.

Posing im Sarong

 

Dessen Struktur und Funktion erschließt sich uns allerdings leider ohne jemanden der uns das alles erklärt überhaupt nicht. So laufen wir ein bisschen herum, schauen uns die Steinmetzarbeiten der Schreine und die Gläubigen an, die Meditierend auf dem Boden sitzen an, werfen einen Blick in die beiden Quellen auf dem Areal die von steinernen Kesseln wie sie Miraculix benutzen würde umgeben sind, laufen ein bisschen planlos umher und wollen dann auch schon weiter. Der Tempel ist zwangsläufig nicht sehr groß, die Insel ist wie gesagt ja überwiegend muslimisch. Was aber besonders cool ist sind die Affen, die sich hier tummeln und sich zankend über das Areal jagen. Wir schauen Ihnen eine Weile amüsiert zu, dann geht es aber wirklich weiter.

Miraculix Pott und Gläubige
Äffchen

 

Nächste Station ist Mataram, die größte und zugleich Hauptstadt der Insel Lombok. Der Verkehr ist unglaublich und wir sind froh wenigstens nur auf Einbahnstraßen zu fahren, dass man wenigstens auf Gegenverkehr im Überholvorgang nicht achten muss. Die Indonesier benutzen dafür nämlich gerne mal mehr Platz als sie brauchen.

So hatten wir also auch einen Eindruck davon bekommen, was es Heist, in asiatischem Stadtverkehr zu fahren. Das tolle daran ist, dass es nicht halb so ätzend ist wie in Deutschland zu fahren, denn gerade weil sich keiner an (wahrscheinlich) nicht vorhandene Regeln hält fahren hier alle vorsichtig und passiv. Trotzdem passen wir natürlich höllisch auf und so kommen wir ein wenig später vor einer kleinen Straßengarküche zum stehen, wo wir uns ein köstliches und riesiges Mittagessen für gerade mal 15.000 Rupie schmecken lassen. Das ist sogar hier günstig, entspricht es doch nur gerade mal einem Euro.

Auch Kutschen gibt es hier noch häufig, die Glöckchen am Geschirr lassen einen immer an den Wheinachtsmann oder die Weiße Hexe aus Narnia denken

 

Dann machen wir uns wieder auf den Rückweg nach Kuta, und haben noch einen entspannten Abend.

Die nächsten Tage liegen wir dann wieder am Strand und lassen es uns gut gehen, es passiert nicht mehr viel weshalb auch lange nichts mehr geschrieben wurde.

Exakte Route,  (zuerst nach Osten)
Lombok in der Übersicht

 

02.05. 2017 – Ubud

 

Heute wollen wir eigentlich noch eine Erkundungstour über die Insel machen, diesmal den östlichen Teil, um zum Beispiel den Wasserpalast zu bestaunen. Allerdings kommt das Wasser von selbst zu uns, es regnet und so haben wir eigentlich überhaupt keine Lust mit dem Roller herum zu fahren. Deshalb bleiben wir vorerst in unserem Häuschen und versuchen unsere Unterkunft für morgen zu buchen, was aber wegen der furchtbar schlechten Internetverbindung heute absolut unmöglich ist.

So bleibt uns nichts anderes übrig als lesend und Musik hörend zu warten, bis das Wetter oder das Internet wieder stabil wird.

Als das aber um 1 Uhr immer noch nichts geworden ist gehen wir in ein Restaurant um Mittag zu essen, es gibt Nasi Goreng für uns beide. Zum Glück ist es dann trocken und wir fahren nach Padang Bai, wo die Tauchschule ist, da wir dort ein kleines goldenes Stückchen Plastik vergessen haben, ohne dass wir kein Geld mehr hätten…

Der Himmel ist grau, und so kommt einem auch die Strecke nicht so schön vor wie gestern. Nachdem wir von unserem zweistündigen Kurzausflug zurück sind ziehen wir uns notgedrungen wieder in unser Zimmer zurück und buchen die Unterkunft für morgen.

Dann gehen wir auch schon zu Abend essen, zu unserem vorerst letzten Abend auf Bali hätten wir auch Lust auf ein Bierchen, und so machen wir es in einem coolen kleinen Restaurant bequem, dessen Stühle aus alten Ölfässern geschnitten sind. Wir bestellen unser Essen, es gibt Chickenwings für Chris und ein Curry für mich, trinken ein kaltes und vorzügliches Bintang Pils und reden über unsere hoffentlich spannenden Erlebnisse auf Lombok, und fragen uns, wie es auf der Nachbarinsel Balis wohl wird. Da steht plötzlich ein älterer Herr auf und reicht uns einen Zettel mit dem Namen eines Restaurants und dessen Adresse. „Zu diesem Restaurant müssen sie unbedingt gehen“ sagt er auf deutsch „es gehört zwei meiner Freunde und sie haben dort eine wunderbare Sicht über den Dschungel, das Essen ist vorzüglich und sehr günstig“. Wir bitten ihn sich neben uns zu setzten und so beginnt unser langer Abend mit Udo. Er lebte 10 Jahre auf Lombok und erzählt uns einiges über die Insel, die Leute und die Unterschiede zwischen Lombok und Bali. Es ist ein wahnsinnig interessantes Gespräch, wir trinken Bier (er gibt uns sogar einen aus) und erzählen von unserer Reise und unseren zukünftigen Plänen und bekommen im Gegenzug seine Lebensgeschichte zu hören. Heute lebt er allerdings nicht mehr auf Lombok sondern ist zurück nach Deutschland, weil sich laut ihm ein gewisser religiöser Fanatismus in seinem Heimatdorf und auf der Insel breit gemacht hat, der ihm nicht schmeckt. Der Abend wird lang, das Bier fließt und die Geschichten lassen einen nicht ans Schlafen denken, doch gegen halb 1 machen wir uns dann noch auf den Weg zurück in unsere Unterkunft.

 

01.05. 2017 – Hinab ins Paradies

 

Die Vorfreude lässt einen heute schon vor dem Wecker um halb 7 wach werden, denn heute liegt etwas großartiges vor uns. Und damit ist nicht der köstliche Pfannkuchen mit Bananen, Ahornsirup und Obstsalat gemeint, den es zum Frühstück gibt.

Wir schwingen uns auf unsere Roller und fahren durch die morgendliche Kühle der Sonne entgegen nach Osten, der aufgehenden Sonne entgegen.

Neben uns ziehen die morgendlichen Reisfelder vorbei, während wir über die kleinen Feldwege fahren und ziehen ein wenig später das Tempo auf der Autobahn an, wir sind ein bisschen spät dran. Wir kommen gut in dem Verkehr zurecht, jeder achtet auf den vor ihm Fahrenden und warnt diesen mit einem beherzten Drücken der Hupe, wenn man an ihm vorbeiziehen möchte.

Und dann sind wir in Padang und biegen pünktlich um viertel vor 8 in die Auffahrt der Deutschen Tauchschule, wo wir heute einen Schnupperkurs gebucht haben. Wir parken die Roller und schon geht’s los, uns werden Neoprenanzug, Flossen, Tauchmaske, und Schuhe in die Han gedrückt, die wir schnell anziehen. Dann kommt unser Tauchlehrer Alex, ein Deutscher der auf seiner einjährigen Asienreise hier einfach geblieben ist und Tauchlehrer geworden ist. Durchaus ein gutes Konzept.

Er macht mit uns ein kurzer Briefing, bringt uns die Grundlagen der Tauchersprache bei und erklärt das Equipment, gibt ein paar Sicherheitshinweise und dann geht’s eigentlich auch schon los. Doch nicht sofort ins Meer, sondern in den Pool, wo wir uns mit der Ausrüstung vertraut machen und erst einmal auf drei Meter absinken und ein bisschen im Kreis herumpaddeln. Wir scheinen uns ganz gut zu machen, denn wieder an der Oberfläche erklärt er uns bereit für das Meer.

Allein der Strand ist schon himmlisch, man kann nur erahnen was sich dann unter der Oberfläche abspielt

Die 300 Meter dahin laufen wir im Neoprenanzug und freuen uns schon auf das Erlebnis. Auf dem klaren blauen Wasser dümpeln dutzende traditionell balinesische Fischerboote, bestehend aus einem schmalen langen Rumpf, von dem aus vorne und hinten auf beide Seiten hinaus zwei Ausleger ragen, die durch ein langes Bambusrohr verbunden sind.

ein traditionelles Fischerboot

In eines dieser kleinen Boote steigen wir nun und der balinesische Bootsführer fährt uns in die Blue Lagoon, eine kleine Bucht gleich neben der in der wir gestartet sind. Dort klettern wir auf die Reling des Bootes, das so klein ist, dass wir die Waden auf der anderen Reling auflegen können, während Alex uns die Ausrüstung anlegt. Und dann geht’s – hopps – rückwärts ins glasklare Wasser. Das hat angenehme 22 Grad, doch alle Taucher inklusive unseres Tauchlehrers beklagen sich über das „arschkalte“ Wasser, wo sie doch sonst Temperaturen von 27 (!) Grad gewohnt sind.

Nun lassen wir die Luft aus unseren Taucherweste und sinken ab. Nur ich will irgendwie einfach nicht untergehen und schieße immer wieder nach oben, was Christoph so lustig findet dass er fast sein Atemgerät verliert. Nachdem ich dann aber von Alex noch einmal vier Bleigewichte umgeschnallt bekommen habe können wir uns ganz auf das Riff vor uns konzentrieren. Und was wir da sehen ist ein Wahnsinn!

Nachdem wir einen kurzen „Anflug“ über den sandigen Meeresboden hinter uns gebracht haben liegt vor uns eine ganz andere Natur wie wir sie bis jetzt auf unserer Reise gesehen haben.

Algen und Anemonen in allen Farben, von grün über Ocker und gelb bis zu Rot. Manche sehen aus wie riesige Trichter, andere haben herzförmige Strukturen. Mindestens genauso farbenprächtig sind die Fische, es gibt kein Muster dass sich nicht in den schillernden Schuppen wiederfindet. Wir sehen stachlige Kugel- und Igelfische, die lustig langen Trompetenfische, goldblaue Kaiserfische, kastenförmige orangene Kofferfische, Papageienfische deren Farben von Türkisblau über grün und gelb zu rosa. Auch Clownfische in ihren Anemonen sieht man, genau wie all die anderen aus dem Film „Nemo“ wie den schwarz-gelb gestreiften Halfterfisch, dessen lange Rückenflosse wie ein Wimpel hinter ihm herweht. Highlights sind definitiv die blauen Seesterne die so groß sind wie eine Pizza und der Schwarm aus Sepias, das sind Tiere die ein bisschen wie eine Mischung aus Oktopustentakeln und Alienkopf aussehen, sowie der Muräne, die grimmig aus ihrer Höhle lugt.

Wandgemälde in der Tauchschule mit allen heimischen Fischen – in ermangelung einer Unterwasserkamera

Viel zu schnell sind die 40 Minuten unter Wasser vorbei, Alex befüllt einen Sack mit Luft, und lässt ihn nach oben schießen, damit der Bootsführer weis, wo er uns aufsammeln soll. Auch wir lassen nun Luft in unsere Westen und steigen langsam nach oben. Etwas mühsam befreien wir uns von der Ausrüstung und klettern ins Boot, wo sofort klar ist, dass wir noch einmal tauchen wollen! Zum Glück geht das auch gegen einen kleinen Aufpreis, doch zuerst legen wir eine Pause bei der Tauchschule ein, wo wir schnell in ein Gespräch mit anderen Tauchern kommen, viele von ihnen Weltenbummler.

Nach der halben Stunde geht’s dann endlich wieder an den Strand, wir steigen wieder ins Boot, und fahren diesmal eine Bucht weiter. Dort lassen wir uns wieder ins Wasser und tauchen entlang eines Riffs, das steil abfällt. Es sieht wirklich aus wie in Nemo, an der Stelle wo er verloren geht, knallig bunt und direkt dahinter beginnt der große Ozean. Wir tauchen bis zu 16 Meter tief und der blick von oben auf die Steilwand ist einfach nur beeindruckend. Man kann jeden nur empfehlen das hier auch zu machen, wir sind so begeistert dass wir beide am liebsten direkt den Tauchschein machen wollen.

Völlig begeistert zahlen wir unseren Schnupperkurs für 2.5 Millionen Rupie, wir sind hier Multimillionäre, und gehen in ein nahes Restaurant um Mittag zu essen.

war super

Dann machen wir uns mit den Rollern wieder auf und fahren zurück nach Ubud, um den restlichen Tag beseelt im Schatten zu dösen.

30. April 2017 – Ubud

Pünktlich vor dem Beginn des letzten Monats der langen Reise melde ich mich mal wieder nach einer sehr entspannten letzten Woche. Mit Ausnahme der Tatsache, dass wir in drei unterschiedlichen Wohnungen in Kuta untergekommen sind hatten wir doch einen sehr unproduktiven Lebenswandel. Nach dem Hotel aus dem ich mich das letzte Mal gemeldet habe sind wir für zwei Tage in unsere eigene Wohnung gezogen, die erfreulich nah am Strand liegt. Wir ließen es uns natürlich nicht nehmen, dort auf einer gemieteten Liege zu liegen, dem Meeresrauschen zuzuhören, zu lesen und ab und an auch ins angenehm warme Nass zu tauchen. Der ganze Strand ist zum Surfen ideal, weshalb sich auch viele Surfer in den Wellen versuchen, denn die meisten sind Touristen, die in kurzen Crashkursen versuchen, das Wellenreiten zu erlernen.

Wer jetzt denkt, dass wir sofort Flamme sind und unbedingt auch surfen wollen, der denkt richtig. Allerdings gedulden wir uns bis zum nächsten Tag, Chris zieht sich abends ein paar Tutorials rein und so können wir uns am nächsten Tag den teuren Kurs sparen, ein Brett mieten und los geht’s. Wir üben uns im Wechsel, und ab und an gelingt es uns sogar eine beachtliche Strecke zurück zu legen.

Surfing

Danach waren wir in einer schönen Ferienwohnung mit Pool, den wir dann auch gut nutzen, um nicht die 2 Kilometer zum Strand und die dortige Liegemiete stemmen zu müssen. So hatten wir also eine sehr entspannte letzte Woche, doch damit war dann heute (endlich) Schluss.

Pool in Kuta

Gestern sind wir nämlich mit Uber (Taxi-App) nach Ubud gefahren, was knapp eine Stunde nördlich von Kuta liegt, gefahren und haben unser neues Quartier aufgeschlagen. Und das ist ein eigenes Haus mitten in der Stadt, sogar Frühstück gibt’s dazu, für gerade mal 14€ pro Nacht – für uns beide zusammen! Den gestrigen Tag verbrachten wir damit, Bali zu recherchieren, was sollte man sich hier anschauen welche Aktivitäten gibt es, etc. Alles wurde zusammen getragen und sorgfältig in eine Karte eingezeichnet und so konnten wir auch die nächsten Tage planen. Das ganze Organisieren uferte allerdings etwas aus und so trug ich nicht nur Touristenattraktionen für Bali, sondern auch für Lombok, Bangkok und Mumbai zusammen, was dann den ganzen Tag beanspruchte.

Unser Haus in Ubud

(kleiner Tempuswechsel)

Dafür können wir den Tag heute dann auch in aller Ruhe und geplant angehen, in aller Herrgottsfrühe um 7 Uhr morgens. Da klingelt nämlich der Wecker und schmeißt uns raus, ein kleines Frühstück (Spiegelei auf Toast, dazu Obstsalat und Tee) und schon gehts auf die Straße. Allerdings nicht zu Fuß, sondern mit einem Scooter (oder Motorroller), den wir kurz nach dem Frühstück für 3,50€ am Tag gemietet heben. Den Vermieter hat uns unser AirBnB-Host vermittelt, und nach kurzer Erklärung wie so ein Teil überhaupt funktioniert – wir sind beide noch nie Roller gefahren – gehts dann auf die hektischen Straßen von Ubud. Zum Glück herrscht hier Linksverkehr, sich jetzt noch umzugewöhnen wäre die Hölle.

Frisch gemietete Roller

Eigentlich wollen wir zum heiligen Affenwald, der nur einen Steinwurf von uns entfernt liegt, allerdings bequemen sich diese heiligen Affen und das zugehörige Tempelpersonal erst um halb 9, die Touristen zu empfangen, und die halbe Stunde warten wollen wir dann beim besten Willen nicht, es gibt noch genug anderes zu sehen.

So knatterten wir dann nach Sayan, den Nachbarort von Ubud, denn dort soll es Reisterrassen zu sehen geben. Im morgendlichen Licht liegen sie dann friedlich neben der Straße, die Sonne schimmert im Wasser und die Reispflanzen geben grüne Farbtupfer dazu. Wunderschön!

Reisfelder

Während wir zu unserem nächsten Ziel fahren bleibt mir etwas Zeit die Insel zu beschreiben. Bali ist eine ungeheuer grüne Insel. Die Vegetation ist reichhaltig und logischerweise tropisch. Wir fahren durch Dschungel bestehend aus Bäumen mit großen wachsigen Blättern, Bananenstauden, hohen Gräsern und Kokospalmen und vorbei an Reisfeldern, aber auch Kaffee und Früchte wie Mangos, Guave und andere noch nie Gesehene werden hier angebaut. Zu dem Geruch der Zweitakter mischen sich ganz unterschiedliche Nuancen, süßlicher Kokosduft, wenn man an einem Verkaufstand für die Nüsse vorbei fährt, der deftige Geruch von auf Holzkohle gegrilltem Fleisch und Gemüse, Räucherstäbchen die munter aus den Schreinen am Wegesrand qualmen. Man riecht Holz, dass unter den Händen der Handwerker in kunstvolle Objekte geschnitzt wird, frisch gemähtes Gras aber auch das Meer, dessen tiefes Blau ab und an durch die gräulichen Stämme der Palmen durchschimmert. Die ganze Fahrt ist eine wahre Freude, und auch die Leute sind ungeheuer freundlich, alle lächeln und grüßen uns und bei Fragen nach dem Weg wird mit Händen und Füßen geholfen, wenn die Englischkenntnisse nicht ausreichen.

Wir haben mittlerweile die flache Region um Ubud und Sayan hinter uns gelassen, die Landschaft wird steiler. Erstaunlicherweise sind die Straßen immer noch in einem sehr guten Zustand, ein paar Schlaglöcher gibt es gewiss, und man muss mit den kleinen Reifen höllisch aufpassen da nicht reinzurasen, aber Schotterpisten wie wir sie aus Neuseeland kilometerlang kennen befahren wir hier zu meiner Überraschung nicht.

Dafür überrascht uns etwas anderes: die Polizei. Wir knattern nämlich mitten in eine diese berüchtigten Kontrollen, von denen wir gestern noch gelesen hatten, dass die Cops sich ganz gerne ausgemachten Unsinn einfallen lassen um Geld abknöpfen zu können. So auch in unserem Fall. Während bei mir ein freundlicher Beamter Fahrzeugpapiere und Führerschein überprüft hat Christoph weniger Glück und wird darauf hingewiesen, dass sein Licht nicht angeschaltet sei. Dafür sei eine Strafe fällig, die beim Gericht zu begleichen sei. Dass ich mein Licht auch nicht angeschaltet habe scheint ihm entweder gar nicht aufgefallen zu sein, oder egal. Zuerst versuchen wir es mit dummstellen und tun so, als würden wir nicht verstehen, was er von uns will. Das klappt aber nur mäßig, als er ein kleines Büchlein herauszieht, in dem ganz unterschiedliche Zahlen aufgelistet sind, und deutet auf die 100.000 Rupie. Wir als ausgebuffte Geschäftsmänner zücken also unser Portmonee und entleeren es im Rucksack so, dass der Beamte es nicht mitbekommt. Mit nun nur noch zwei 50.000-Scheinen sagen wir, dass das unser gesamtes Geld für den Tag ist, und wir beim besten Willen das Gericht leider nicht bezahlen können, aber da ließe sich doch sicher was machen? Wir schlagen einen Deal vor, er bekommt die Hälfte unseres gesamten Geldes (Hust Hust) und wir vergessen die ganze Sache ganz schnell wieder. Das freudige Glitzern in seinen Augen verrät die Antwort noch bevor er sie ausspricht und so brettern wir mit fünfminütiger Verspätung wieder von dannen.

Über die engen Serpentinen schrauben wir und immer weiter den Berg hoch und haben eine atemberaubend schöne Aussicht auf ein Bergdorf, den Dschungel und das Meer am Horizont. Es wird deutlich wärmer, aber dank des Fahrtwinds ist es immer noch angenehm so unterwegs zu sein.

Schließlich, völlig unverhofft sause ich nach einer Kurve über unser Ziel hinaus, ohne es so wirklich zu bemerken. Das Ziel ist nämlich ein Baum, der so groß ist, dass er mir vorkommt wie ein Tunnel, was er im Prinzip auch ist. Man kann nämlich durch den Stamm durch fahren, sogar LKW passen hier bequem durch. Wir machen unseren ersten Halt des kleinen Roadtrips und essen ein paar Kekse, die wir noch von einem Frühstück über hatten (als gesunde Ergänzung zum Toast).

Tunnelbaum

Dann geht’s auch schon weiter nach Norden, genauer nach Babunan, von wo aus wir eigentlich zu einem Tempel wollten, welcher sich allerdings doch als weiter weg herausstellt wie gedacht. Generell ist Bali doch gar nicht so klein wie es auf der Karte aussieht…

Deshalb halten wir uns gen Osten, nach Singaraja um dann der Straße nach Süden zu folgen. Auf den Höhenzügen schlägt das Wetter dann plötzlich um und wir fahren in so dichten Nebel wie wir ihn das letzte Mal hatten als wir die Mädels aus Auckland geschmuggelt haben. Kurz, die Sicht ist…kurz.

Deshalb sehen wir leider auch nicht die berühmten Reisterrassen von Angsri, aber Reis haben wir schon zur Genüge gesehen weshalb das nicht weiter tragisch ist. Dafür sehen wir etwas anderes: ein Verkehrsschild dass vor Affen warnt. Eine Kurve später sitzt dann auch ein solches Tier mitten auf der Straße, eine weitere Kurve und ein ganzer Parkplatz ist voll mit ihnen. Wir halten natürlich an und schießen ein paar Schnappschüsse, viele haben sogar noch kleine Babyäffchen, die sich am Bauch festklammern.

Äffchen

Eine Stunde später rollen wir dann wieder in Ubud ein, das Resümee des Tages wie Chris so treffend sagt: knapp 200 Kilometer gefahren, 9 Stunden unterwegs, 5 mal Sprit aus „Absolut Vodka“-Flaschen tanken, und einen Polizisten geschmiert! Ein durchaus produktiver Tag.

 

Und noch ein paar Bilder 😀

Unsere heutige Route