26.05. 2017 – Reality Tour, beide Seiten der Schere

Zum Frühstück gibt es wieder Omelett mit Tomaten und Zwiebeln, dazu den köstlichen indischen Tee, der auch ein bisschen Schärfe in sich trägt. Gestern hatte uns der Host von einer Führung einer Organisation namens Reality Tour erzählt, eine Tour durch Dharavi, das größte Slum Asiens, wenn nicht sogar der Welt. Wir haben ganz ehrlich Skrupel, ob wir dieser Tour beiwohnen sollen, ein einerseits weil wir es irgendwie falsch finden, als reiche ganz offensichtliche Europäer mit dem Rucksack durch eine der Gegenden zu laufen, in dem die Ärmsten der Armen wohnen. Andererseits bin ich mir auch nicht sicher ob ich das wirklich sehen möchte, das Bild eines bettelnden indischen Mädchens vor fünf Jahren verfolgt mich immer noch und ist seit dem sehr präsent in meinem Kopf, und eigentlich sind es solche Bilder, die man nicht sehen und verdrängen möchte.

Schlussendlich ist aber genau das der Grund, der Tour doch zuzustimmen, denn man muss einfach wissen worauf auch unser Wohlstand aufbaut, und die Augen vor Tatsachen zu verschließen ist generell die dümmste Sache, die man machen könnte. Also setzen wir uns nach dem Frühstück ins Zimmer, ich schreibe schnell den Blog, dann ist es Mittag und wir setzen uns in den Zug zur Station „Lower Parel“.

Dort angekommen müssen wir erst einmal den Treffpunkt finden, nach einigem herumfragen, in die Irre geleitet werden und erneutem fragen finden wir diesen dann, sehr auffällig an der Traube Weißer zu erkennen, die deutlich aus der Masse herausragen. Wir Gesellen uns dazu, und da Mumbai ja nicht das typischste Urlaubsziel ist treffen wir hier einen Haufen interessante Leute, die uns auch sofort freundlich anquatschen. Ein französisches Pärchen ist auf dem Weg von Kambodscha über Indien in den Iran, was laut ihren Freunden ein super schönes Reiseland sei. Auch die drei Jungs von denen ich gelesen habe (die mit dem Londoner Taxi) haben das geschrieben, es scheint also irgendwas zumindest dran zu sein. Dann ist da noch ein junger Typ aus Amerika, der 10 Wochen durch Indien und Asien reisen möchte und ein Kardiologe aus Freiburg, der auf einer Konferenz hier ist und nebenbei auch noch etwas vom Land sehen möchte. Die Truppe ist also bunt, und wir sind gespannt was uns erwartet. Insgeheim mache ich mich auf das Schlimmste gefasst.

Die Gruppe wird in zwei kleinere Grüppchen von vier beziehungsweise fünf Personen geteilt, wir sind mit dem Guide Champ, dem deutschen Kardiologen und einer Italienerin unterwegs, die allerdings lieber auf ihr altes Klapphandy einhämmert als sich mit uns zu unterhalten.

Auf der von den unten fahrenden, Zügen vibrierenden Überführung startet unsere Führung mit ein paar Fakts and Figures.

In ganz Mumbai gibt es über 2000 Slums! Das allein muss man sich mal vorstellen. Die Definition eines Slums dabei ist wohlgemerkt ein nicht genehmigtes Gebäude oder eine Siedlung dieser auf regierungseigenem Grund und Boden. Also kann in der Theorie auch ein Hundertmillionen Dollar Gebäude ein Slum sein, wenn es nur schwarz gebaut wurde – in der Praxis übrigens auch, denn dieses Beispiel gibt es wirklich.

„Unser“ Slum ist mit der Größe von 500 Fußballfeldern und einer Einwohnerzahl von offiziell einer Millionen Menschen das größte Slum Asiens (wenn nicht gar der Welt, das müsste aber noch mal recherchiert werden bevor ich das so ohne Klammern schreibe), inoffiziell ist die Einwohnerzahl allerdings mindestens um die Hälfte höher. In Mumbai leben insgesamt fast 11,5 Millionen Menschen in einem Slum, und teilen sich teilweise zu neunt und mehr eine winzige Wohnung, die kleiner ist als ein typisch europäisches Badezimmer.

Obwohl die Regierung (bis 2004) Sozialwohnungen beim diesem Slum gebaut hat wollen dessen meisten Bewohner in ihren Hütten bleiben und nicht in 30m^2 gratis zur Verfügung gestellten Wohnungen ziehen.

Und warum das so ist, dass zeigt uns unser Guide jetzt.

Dharavi ist kein Ort an dem die Menschen im Dreck in kleinen Hütten vor sich hinvegetieren, Däumchen drehen und in Verzweiflung ertrinken. Ganz im Gegenteil, das Slum ist ein summender Bienenkorb der Produktivität, der Freundlichkeit und der Nachbarschaftshilfe. Die Gemeinschaft greift ineinander wie ein Uhrwerk und ist vor allem eins: Produktiv.

Der Hauptwirtschaftszweig der Stadt in der Stadt, dem „Core of Mumbai“ ist das Recycling von Plastik. Jeden Tag werden zehn Tonnen Plastikmüll angeliefert, sortiert, gereinigt, geschreddert, eingeschmolzen und zu Pellets verarbeitet, die dann von Großkonzernen in Tastaturen, Handys, Stühle und vieles mehr verwandelt. Diesen Prozess sieht man ja am besten bei der Sendung mit der Maus, wir wissen jetzt, wie die Pellets entstehen.

Wir werden auf das Dach einer Plastikwäscherei geführt, von dem man wirklich einen Eindruck bekommt, wie riesig das Gebiet ist, und wie dicht es bebaut ist. Auf den Dächern stapelt sich Müll, Kinder spielen aber auch Fußball. Fotos machen ist aus zweierlei Gründen nicht erlaubt, erstens wegen des Respekts gegenüber der Menschen die hier leben, andererseits ist as auch eine Vorsichtsmaßnahme, niemand soll sich provoziert fühlen und wir wollen alle nicht in eine brenzlige Situationen kommen, also halten wir uns daran.

Als wir wieder vom Dach steigen tauchen wir weiter ein in das Slum. Es zu beschrieben ist unglaublich komplex, aber ich will es einmal versuchen. Fangen wir mal damit an was man sieht. Auf den Wegen, die teilweise aus gestampfter Erde, aus gebrochenen Betonplatten oder auch aus Pflastersteinen besteht liegt sehr viel Plastikmüll – ein Resultat des Hauptwirtschaftszweigs. Man muss echt aufpassen, wohin man tritt, um nicht in ein Schlagloch – oder schlimmer, mit seinen FlipFlops in einen Abwasserkanal mit undefinierbar weißem schleimigen Wasser zu treten. Das resultiert aus den Chemikalien, die beim Reinigungsprozess verwendet werden. Zu beiden Seiten der Gassen ragen die Mauern der Behausungen auf, aber auch der Geschäfte, die hier betrieben werden. Von bunten Tüchern, Lebensmitteln, Haushaltsgegenständen über Lederwaren und frisch gekochtem Essen kann man hier alles bekommen, was man zum Leben braucht. Teilweise stehen die Gebäude allerdings so dicht, dass man neben seinen Schultern nur noch je fünf Zentimeter Platz hat, ein Überholmanöver wird so gleich ungeheuer kompliziert. Erst recht wenn ein Kanal unter einem liegt, und besonders, wenn nicht nur der Boden ein Hindernis ist, sondern auch alles was über einem hängt. Die Elektroinstallationen sind wild durcheinander hängende Kabel, die auch häufig mal mit einem unisolierten Ende nach unten baumeln.

Die Gassen sind dunkel wie die Nacht, es gibt aber auch breite Straßen auf dem das Leben rumort, bunte Tücher im Wind flattern und knalliges Gemüse auf den Auslagen auf einen Kunden wartet. In jedem Viertel des Slums sind die Leute unterschiedlich, im muslimischen beispielsweise laufen viele Frauen in schwarzer Vollverschleierung umher (allerdings ohne zu arbeiten, das dürfen die meisten scheinbar nicht), während im Hinduistischen die Frauen in Farbenfrohe Saris gehüllt zusammen sitzen und Papadums (Brot) backen.

Dunkle schmale Gassen im Slum

Das führt uns auch direkt weiter zum Geruch. Natürlich riecht es an manchen Ecken nicht so gut, das erklärt sich von selbst wenn sich 1500 Menschen ein Toilettenhäuschen teilen müssen. Überwiegend ist die Luft aber sauber und an manchen stellen riecht es nach so köstlichem Essen, dass einem das Wasser nur so im Munde zusammen läuft. Gewürze wie Kümmel, Fenchel, Kardamom, Zimt und Anis strömen genauso durch die Gassen wie frisches Fladenbrot, gesottenes Hühnchen und natürlich das Essen der Imbissbuden: Samosas, Curries und vieles mehr. Man hört das Rufen der Händler, das debattieren der Käufer, das Knattern der Rikschas und natürlich deren Hupen. Es dröhnt Hämmern aus den Werkstätten der Kofferbauer und Ledertreiber und das mechanische Knacken der Zuckerrohrmühlen, die die Menschen mit erfrischenden Getränken versorgen.

Vor einer großen Menge aufgestapelter Farbeimer macht Champ halt und erklärt, dass auch diese recycelt werden. Die Eimerer werden über dem Feuer erhitzt, um die noch verbleibende Farbe auszutrocknen. Diese wird dann ausgescharrt, die Eimer gesäubert, auf Lecks überprüft, repariert, umlackiert und zurück an die Firmen verkauft.

Weiter geht’s an der öffentlichen Toilette vorbei zum Fuß- und Spielplatz. Die Kinder begrüßen uns fröhlich winkend und so steigern wir uns in ein wahres Winkkonzert, dass nicht enden will, mit lachenden Menschen auf beiden Seiten. Ein Lächeln ist eben die beste Art der Kommunikation. Leider wird die gute Laune etwas gedämpft als Champ von den hygienischen Problemen des Slums berichtet. Besonders in der Regenzeit ist die Gefahr für Krankheiten wie Malaria oder Typhus extrem hoch, das durch Fäkalien und diverse Chemikalien verunreinigte Wasser dringt in die beschädigten Wasserrohre ein, und verseucht das ohnehin nicht sehr saubere Wasser umso mehr. Die Bewohner kochen hier das Wasser ohnehin ab, wenn sie welches haben. Fließend Wasser gibt es nämlich nur für eine Stunde am Morgen, eine halbe Mittags und noch einmal eine volle Stunde am Abend, damit muss im wahrsten Sinne hausgehalten werden. Das Leben ist hier eben nicht nur tolle Gemeinschaft, sondern eben auch hart und gemein.

Der Fußballplatz

Unser Guide führt uns weiter zu einem Laden in dem Lederprodukte verkauft werden und zeigt uns hier, wie aus einfachem Ziegenleder durch Druckstempel Leder erzeugt wird, dass täuschendecht einem Alligator gleicht. Der Laden führ die „slumeigene“ Marke Dharavi, dessen Logo ein Herz ist. Wie gesagt wird das Gebiet ja auch Core (also Herz) of Mumbai genannt. Das liegt an der Form der Siedlung, die durch die Begrenzung zweier Bahngleise und zweier bogenförmigen Straßen tatsächlich an ein Herz erinnert. Lederjacken und Handtaschen sind nicht ganz unser Stil, weshalb wir hier heute nichts kaufen.

Weiter geht es dafür in die Schule, die die Organisation geründet hat und nun auch zum Teil mit Hilfe freiwilliger Mitarbeiter aus der ganzen Welt betreibt. Es ist nur ein kleiner Raum mit an die Wand geschobenen Tischen und Stühlen, zur Zeit sind Sommerferien in Indien und niemand ist hier der unterrichtet werden könnte. Der Unterricht besteht aus den vier wichtigsten Dingen die man können muss: Lesen, schreiben, Grundrechenarten und einen Computer bedienen.

Im Großen und Ganzen kann man sagen dass „Reality Trips“ wirklich großartige Arbeit leistet. Sie zeigt westlichen Besuchern das Leben in einem Armenviertel und sensibilisiert sie zumindest ein bisschen, wenn auch geschönt, für das Leben hier. Über 80% der Einnahmen durch die Führungen gehen zurück in das Slum um dort Entwicklungsarbeit zu leisten, was wirklich eine großartige Sache ist.

Nun beginnt die letzte Etappe der Tour, welche uns durch das Viertel der Töpfer führt. Sie sind die reichste „Zunft“ im Slum und haben die größten Häuser, allerdings dafür auch den starken Rauchgeruch der Brennöfen die ganze Zeit in der Nase. Diese werden interessanterweise nicht mit Holz befeuert, sondern mit Stoff und Baumwollresten, da diese nicht so hochtemperaturig verbrennen und die Töpferware so nicht springt.

Töpfer und Brennöfen

Ich denke jetzt haben sowohl wir als auch du, lieber Leser genug von dem Slum erfahren, sollten aber noch fragen offen sein, gerne in die Kommentare. Wir beenden hiermit die Tour, lassen noch eine Onlinebewertung da und versichern, unseren Freunden hiervon zu erzählen (hiermit geschehen). Wir bekommen auch noch einen Link mit Fotos, die die Organisation als andenken gemacht hat, dann fahren wir auch schon mit 8 Mann zurück zum Bahnhof.

Mit dem Zug geht es dann zurück zur Andheri Station, wo wir erst einmal im McDonalds was essen gehen. Wir sind einfach ein bisschen ängstlich was Straßenessen hier angeht obwohl wir da in Thailand keinerlei Skrupel hatten. Mit der Rikscha fahren wir dann ins Cinepolis, ein großes Kino wo wir den fünften Teil der Fluch der Karibik Reihe ansehen wollen. Es war gar nicht so einfach ein Kino zu finden das hier Hollywood-Streifen zeigt, Bollywood ist hier das einzig Wahre.

Nach zwei Stunden warten, die ich mit der ersten Hälfte dieses Eintrags fülle, können wir endlich in den Saal, 3D Brillen auf und los geht der Genuss. Aber noch nicht sofort. Bevor der Film startet werden die Besucher aufgefordert sich zu erheben und der Nationalhymne Indiens zu lauschen. Total schräg, dieser Patriotismus! Wir finden es eher lustig als ernst, ich muss aber sagen dass die Hymne wirklich schön klingt. Mit Ausnahme einer 15 minütigen Pause (ätzend!) verläuft aber sonst alles wie gewohnt – der Film ist bombastisch, die Story aber nur im Mittelfeld. So haben wir in gewissermaßen heute beide Seiten der Schere zwischen arm und reich erlebt, das Slum und die Dekadenz des Kinos, in dem alles schöner ist als es in Wirklichkeit ist. Damit hat es allerdings auch etwas mit dem Slum gemeinsam, denn das ist so erklärt auch schöner, als es ein vierzehnjähriges Ich damals erlebt hat.

Mit der Rikscha geht’s dann nach Hause, wo weiter der Blog geschrieben wir. Mittlerweile ist es 1 Uhr Nachts, allerdings werde ich das erst nach dem Tag gestern posten. Ich wollte lieber das Slum zuerst schreiben, solange noch alle Eindrücke ganz frisch sind. Gute Nacht!

Fotos der Organisation von der Tour

25.04. 2017 – Imperiale Macht und Erinnerungen

Wir stehen heute deutlich früher auf als gestern, weshalb wir heute auch etwas mehr unternehmen können. Die Planung dafür wird grob am Frühstückstisch erledigt, vor uns steht ein Omelett mit Tomaten und Zwiebeln, dazu gibt es den köstlich würzigen, indischen Tee, der auch etwas scharf ist. Dabei kommen wir natürlich auch ins Gespräch mit unserem Host und ich meine etwas Stolz, dass ich schon zum zweiten Mal hier bin. Als er hört dass ich vor fünf Jahren hier war lacht er schallend auf und meint „Das ist nicht mehr das Mumbai, das du kennst. Hier hat sich alles Verändert. Es leben seit dem drei Millionen Menschen mehr in der Stadt. Wir haben jetzt eine Metro und einen neuen Flughafen, den sie vor zwei Jahren eröffnet haben.“ Das erklärt natürlich so einiges… Wie sehr sich die Stadt Verändert hat, dass wollen wir nun natürlich sehen.

Wir laufen nach dem Zähneputzen, was wir nur mit Wasser aus der Flasche erledigen, zur Hauptstraße und winken eine Rikscha heran. Mit dem kleinen Gefährt geht’s zum Bahnhof Andheri, wo wir am Schalter aus Gewohnheit ein Ticket für die zweite Klasse ziehen. Der Mann hinter der Glasscheibe schaut etwas verwirrt, können sich die beiden Weißen wirklich kein Erste Klasse Ticket kaufen?

Schlange am Schalter

Aber als wir an die Gleise treten wird klar weshalb er so geguckt hat: der Bahnhof ist geflutet von Menschen, unglaubliche Massen sind unterwegs. Mit einigem herumfragen finden wir dann zum Richtigen der neun Gleise, denn auf dem Ticket ist dieses nicht vermerkt. Zum Glück sind die Inder sehr hilfsbereit und können auch fast alle sehr gut Englisch.

Kennst du die Bilder von indischen Zügen aus dem Fernsehen? So überfüllt dass die Türen nicht mehr schließen und die Leute aus dem Zug hängen um noch mitzukommen? Das ist die Realität, und genau in so ein Gefährt steigen wir jetzt ein. Zum Glück können wir uns tief genug in den Zug graben um nicht außen zu stehen, wobei dass wegen der besseren Durchlüftung sehr begehrte Plätze zu sein scheinen.

Nach einem kurzen, ungeplanten Umstieg haben wir es dann auch geschafft, und der Zug rollt in Churchgate ein. Die Leute an den offenen Türen hüpfen aus dem noch fahrenden Zug, und traben im Galopp weiter zu ihren Zielen. Ein absolut verrückter Anblick, wie hier Männer im Anzug und Frauen in Saris einfach aus dem fahrenden Zug springen.

Wir warten lieber bis er angehalten hat und gehen dann zu Fuß Richtung Süden, in den Stadtteil Apollo Bandar, der kolonialen Altstadt des ehemaligen Bombays.

Hier reihen sich prachtvolle Steinhäuser im Stil des Historismus und der britischen Interpretation des Mogul-Baustils aneinander, die Tore, Bögen und Türme machen einen vergessen, dass man in Indien und nicht in einer orientalischen Version Englands ist. Die Gebäude sind wunderschön, wie ich sie in Erinnerung hatte.

Catcontent

Durch Zufall finden wir auch das „Prince of Wales Museum“ wieder, in dem wir auch schon damals waren. Es kommt mir kleiner vor als in Erinnerung, allerdings sind die Ausstellungsstücke noch immer wunderschön. Dreitausend Jahre alte Statuen von Göttern finden hier genauso Platz wie mittelalterliche indische Waffen, Schatzkisten aus Elfenbein, kunstvoll gewebte Stoffe und Kleidungsstücke, aber auch naturkundliche Ausstellungsstücke wie ausgestopfte Vögel, ein weißer Tiger und einen Babyelefanten, den ich schon damals schrecklich fand.

Wächtergottheit
Das Prince of Wales Museum

Bronzeguss
Schmuckkästchen aus reinem Elfenbein
Kunstvolle Malerei mit buntem Sand von tibetischen Mönchen
Der Park des Museums
Bunte Tücher
üble Waffen
Liftboys gibts hier auch noch
Das Museum 2012

Nach ein paar Stunden umherlaufen hatten wir dann aber genug von Museen, besonders wenn man in dem letzten halben Jahr in so vielen war. Wir setzen also unseren Weg weiter fort, ins Herz der imperialen Stadt.

Das merkt man besonders an einem Gebäude, dass sich wie ein Berg vor dem indischen Ozean erhebt: dem Gateway of India. Es ist ein riesiger sandfarbener Triumphbogen, errichtet von 1911 bis 1924 im Gedenken an den ersten Besuch eines britischen Monarchen in Indien, Georg V im Jahr 1911. Ich würde gerne ein Bildervergleich machen, ich vor dem Tor vor fünf Jahren und heute, leider war damals das Selfie noch nicht erfunden, also habe ich kein Bild von damals.

2017
2012

Dafür werden heute unzählige Fotos gemacht, denn neben Dem Tor scheine ich zur wichtigsten Attraktion auf dem Platz zu werden. Viele Inder bitten mich, sich mit ihnen ablichten zu lassen, was natürlich urkomisch ist, und deren Wunsch ich gerne nachkomme. Passiert ja nicht so häufig dass hier so ein hübsches Kerlchen über den Platz läuft 😀 .

Autogramm wollte er aber leider nicht 😀

Wir ziehen weiter, am Taj Mahal Palace, dem besten Hotel am Platz durch den Stadtteil Colaba und schauen uns ein bisschen um. An einer der diversen Zuckerrohrmühlen bleiben wir stehen um uns eine Erfrischung zu kaufen. Dabei handelt es sich um kleine Marktstände, in denen eine Walze ganze Zuckerrohre zermalmt und presst, um den Saft aus ihnen herauszuquetschen. Das indische Pendant zu unserem frisch gepressten Orangensaft quasi. Der Saft ist grüngelblich und ungeheuer süß, aber extrem erfrischend.

Während wir den Saft genießen kommen wir mit einem Inder ins Gespräch der in Hamburg Softwareentwickler ist, und der uns auf einen lokalen Markt führt, wo wir frische Gewürze und Tee kaufen. Dann geht e auch schon wieder zurück, erst mit dem Zug, dann der Rikscha, wir hatten einen Ereignisreichen und schönen Tag.

 

24.05. 2017 – Ein kurzer Rundumblick

 

Weil wir erst so extrem spät ins Bett gekommen sind ist es nicht weiter verwunderlich, dass wir heute bis 14 Uhr schlafen, und damit die erste Hälfte des Tages verpassen. Wir stehen also spät auf, und gehen aus dem Hostel, um zu wissen, wo wir überhaupt gelandet sind.

Die dunkle Gasse durch die wir gestern Nacht gefahren sind stellt sich als schattiger kühler Weg durch einige Hinterhöfe heraus, die Leute arbeiten in kleinen Läden, die Kinder spielen Kricket auf der Straße und ein Tempel gibt uns einen Orientierungspunkt von der Hauptstraße aus, auf der das typisch indische Verkehrschaos herrscht.

Unsere Gasse
Das 6-Sterne  Hostel von außen (von innen ist es wirklich besser)
Rikscha

Oberste Priorität hat ein Frühstück, den Straßenständen trauen wir allerdings nicht wirklich, weshalb wir in die Filiale eines Lieferservices gehen, und dort gefülltes Fladenbrot bestellen. Die würzig scharfe Soße die nach Kreuzkümmel schmeckt finde ich köstlich, Chris liegt der Geschmack allerdings weniger.

Erstes Frühstück

Als wir die Brote verzehrt haben laufen wir einmal um den Blog, über dem teilweise in sehr schlechten Gehsteig kommen wir an edlen Häusern aus Glas, Stahl und Beton vorbei, aber auch genau so an runtergekommenen Mietskasernen und aus Zeltplanen gebauten Unterständen, in denen die Menschen diverse Waren anbieten.

Auch sehr grüne Ecken gibt es hier

Wir kommen an einer Boutique vorbei, und gehen hinein. Die nächsten zwei Stunden verbringen wir mit dem Anprobieren diverser Hemden und T-Shirts, denn unsere Klamotten sind nach sechsmonatiger Dauerbenutzung langsam echt verschlissen. Dennoch kaufen wir noch nichts, das wollen wir erst am letzten Tag erledigen, um für eventuell noch coolere Sachen auch noch Platz im Backpack zu haben, der wirklich langsam überquillt.

Zum Abendessen gehen wir in Dominos, eventuell ein Fehler weil man die indische Küche verpasst, allerdings wurde einem vor fünf Jahren eingeschärft nur bei den Gasteltern oder Ketten zu essen, da diese Hygienevorschriften haben. Allerdings wäre es schade nie was wirklich indisches hier zu essen, deshalb setzten wir uns später darüber vielleicht hinweg. Nach der Pizza geht es wieder zurück ins Hostel und ins Bettchen, reisen kann einen ganz schön schlauchen.

Abendessen

 

23.05. 2017 – Nur noch 6.586 Kilometer von zu Hause weg

 

Um viertel vor 5 klingelt der Wecker und schmeißt uns aus dem Bett, die Zeit in Thailand ist um. Wir räumen das Zimmer noch etwas auf, frühstücken einen Joghurt, schultern unsere Backpacks und stapfen in den Morgen. Selbst um diese frühe Zeit ist es schon angenehm warm, die Vögel zwitschern und auch die Automotoren der Hauptstraße schwappen in unsere Seitengasse, die keinen Namen sondern nur eine Nummer hat: Lat Phrao (der Stadtteil) 34. Wir winken ein Taxi heran und fahren über die Mautstraße zum Flughafen, diesmal allerdings dem Neuen. Die Sonne geht gerade auf und taucht die Stadt in ihr orangenes Licht, während wir an Hochhäusern und Werbeplakaten vorbei ziehen.

Sonnenaufgang über Bangkok
Blumenschmuck am Airport Bangkok
Auf zur letzten Etappe
Götterbilder

Am Flughafen klappt diesmal ausnahmsweise alles reibungslos, kein Theater mit dem Visum (das hatten wir ja gestern Abend), Gepäck haben wir diesmal auch gebucht – alles läuft bestens. Wir „frühstücken“ noch je eine halbe Pizza, bevor es dann in den Flieger gen Colombo, Sri Lanka geht. Dort kommen wir auch um 11 Uhr Ortszeit an und landen mitten im grünen Dschungel, kein Haus weit und breit zu sehen. Ab jetzt heißt es warten. Sehr sehr lange warten… denn unser Flug geht erst um 23:40 Uhr weiter. Die ersten paar der 13 Stunden verbringe ich mit bloggen, dann wird es eintönig. Zuerst freue ich mich noch darüber, mit dem Pakistani neben mir ins Gespräch zu kommen, doch das ändert sich rapide als er das Thema auf einen nur allzu bekannten deutschen politischen Führer lenkt und die Meinung vertritt, dass er nur das Pech hatte von allen Leuten gleichzeitig nicht gemocht zu werden, er aber sonst in großartiger Staatsmann mit einer hochtechnisierten Armee gewesen sei. Kurz bevor mir der Kragen platzt und ich ihm für seine absolut bescheuerte Meinung eine reindonnere (die sich auch mit Fragen wie, wer wird den Krieg zwischen der EU und Russland gewinnen beschäftigt , oder dem „Fakt“ dass Deutschland Armeen anderer Staaten in die Bundeswehr eingliedere, was er mit „absolut verlässlichen Quellen“ aus dem Internet belegt) haue ich lieber ab und gehe wutschnaubend auf einer Bank am anderen Ende des Terminals schlafen.

Endlich geht es zähfließende Stunden später weiter, nicht einmal Essen gehen kann man hier günstig, ein Menü bei Burger King kostet 20 US-Dollar.

Im Flugzeug essen wir schnell den kleinen Snack und schlafen dann sofort ein. Ein wenig später landen wir dann sanft in Mumbai, im Gegensatz zu Indonesien geht die Einreise hier sehr schnell, wir sind die einzigen am Schalter für das E-Visum mit dem wir auch sehr schnell unsere Stempel im Pass sammeln können. Das ist das vielleicht einzig coole an der ganzen Grenzgängerei, die vielen Trophäen die man in seinem Pass sammelt. Wir müssen lediglich ein Foto von uns machen lassen und jeden Fingerabdruck scannen, schon sind wir am Gepäckband. Chris Rucksack kommt zuerst, von meinem fehlt jede Spur. Das Selbe bei einem Inder neben mir, der sich extrem aufregt und völlig verzweifelt ist, was er denn jetzt ohne Gepäck machen soll. Ich bleibe cool, die ganze Situation kenne ich ja schon, obwohl das mittlerweile fast sechs ganze Monate her ist. Mittlerweile ist es halb 3, mein Rucksack ist noch immer nicht da. Nach einer kurzen Beschreibung des Gepäckstückes kommt dem Flughafenmitarbeiter allerdings ein Gedanke und führt mich zum Büro, in dem Übergrößengepäck lagert. Und tatsächlich, dort liegt mein gigantischer grauer Seesack unversehrt und wartet auf mich. Noch mal Glück gehabt, im Gegensatz zu dem Inder, dessen kleiner Koffer taucht nämlich nicht mehr auf.

Als nächstes erwartet uns ein anderes Abenteuer: Geld abheben. Das ist nämlich hier wohl gar nicht so einfach. Es gibt nur drei Geldautomaten am Ankunftsterminal, und nachdem sich die ersten beiden als komplett leergeräumt herausstellen haben wir wenigstens beim Letzten Erfolg und kommen an Bargeld, denn hier läuft nichts ohne dieses.

Wir gehen zum Rikscha-Stand und wuchten unsere Backpacks in das kleine Gefährt, irgendwie finden wir darin auch noch Platz und schon knattern wir über die Straßen von Mumbai, die mir in ihrem Zustand wesentlich besser bekannt sind als der Flughafen, den ich nicht wiedererkenne. Wahrscheinlich sind wir an einem anderen Ausgang herausgekommen.

Leerer und unbekannter Abschnitt des Flughafen Mumbai
Müde

Der Rikschafahrer ist inzwischen von der Hauptstraße in eine kleine, verwinkelte, dunkle Gasse abgebogen und lässt uns vor einem Mäuerchen raus. Er deutet in eine unbestimmte Richtung und sagt, dass dort das Hostel liegt, kassiert das Geld und knattert auch schon wieder davon.

Unsere Rikscha

Da stehen wir nun, es ist vier Uhr morgens und keine Sau ist auf der Straße, den wir fragen könnten wo wir wirklich hinmüssen. So schmeißen wir erst einmal die Rucksäcke auf den Boden und überlegen. Neben uns ist ein Mehrfamlilienhaus, in dessen Eingang unter der Treppe ein Mann auf einer Matratze schläft. Wir überlegen eine geschlagene Viertelstunde, ob wir ihn wecken sollen, da hören wir das erlösende Knattern eines Motorradmotors. Ein Vater mit seinem Sohn kommt angebraust und steigt genau beim Haus gegenüber ab. Wir rennen natürlich sofort hin und fragen, wo denn das „Anjali Homestay“ wäre, unser Hostel. Er deutet auf den Eingang mit dem schlafenden Mann und sagt als wäre es das selbstverständlichste der Welt: „Na dort in dem Haus, zweiter Stock“

Wir schleichen uns also an dem Schläfer vorbei, so gut das eben mit zwei fünfundzwanzig Kilo Säcken geht und klingeln im Hostel. Ein völlig verpennter Inder (wer kanns ihm verdenken) öffnet und begrüßt uns trotz der späten Stunde freundlich. Wir tragen uns schnell in das Gästebuch ein und gehen dann in unser Zimmer, das ungefähr so groß ist wie unser Bad in Bangkok. Wir lassen uns auf die Betten fallen und schlafen in Nullkommanichts ein.

22.05. 2017 –Schwimmende Märkte und ein Apokalypsenspielplatz

Heute wollen wir zu einer sehr speziellen Attraktion von Thailand, den schwimmenden Märkten. Wir hatten schon viel davon gehört, und zu Hause haben wir eine Postkarte von einem Händler dieser Märkte im Bad hängen. Also haben wir einen dieser Märkte auf unsere heutige Agenda gestellt und sind schon auf das Angebot gespannt, welches dort präsentiert werden würde.

Doch zuerst müssen wir zu dem Markt gelangen, und dieser liegt 16,5 Kilometer von unserer Wohnung entfernt, immer noch in „zu-Fuß-Reichweite“, aber wir wollen ja heute auch noch was anderes sehen. Deshalb entscheiden wir uns für den Bus, umweltfreundlich, günstig und hoffentlich schnell bietet er sich einfach an. Die Verbindung ermitteln wir mittels Google Maps und steigen in Linie 8 Richtung Osten. Diese Linie hat kein blaues Schild in der Windschutzscheibe, also müssen wir hier zahlen. Für 50 Cent, die wir an eine Frau mit rundem Blechetui zahlen, sind wir beide an Bord. Wir betrachten die urbane Landschaft die an uns vorbei zieht und werfen immer mal wieder einen Blick aufs Handy, um sicher zu gehen dass wir auch richtig fahren. Alles klappt wie am Schnürchen, bis plötzlich der Bus in eine Seitenstraße fährt und alle Passagiere den Bus verlassen. Auch wir müssen raus, die vermeintlich direkte Verbindung endet nach ziemlich genau der Hälfte der Strecke.

Ohne Simcard oder Wifi sind die Handys nutzlos, wenn man sich eine neue Route heraussuchen möchte, allerdings scheinen die Buslinien ja eh nicht sonderlich zuverlässig hinterlegt zu sein. Also old-school nach dem Weg fragen, was sich als etwas schwieriger herausstellt, da die meisten Thais nicht sehr gut bis gar nicht Englisch sprechen (wir sind ja nicht in einem reinen Touristengebiet). Glücklicherweise treffen wir nach ein paar versuchen auf eine Thailänderin die in den Staaten lebt, und deshalb sehr gut Englisch, aber auch Thai spricht. Sie hat zwar keine Ahnung, wo der markt ist, zu dem wir unterwegs sind, allerdings könne sie einen anderen empfehlen, den sie uns gleich auf Thai auf einen Zettel schreibt, damit wir so weiter fragen können. Desweiteren bugsiert sie uns in einen Bus der Linie 27 und sagt dem dortigen Kassierer, wo wir raus müssen und bittet ihn, uns dort raus zu schmeißen.

Wir sitzen also wieder im Bus, die Ventilatoren drehen sich über uns und sorgen wenigstens für ein bisschen Kühle in der mittäglichen Hitze, während wir weiter nach Osten fahren.

Dann kommt das Signal des Kassierers, wir steigen vor einem Restaurant an der Hauptstraße aus und versuchen uns zu orientieren. Dabei hilft der Zettel der Dame ungemein, die Leute im Restaurant helfen uns gerne und zeigen in die gesuchte Richtung.

Wie sich herausstellt ist unser Markt und der der Dame deckungsgleich, und trotzdem stoßen wir auf Probleme. Doch zuerst durchqueren wir ein großes goldenes Tor und finden uns auf einem Klosterareal oder etwas ähnlichem wieder. Reich geschmückte Gebäude denen im Königspalast nicht unähnlich stehen in lockerer Formation nebeneinander, zwischen ihnen erstreckt sich eine Parkanlage, aber auch turmähnliche Gräber mit Inschriften und Bildern der Verstorbenen.

Uns kommen zwei Mönche in orangener Kutte entgegen, einer fährt einen orangenen Gabelstapler und allein für den Anblick hat sich die einstündige Busfahrt gelohnt. Leider ist er so schnell an uns vorbei gesaust, dass es davon kein Foto gibt. Wir überqueren das Areal uns suchen den Fluss mit den kleinen Booten der Händler, die darin ihre Waren transportiert und wenn man sie heran winkt angestakst kommen und einem diese dann verkaufen.

Als wir am Fluss ankommen sehen wir die Anleger, das Schild für den Markt und eine Brücke die beide Ufer miteinander verbindet – allerdings keine Händler. Im Fluss wimmelt es zwar von Fischen, aber kein einziges Bötchen treibt auf ihm. Das schöne Kloster und das reine Erlebnis der Busfahrt tröstet uns aber darüber hinweg dass der markt offenkundig nicht stattfindet, wie immer ist der Weg das Ziel.

Markt ohne Händler

Also machen wir uns wieder auf denselben, mit der 27 geht’s wieder zurück. Wir steigen wieder dort aus, wo wir eingestiegen waren und stellen jetzt fest, dass dort ein Foodmarket ist, der sich um ein kleines Einkaufszentrum tummelt. Dort essen wir zu Mittag, ich bestelle mir bei einem Stand Frühlingsrollen und in Panko paniertes Hühnchen, während Chris bei einem anderen eine Hühnersuppe mit Reisnudeln kauft. Alles schmeckt ausgesprochen köstlich und ist nicht einmal sehr scharf. Das Mittagessen ist ein purer Genuss, und so bestelle ich mir das Selbe gleich noch einmal, einfach weil es soo gut und günstig ist.

Supergünstige Köstlichkeiten

So gestärkt können wir unser nächstes Projekt angehen, ein wahrer Geheimtipp den man auch nur sehr versteckt in anderen Reiseblogs findet. Den Kilometer dahin laufen wir wieder. Dann sind wir da, am wohl schrägsten Ort von ganz Bangkok, denn mitten durch das Grün der Büsche am Straßenrand schimmert das metallische weiß einer Boing 747 und zweier MD82. Ja richtig gelesen, da stehen Flugzeuge mitten in der Stadt an der Hauptstraße. Eine Landebahn gibt es nicht, die würde den Maschinen allerdings auch nichts mehr nützen, denn was vor uns liegt ist ein Flugzeugfriedhof.

Am Zaun erwartet uns ein kleiner Junge der von uns das Eintrittsgeld kassiert, er lebt mit mehreren Familien in Hütten, die aus der Rumpfröhre der Boing747 geschnitten sind. Deshalb ist das gigantische Flugzeug auch nur noch zur Hälfte da, die überall auf dem Gelände verteilten Bauteile der ausgeschlachteten Maschinen geben dem Friedhof eine postapokalyptische Atmosphäre, erst recht wegen der drei mausgrauen Betonhochäuser im Hintergrund.

Alle Notausgänge des gewaltigen Flugzeuges sind aufgerissen und es sieht aus als hätte ein gewaltiges Unglück gegeben. Auch die Klappen des Rollwerks und die Ladungsluke sind aufgeklappt, und durch genau diese betreten wir jetzt das Flugzeug.

Der Laderaum ist vollgestopft mit Handgepäckfächern, doch schlägt man eine Plane beiseite kommt man über einige Steigeisen über eine Bodenluke in die Economyclass des Fliegers. Dort liegt noch einen teil der Inneneinrichtung, und eine Sauerstoffmaske sorgt für den perfekten Look eines Weltuntergangfilmes. Über eine Treppe erreichen wir die Firstclass und das Cockpit, selbstverständlich lassen wir es uns nicht nehmen an den noch vorhandenen Instrumenten herum zuspielen und es uns auf dem Pilotensitzen bequem zu machen.

bruchpiloten

Der Flugzeugfriedhof ist also der reinste Apokalypsenspielplatz und ein absolutes Must-Do für den Alternativen suchenden Bangkoktouristen. So bleibt uns nun nur noch zurück zum Apartment zu gehen und die Backpacks zu packen, bis uns noch einfällt, wir müssen noch die Visa für morgen ausdrucken! Mit viel Geschiss halten wir diese dann um halb 1 in der Hand, in vier Stunden wird uns der Wecker aus den Federn holen. Der letzte Tag in Bangkok ist um. Ab morgen trennen uns nur noch 3 ½ Stunden Zeitverschiebung von zu Hause.

 

21.05. 2017 – One night in Bangkok

 

Nachdem wir den gesamten gestrigen Tag und den heutigen Morgen und frühen Mittag wieder nichts machen konnten, da es diesmal Christoph erwischt hat bleibt uns nur eines übrig: den Abend nutzen!

Davor geht es aber noch zum Friseur, die Mähne ist in den letzten zwei Monaten ordentlich gewachsen. Wir gehen also zum Hairstylisten unseres Vertrauens um die Ecke, der alle Geschütze auffährt, um uns in zufriedene Kunden zu verwandeln. Das beginnt damit das er einem die erst zehn Minuten vorher gewaschenen Haare ordentlich einseift, wäscht und einem on Top auch noch eine Kopfmassage gibt, so das wir uns tiefenentspannt auf dem Stuhl niederlassen können. Dann beginnt er zu schnippeln, fragt wo wir her sind (mit Skandinavien lag er gar nicht soo daneben), Smalltalk eben. Als er dann fertig ist gibt es noch einmal waschen und Massage, und wir überlegen schon zu einer kompletten Thai Massage zu gehen.

Waschtag war auch noch, Trocknen nur mit Klimaanlage möglich
Anstatt dessen fahren wir nach einem kurzen Aufenthalt im Apartment und Überwindung des inneren Schweinehundes mit der U-Bahn los zu einem Nachtmarkt. Der Ratchada Trainmarket ist – anders als der Name vermuten lässt kein Ort an dem Züge verkauft werden, sondern eigentlich alles. Klamotten, Handyhüllen, Taschen, Schuhe und natürlich Streetfood und Getränke.
Wir schlendern über das Gelände und schauen uns ein bisschen um, sind aber nicht wirklich in Shoppinglaune (wie schon die letzten Tage). Da kommt plötzlich ein Typ auf uns zu, groß und breit gebaut, mit langen braunen Haaren und Bart.

Er spricht uns an „Hey Guys, wanna join our dinner? I know this is realy weird but we just ordert to much and we don’t wanna waste this food. It’s realy weird, but yeah, wanna join? I’m Amarican by the way.“

Wir schauen uns an, ist die Sache komisch? Ja. Aber das hat er ja auch gesagt. Haben wir Bock was zu essen? Klar, wenn man eingeladen wird, warum nicht? Innerhalb einer halben Sekunde nicken wir ihm grinsend zu und laufen hinter ihm her. Sind es nicht gerade die unplanbaren Dinge einer Reise, die sie selbst so besonders machen? Rhetorische Frage, natürlich! Der Abend wird unglaublich, wir sitzen zusammen vor einem „Hotpot“, eine Schüssel, die ähnlich einem Fleischfondue auf einer Gasflamme steht. Darin köchelt eine Brühe, in die man vorgeschnittene Zutaten hineinwerfen kann. Das amerikanische Pärchen mexikanischen Ursprungs, dessen Namen wir leider nicht mehr drauf haben (nennen wir sie mal der Einfachheit wegen Carlos und Maria), hat nicht übertrieben. Sie hatten so was von viel zu viel bekommen, ungefähr die dreifache Menge von dem was wir zu Hause für ein Raclette zu viert bräuchten.

Wir setzten uns also dazu und werfen fröhlich Shrimps, Hühnchenbrust, Rinder- und Schweinestreifen, Chinakohl, Sojasprossen, diverse Pilze, Muscheln, und und und in den Kessel und lassen es in der duftenden Brühe kochen. Dabei entwickelt sich natürlich zwangläufig ein angeregtes Gespräch über unsere Reisen, aber auch über die jeweilige Kultur. Wir reden übers Schulsystem und –ferien genau so wie über Weihnachten feiern und Politik, wobei die beiden Trump überhaupt nicht toll finden und sich zurecht über jeden aufregen, der ihn gewählt hat. Der Einblick in die doch recht bekannte Welt der Amerikaner ist überaus spannend, wobei wir wohl viel mehr über sie zu wissen scheinen als die beiden über Europa oder Deutschland. Diese Wissenslücke versuchen sie aber eifrig zu stopfen und fragen uns Löcher in den Bauch.

Der Abend wird sehr lang. Sogar so lang, dass die U-Bahn nicht mehr fährt, womit wir überhaupt nicht gerechnet hatten. Weil wir ja nur vier Kilometer weg von zu Hause sind beschließen wir die paar Meter zu Fuß zu gehen (#Dorfkindmoment) und sehen Bangkok so auch endlich mal in seinem Nightlife. Eine kurze Pause müssen wir im Burgerking einlegen, um uns etwas zu trinken zu holen, denn obwohl es schon halb 2 ist ist es immer noch knapp 28 Grad warm.

 

19.15 2017 – Buddha is for respect, not decoration

 

Die U-Bahn spuckt uns heute in Hua Lamphong wieder ans Tageslicht. Das ist der Name für die Endstation der blauen Metrolinie und zugleich auch der des Hauptbahnhofs von Bangkok, der auf der anderen Straßenseite der Metro liegt. Er ist ein großer gelb-weißer Komplex, den wir aber links liegen lassen, denn wir wollen mit einem der Taxis weiter.

Morgendliche U-Bahn
Gedenken an den König in der Endstation – unfreiwillig komisch

Die Taxifahrer weigern sich jedoch mit Taxameter zu fahren, der Stau mache eine kurze fahrt unmöglich, dazu noch die ganzen Einbahnstraßen und so weiter, da brauch man einfach ein bisschen Provision. Aber nicht mit uns, und wir sind schon auf dem Weg in den Bahnhof um uns dort nach Alternativen zu erkundigen. Die kommen allerdings in Form einer sehr freundlichen Dame zu uns, die sich der Tourismusbehörde zugehörig erklärt und uns weiterhilft. „Nehmt einfach den Bus, Linie 52, fährt dort um die Ecke unter dem Baum ab.“

Ungünstigerweise stehen ausgerechnet die Taxis im Schatten jenes Baumes, und so müssen wir erst jeden Fahrer abwimmeln, bis dann endlich ein alter Linienbus um die Kurve fährt. Drei Dinge fallen einem beim Betreten durch die Hintertür sofort auf.

  1. Der Bus hat einen edlen Echtholzboden aus irgendeinem Tropenbaum
  2. Den Busfahrer scheint es nicht zu interessieren ob man ein Ticket hat oder nicht
  3. Es gibt keine Klimaanlage sondern nur geöffnete Fenster (wenigstens erkältet man sich hier nicht)

Kaum hingesetzt finden wir auch schon einen Namen für unseren Fahrer: Ernie, wie der wahnsinnige Fahrer des „Fahrenden Ritters“ aus Harry Potter. Ernie haut sowas von aufs Gaspedal und die Bremse dass man ohne Schleudertrauma und mit allen Zähnen im Bus ankommt. Aber die Fahrt ist super und es gibt auch einiges zu sehen, denn wir fahren durch das chinesische Viertel von Bangkok, und Chinatown hebt sich auch hier in Asien vom Rest der Stadt ab. Die Schriftzeichen der Geschäfte wandeln sich, und auch das Sortiment in ihnen. Lampions und Seidengewänder bestätigen jedes Klischee, auch an chinesischen Apotheken und Tempeln zieht der Bus in einem Affenzahn vorbei. Marktfrauen mit Handkarren auf denen sie ihre waren präsentieren unterhalten sich schnatternd über den Verkehrslärm hinweg.

 

Auf ein Schwätzchen
Chinatown
Tempel

 

So schnell wie das Viertel anfing hört es auch wieder auf, und wir fahren wieder an thailändischer Schrift vorbei an einer langen, glatten, weißen Mauer. Dahinter liegt unser Ziel, die Hauptattraktion der Stadt: Der Große Palast. Die Residenz des Königs, den allerdings leider gerade nicht gibt. Wir hüpfen aus dem rasant bremsenden Bus, ohne einen Baht gezahlt haben zu müssen, und suchen den richtigen Eingang. Wir kommen am Militärhauptquartier vorbei, in dessen Hof große, von Grünspan überzogene Kanonen stehen, die bis zu 300 Jahre alt sind. Damit sind die älter als alles, was man in Neuseeland so sieht.

Erste Sicht auf die Palastmauer

Der fahrende Ritter?! Fast

Nach einigem Suchen finden wir dann den richtigen Eingang und wir machen uns palasttauglich. Da es in Thailand einen ziemlichen Kult um den König gibt, es aber auch religiöse Tempel auf dem Areal gibt sind bedeckte Beine und Schultern sowie festes Schuhwerk Pflicht und werden peinlichst genau von der Palastwache überprüft. Spätestens jetzt wird es also Zeit unsere gut geeignete tropische Garderobe auszupacken. Ich mache nur Spaß, so etwas haben wir natürlich nicht, und so werfen wir uns bei 35 Grad und über 80% Luftfeuchtigkeit in Jeans und Wanderschuhe.

Die reglosen Wachen in weißer Uniform und grauer Hose und einem Helm der aussieht als hätte man den Tropenhelm des Afrika Korps mit einer Pickelhaube gekreuzt.

Durch das gigantische Holztor wird man von den Massen in den Palast gespült, dann fehlen einem die Worte.

Zu seiner linken liegt eine Grasfläche mit sauber geschnittenen Bäumen, dahinter allerdings die prächtigsten Gebäude die man sich vorstellen kann. Pagoden und Türmchen aus Gold, in Kaskaden gestufte Dächer aus bunten Mosaiken und Ziegeln, und an den Giebeln kunstvoll geschwungene Verzierungen.

Da mussten wir Näher ran, deshalb schnell die 500 Baht (13€) Eintritt gezahlt und rein in das Areal.

Ich glaube die Pracht kann ich am Besten einfach durch die aufgenommenen Bilder zeigen, aber der Detailgrad der Arbeiten ist einfach unglaublich, die kunstvoll gestalteten Statuen und Götterbildnisse, Wahnsinn.

In die meisten Gebäude konnte man leider nicht hinein, und in dem Einen das zu betreten war durfte man keine Fotos machen, davon haben einen die fünf Wächter abgehalten. Es war der Tempel des Smaragdbuddahs, in dem auch gebetet wurde. Vor dem Betreten mussten die Schuhe ausgezogen werden, im Inneren durften die Füße aber (im Sitzen) nicht zu Buddha zeigen. Denn Buddah gehört Respekt gezollt, und ist keine Dekoration, wie hier auf jedem Sonnenschirm prangt.

Die Geschichte der Smaragdstatue ist sehr interessant, die Kurzfassung davon ist, dass er von einem Mönch in einer Höhle gefunden wurde. Da war er allerdings eingegipst. Erst später im Tempel bröckelte der Gips etwas ab, das grün kam zum Vorschein und der Mönch hielt es für Smaragdgrün – fälschlicherweise, denn der Buddha ist aus Jade. Ein paar royale Verwicklungen, einen zweihundertjährigen Ausflug nach Siam, einen Krieg und die Gründung der neuen Hauptstadt Bangkok später und der Buddha fand seinen Weg in den prunkvoll gestalteten Tempel in dem wir ihn heute sehen können.

schöne Grünflächen gibts auch

Dann sind wir auch schon fertig mit dem Rundgang, und gehen mit einer Armee aus schwarz gekleideten Menschen hinaus. Sie sind Trauernde die ihrem verstorbenen König Respekt erweisen und strömen zu hunderten auf einem „Pilgerweg“ um das Areal. Wie gesagt, der König ist hier sehr wichtig, so wichtig, dass man Strafen dafür bekommen kann auf einen Geldschein zu treten, denn immerhin ist da sein Konterfei abgebildet.

Mit der Linie 52 wollen wir wieder zurück, denn in der Theorie fährt sie ja sicher einen Kreis und wechselt nicht irgendwo die Nummer. Es regnet gerade also ist das sogar ein sehr guter Zeitvertreib. Wir sitzen also im Bus und freuen uns ob der gratis Stadtrundfahrt als ein Mann den Bus betritt, ganz offensichtlich nicht von hier. Er ist aus Montreal, Kanada, 61 und Weltenbummler und auf dem Weg zum selben Bahnhof wie wir. Er erklärt uns, dass die Busse hier, die ein Blaues Schild führen, tatsächlich umsonst werden, bezahlt von der Prinzessin. Danke dafür, umsonst durch die Stadt, super Sache. Wir haben ein wunderbares Gespräch weniger über Gott und vor allem über die Welt, dann sind wir auch schon bei der Station und schon trennen sich Michels und unsere Wege wieder. Mit der Ubahn geht’s nach Hause, einkaufen und schreiben, dann ins Bettchen.

Karte des Areals, zu besichtigen das Areal auf der linken Seite, umrandet vom rot überdachten „Trauergang“

 

18.05.2017 – Bangkok Haul

Heute geht es wieder mit der Metro in die Stadt, diesmal allerdings etwas weiter nach Luphini. Die Station ist nach dem Park über ihr benannt, durch den wir natürlich einen morgendlichen Spaziergang machen. Die breiten und asphaltierten Wege laden zum Jogging oder Fahrrad fahren ein und auch ein paar Sportgeräte herum. Wir laufen um den großen See in der Mitte herum, in dem sich die exotischen Bäume am Ufer und die Hochhäuser im Hintergrund spiegeln. Auch eine kleine Flotte Tretboote dümpelt vor sich hin, aber zu dieser Zeit ist noch keiner mit ihnen unterwegs.

Es ist knapp 10 Uhr, die Temperatur liegt bei knapp über 30 Gra mit einer durchschnittlichen Luftfeuchtigkeit von 75 Prozent schlendern wir unter dem Grün umher und schauen Gärtnern zu, wie sie ein kleinere Bäume an einem kleinen Flüsschen fällen und das Holz dann aus diesem fischen. Wir komme an einem Tempel oder Schrein im Park, dessen helles weiß und rotes Ziegeldach sich harmonisch von den Pflanzen um ihn herum abhebt. In ihm ist eine steinerne Gedenktafel, was auf ihm steht verstehen wir nicht, da sie auf japanisch und thai verfasst ist.

Tempelchen im Park
Schöne Blumen gibts auch…

Über einen hoffnungslos überfüllten Parkplatz kommen wir zurück auf die Straße, über der sich bedrohlich die Stromleitungen der Stadt tummeln. Hier verkabelt man offensichtlich nach dem Chaosprinzip. Was lässt sich während wir zu unserem ersten Ziel gehen sonst über Bangkok sagen? Was auffällig ist, die Stadt ist extrem sauber, was ich ehrlich gesagt nicht erwartet hatte, im Hinblick auf die Erinnerung an Mumbai und auch an Indonesien, was auch nicht überall den sauberen Tourischein wahren kann. Das Fahren in der U-Bahn ist sehr angenehm, wenn auch wegen der Klimaanlage viel zu kalt, denn die Leute sind höflich und man kann fast sagen diszipliniert, jeder hält sich beispielsweise an die auf den Boden gemalten Ansteh-Schlangen, weshalb Gedränge beim Einsteigen wegfällt.

…und gefälschte deutsche Nummernschilder

Mittlerweile sind wir bei der CentralWorld Mall angekommen, ohne zu merken dass es auf der Liste der größten Einkaufszentren der Welt Platz 10 belegt. Fast 500 Shops erstrecken sich auf 187.046 Quadratmetern, ein riesen Teil durch das wir gemütlich spazieren und uns alles anschauen. Hier gibt es einfach alles, Klamotten, Porzellan und Kinosessel. In denen machen wir es uns auch bequem und lassen die Eindrücke auf uns einknallen, bis wir dann zum Mittagessen vor die Mall gehen, denn dort hat ein Foodmarkt auf dem Vorplatz geöffnet. Auch hier gibt es wieder ein unglaubliches Angebot was absolut herlich ist, denn auf Bali konnte man sich praktisch überall nur zwischen Nasi Goreng (Reis) und Mie Goreng (Nudeln) entscheiden. Mit diesem Wissen entscheiden wir uns: richtig, für gebratene Nudeln. Ich bin aber immer noch nicht ganz auf dem Damm, deshalb wird die Packung in den Rucksack gepackt, und wir gehen wieder zurück in die Mall.

Der Erawan Schrein auf dem Weg zur Mall
Crepes aus Plastik, damit man weis was man bekommt
Erstmal ne Pause
Super, wird sind hoch hinaus

Irgendwann sind wir dann damit fertig und gehen mit einem kleinen Schlenker über das Big C Supercenter auf der anderen Straßenseite weiter. Diesmal allerdings nicht auf dem normalen Gehweg neben der Straße, sondern auf dem Pendant zur Autobahn per Pede. Mit einer Rolltreppe kommt man fünf Meter über das Straßenniveau wo ein überdachter und mit Musik unterlegter Runway nur für Fußgänger das Laufen nicht nur sicherer macht, weil man nicht mehr auf den Verkehr achten muss, sondern auch angenehmer, da man eine tolle Perspektive auf das Geschehen unter einem hat. Dieser Highway (mehr Wortanlehnungen für das Gebilde gibt es ziemlich sicher nicht) spuckt uns auch gleich bei der nächsten Mall heraus, die ausschließlich für Klamotten ist.

die Autobahn für Fußgänger
Glas und Stahl
gebaut wird natürlich auch ziemlich viel

Das sagt auch schon der Name: The Platinum Fashion Mall. Sie ist im groben ungefähr eine Mischung aus balinesischen Tourishop und Primark. Also furchtbar billige Klamotten in beschissener Qualität in Läden die ungefähr so groß sind wie Schuhkartons. Und die Leute findens geil. Wir nicht, deshalb gehen wir schnell wieder und tragen nicht wie alle anderen Müllsäcke vollgestopft mit Müll nach draußen. Mit Sicherheit kann man hier auch tolles finden, aber das ist uns in dem Chaos, dem Kitsch und der Masse an Menschen einfach zu anstrengend. Uns wird bewusst, obwohl wir durch drei gigantische Malls gelatscht sind, haben wir nichts gekauft. Kaufen um des Kaufens Willen ist ja auch Quatsch.

So geht’s mit der U-Bahn wieder nach Hause, wo es zum Abendessen frische gegrillte Würstchen mit Toast vom Streetfoodstand vor dem Obstladen gibt, und zum Nachtisch einen schönen Joghurt.

 

 

 

 

16.05. 2017 – Abstecher in die Metropolen der Welt

 

Wir schlafen herrlich aus und frühstücken in aller Ruhe Toast mit Beerenmarmelade, und das Toast hat besser geschmeckt als jedes einzelne in Neuseeland. Wie ein Land, das hauptsächlich Reis isst, das fertig bringt im Brot backen besser zu sein als die Kiwis, die ja nur das Zeug futtern ist mir einigermaßen schleierhaft. Wahrscheinlich liegt das daran dass die Thais einfach phänomenale Köche sind.

Etwas verplempern wir die Zeit und lassen es ruhig angehen, dann treibt uns die Neugierde aber doch auf die Straße und wir begeben uns zum nächstgelegenen Ziel auf meiner „Interessante Orte“-Karte, die ich damals in Ubud angelegt habe (Falls dem Leser hier noch ein Must-Do einfällt, immer her damit). Da unser Apartment allerdings etwas außerhalb liegt (was man aber eigentlich auch nicht sagen kann, mehr dazu hoffentlich später) nehmen wir die Metro. Die wurde ab 1999 gebaut und ist damit noch ziemlich jung, sagt der alte Hase von Redakteur der ist ja immerhin viel älter. Nun bei achtzehnjährigem bestehen ist es dann auch nicht mehr verwunderlich das Bahnhöfe, Tunnelsystem und Züge sehr modern sind. Die Bahnhöfe, die man erst nach einem halbherzigen Securitycheck mit dauerpiependen Metalldetektor betreten kann sind sehr groß, an einem Ticketschalter mit schlecht zu verstehenden Personal und nicht den besten Englischkenntnissen bekommt man seinen Ticketchip, der aussieht wie in der Mensa damals (vor einem Jahr…). Man fühlt sich fast wie zu Hause.

Bei der Station Sukhumvit gings dann raus in die schwüle subtropische Wärme der Metropole, der wir aber mit einem kurzen weg über die Straße auch schnell wieder entkommen konnten, denn unser Ziel war direkt um die Ecke.

Das Terminal 21 ist ein gigantisches Einkaufzentrum, eine Mall der Extraklasse, das war schon einen Meter hinter der Tür klar, bei der es übrigens auch einen Securitycheck von einem Mann in weißer Militäruniform gab.

Terminal 21 – das Einkaufzentrum von außen

Das ganze Ding sah aus wie die Enterprise, bei der sich die ganzen Decks nach Themen verkleidet hätten. Von Ebene zu Ebene, von denen es insgesamt um die 8 gab, wurde man von Scotty in eine andere Stadt gebeamt. Von Paris nach Tokio, wo wir auf dem berühmten Bürgersteig laufen konnten und die Shops alle wie traditionelle japanische Gebäude mit Kirschblüten aussahen gings dann nach London, wo man die roten Telefonzellen ohne Telefon (hat ja eh jeder eins dabei) anschauen und in der „Underground“ auf Toilette gehen konnte. Weiter gehst auf den Basar von Istanbul mit tanzenden Derwischstatuen und San Francisco, in dem sich die Golden Gate Bridge über die Rolltreppenkluft spannt. Super, und auch super kitschig, aber so können wir wenigstens noch ein paar mehr Metropolen auf unsere „gesehen“ Liste setzten.

Die Höhe überrascht den Dorfjungen

Sind wir denn jetzt plötzlich in San Francisco gelandet?

Das Highlight war aber die oberste Etage, wie wahrscheinlich jeden männlichen Mallbesucher, den die Shops eher weniger interessieren. Hier liegt nämlich die Fressmeile. Und das ist wirklich mal was anderes.

Man stelle sich das Ganze ungefähr wie folgt vor. Es gibt dutzende kleiner Inselchen, hinter deren Theken sich wiederum bis zu vier Anbieter mit bunten Smoothies, duftenden Suppen, die in riesigen Kesseln und Woks kochen, oder knusprigem Gebratenem um Kunden buhlen. Darum rennen hunderte von Leute, die alle versuchen das schier endlose Angebot innerlich zu sortieren. Obwohl wir mindestens zwei Köpfe größer sind als alle anderen verlieren wir komplett den Überblick, laufen ein bisschen hin und her und bestellen am ende gebratene Ente mit Reis, da kann man ja schon mal nichts falsch machen.

Große Pötte

 

Unbekanntes Obst in der Fressmeile…

 

…die sich auch sonst etwas von zu Hause unterscheidet.

Die Ente wird vom Haken genommen, und vor einem mit einem gigantischen Hackebeil in kleine essstäbschengerechte Scheibchen geschnipselt. Oookay, dann mal guten Appetit. Und ja, wir haben damit nichts falsch gemacht, das Essen ist herrlich!

 

Da noch Geld auf der Prepaidkarte ist, die man vor dem Essen für jeden Laden aufladen muss (zugegeben sau unpraktisch) bestellen wir nun etwas mutiger unseren Nachtisch. Wir haben zwar keine Ahnung was es wird, aber der dekorativ in die Schüssel geworfene Bollen Crushed Ice macht Hoffnung. Er schwimmt in einer süßen Flüssigkeit, wir haben sie mal für Ahornsirup erklärt. Was dann aber unter dem Eis zum Vorschein kommt erwartet man in einem schönen Chilli con Carne, aber nicht im süßen Nachtisch: Kidney- und Saubohnen!

Nachtisch

Erstaunlich aber wahr, Bohnen schmecken auch süß sehr gut. Was sich allerdings noch in unserer Schüssel befinden könnte entzieht sich unserer Phantasie, es ist weiß, glibberig, in dünnen Scheiben geschnitten oder Tentakel- beziehungsweise Wurmähnlich. Dass es mal gelebt hat, das glauben wir nicht, es schmeckt zumindest nicht nach Fisch oder so. Am ehesten könnte es vielleicht das glibberige Fruchtfleisch einer noch nicht fertig gereiften Kokosnuss sein, das zumindest hatte ich auf Bali mal probiert. Und mit der Erklärung sind wir gedanklich auch ganz zufrieden.

Glibber zum Mitraten

Unabhängig davon möchte ich nun aber wirklich lieber in unser Apartment zurück fahren, ich bin schon den ganzen Tag etwas angeschlagen und will mich etwas ausruhen. Wie sich später herausstellt ist es doch etwas mehr als zu wenig geschlafen, den kompletten restlichen Abend und nächsten Tag falle ich flach und bleibe im Bett – krank. Kacke.

 

15.05 2017 – Welcome to his majesty the king, welcome in Thailand

Wir stehen gemütlich um 8 Uhr auf und packen mal wieder die Backpacks. Ein kurzes Toastfrühstück am Pool und dann checken wir auch schon aus dem Hotel aus, dem wir allerdings keine sonderlich gute Bewertung auf Air BnB geben (Hotels dort zu mieten sollte man in Asien wahrscheinlich eher lassen, obwohl wir auf Gili ja ein sehr Gutes hatten, private Unterkünfte sind wesentlich sauberer und gut in Schuss).

Die Frage des Transports zum Flughafen macht uns kurzzeitig ein paar Schwierigkeiten, die Uber-Fahrer die wir mit der App bestellen wollen nicht in unsere Gegend an einem der Mainstrips der Stadt fahren, wo sich dutzende Clubs und Restaurants tummeln. Ein dankend abgelehnter aber sehr aufdringlicher liefert auch gleich die Erklärung dafür: Uber ist hier illegal. Wir stornieren also die Bestellung und winken ein richtiges Taxi heran, verhandeln den Preis und fahren los zum Flughafen.

Die Flugtickets hatte Chris in den super Hotel auf Gili ausgedruckt und so erwarteten wir keine Probleme beim Check-In. Aber wenn alles reibungslos gelaufen wäre wären wir ja nicht wir, oder? Natürlich gibt es ein Problem. Die Dame hinter dem Tresen guckt nämlich etwas verdattert, als wir je über 20 Kilo Gepäck anschleifen. „Sorry Guys, you haven’t booked luggage.“ Wie, kein Gepäck gebucht? Und was machen wir jetzt hier mit den 43 Kilo?

Los gehts nach Bangkok! Nur noch schnell Gepäck weg bringen

Natürlich war das kein riesen Problem, wir konnten einfach extra Gepäck buchen… für zweimillionenundvierzigtausend Rupie. 2.040.000,00 Rupie sind schon n ganzer Batzen, nämlich rund 140€, was fast dem Preis für das Ticket entspricht.. suuuper!

Wenigstens kommen wir zum Flugzeug, durch eine ganze Reihe von Sicherheitschecks, mehr als in Auckland oder Frankfurt. Der Flughafen ist übrigens mit seinem hohen geschwungenen Dach aus Aluminium sehr hübsch und modern, als kleine Randinfo.

Dann geht’s auch schon in die Sardinenbüchse und ich bin froh einen Gangplatz erwischt zu haben, um wenigstens ein Bein mehr als 90 Grad ausstrecken kann. Die nächsten vier Stunden fließen etwas zäh dahin, es gibt kein Entertainmentsystem an Board, und die drei Briten in ihrem Black Cab sind mittlerweile auch wieder in London angekommen, neuen Lesestoff hatte ich nicht runtergeladen.

Dann landeten wir sanft in Bangkok, nachdem wir über große mit Einfamilienhäusern Siedlungen geflogen sind, in denen ein Haus dem anderen glich, fast als würde man auf eine US-amerikanische Vorstadt zusegeln.

Unser Host hatte uns im Voraus unglaublich viele Informationen über den Flughafen, die Verbindungen von dort zum Apartment und vielem mehr geschickt. Doch all das nütze nichts, denn wie wir feststellten sind wir gar nicht am neuen Internationalen Flughafen gelandet, sondern beim alten. Er sah aus wie ein Krankenhaus aus den 70ern. Mintgrün lackierte schon etwas schmuddelige Wände, brauner Linoleumboden und in der Luft hing noch eine leichte Note längst verglimmter Zigaretten.

Das Problemchen mit dem jetzt unbekannten Transport (wir wollten eigentlich mit der Metro fahren) musste allerdings erst einmal warten, im wahrsten Sinn. Denn zuvor ist Einreise dran, in einer riesigen Halle stehen hunderte von Menschen in unübersichtlichen Schlangen und warten auf die gemächlich arbeitenden Beamten. Zum Glück bemerken wir recht zügig, dass wir in der Schlange „Aiseans“ (buchstäblich) stehen, und ziehen dreist diagonal nach vorne in die richtige Reihe ein. 35 Minuten später stehen wir dann endlich vor den Beamten, der den Stempel einfach über den Indonesischen in den Pass haut, und wir können zum Gepäck.

Warten auf die Einreise

Der Vorteil von so langem Warten auf die Einreise ist, dass wenigstens das ganze Gepäck schon auf den Bändern rollt, alles hat seine positiven Seiten.

Jetzt wollen wir mit dem Bus zu unserem Apartment, das nicht ganz Zentral aber dennoch mitten in dieser gigantischen Metropole, die 2010 schon doppelt so viele Einwohner hatte wie ganz Neuseeland, nämlich 8,249 Millionen.  Allerdings können wir den passenden einfach nicht finden, und ein freundlicher Amerikaner empfiehlt uns das recht günstige Taxi zu nehmen. Das machen wir dann auch, man stellt sich an einen Schalter und bekommt ein Taxi zugewiesen, das gesetzlich dazu verpflichtet ist, mit Taxameter zu fahren. Mittlerweile ist es 5 Uhr, die beste Zeit um in einer Millionenstadt mit dem Auto unterwegs zu sein.

Zum glück gibt es eine Tollstreet, also eine Mautstrecke, auf dem wir einen Teil des Weges für 1,50€ in normalem Tempo zurück legen. Wir sehen kurz die Skyline am Horizont, bevor es auf den normalen Freeway geht. Eine halbe Stunde später kommen wir in einer Garage zum Stehen, bezahlen den Fahrer und schultern den Rucksack. Eine Dame in einem kleinen Office händigt uns einen Chip für die Haustüre des sechsstöckigen Gebäudes und den Wohnungsschlüssel aus und wir fahren mit dem Lift in den Dritten.

Das wunderbar große und saubere Zimmer freut uns erschöpfte Reisende und wir legen uns aufs Bett und erholen uns. Dann entdecken wir die Instantnudeln an denen wir uns gütlich machen, wir hatten außer etwas Toast und Chips mit Seegrasgeschmack (schmecken echt gut) nichts gegessen. Die Instantnudeln waren auch sehr lecker (nur vertragen hab ich sie überhaupt nicht), machten aber nicht satt.

Bild aus dem Taxi
1. Abendessen der BASF
Nur gesunde Inhaltsstoffe

Und da wir eh nach Bangkok wollten um die kulinarische Vielfalt des Streetfoods hier zu testen, begann der Test gleich nach dem Abendessen.

Wir schlenderten ein bisschen an den dichtbefahrenen Straßen entlang, und überquerten eine Kreuzung, um auf die andere Straßenseite zu kommen. Hier muss man sich nicht durch den Verkehr schlagen oder an Ampeln warten, sondern kann gemütlich über die Fußgängerbrücken über der Fahrbahn gehen. Bangkok ist also zumindest auf den ersten Blick sehr fußgängerfreundlich.

Bangkok bei Nacht
Nightmarkt mit Dino zum reiten

Vor einem kleinen Restaurant hielten wir und bestellten etwas zu Essen. Christoph wählte Reis mit Schwein, bei dem auch gebratene Zwiebeln, Glasnudeln und Gemüse dabei war, während ich Reis mit Seafood bevorzugte. Die Soße war scharf und würzig, und schmeckte lecker nach Lakritze. Eine wirklich sehr interessante Mischung, Oktopus, Reis und Süßigkeiten.

Kochen auf der Straße
Lecker 2. Abendessen

Dann gings zurück zum Apartment, wo wir noch einen gemütlichen Abend verbrachten.

Mit dem Rucksack ans andere Ende der Welt