22.05. 2017 –Schwimmende Märkte und ein Apokalypsenspielplatz

Heute wollen wir zu einer sehr speziellen Attraktion von Thailand, den schwimmenden Märkten. Wir hatten schon viel davon gehört, und zu Hause haben wir eine Postkarte von einem Händler dieser Märkte im Bad hängen. Also haben wir einen dieser Märkte auf unsere heutige Agenda gestellt und sind schon auf das Angebot gespannt, welches dort präsentiert werden würde.

Doch zuerst müssen wir zu dem Markt gelangen, und dieser liegt 16,5 Kilometer von unserer Wohnung entfernt, immer noch in „zu-Fuß-Reichweite“, aber wir wollen ja heute auch noch was anderes sehen. Deshalb entscheiden wir uns für den Bus, umweltfreundlich, günstig und hoffentlich schnell bietet er sich einfach an. Die Verbindung ermitteln wir mittels Google Maps und steigen in Linie 8 Richtung Osten. Diese Linie hat kein blaues Schild in der Windschutzscheibe, also müssen wir hier zahlen. Für 50 Cent, die wir an eine Frau mit rundem Blechetui zahlen, sind wir beide an Bord. Wir betrachten die urbane Landschaft die an uns vorbei zieht und werfen immer mal wieder einen Blick aufs Handy, um sicher zu gehen dass wir auch richtig fahren. Alles klappt wie am Schnürchen, bis plötzlich der Bus in eine Seitenstraße fährt und alle Passagiere den Bus verlassen. Auch wir müssen raus, die vermeintlich direkte Verbindung endet nach ziemlich genau der Hälfte der Strecke.

Ohne Simcard oder Wifi sind die Handys nutzlos, wenn man sich eine neue Route heraussuchen möchte, allerdings scheinen die Buslinien ja eh nicht sonderlich zuverlässig hinterlegt zu sein. Also old-school nach dem Weg fragen, was sich als etwas schwieriger herausstellt, da die meisten Thais nicht sehr gut bis gar nicht Englisch sprechen (wir sind ja nicht in einem reinen Touristengebiet). Glücklicherweise treffen wir nach ein paar versuchen auf eine Thailänderin die in den Staaten lebt, und deshalb sehr gut Englisch, aber auch Thai spricht. Sie hat zwar keine Ahnung, wo der markt ist, zu dem wir unterwegs sind, allerdings könne sie einen anderen empfehlen, den sie uns gleich auf Thai auf einen Zettel schreibt, damit wir so weiter fragen können. Desweiteren bugsiert sie uns in einen Bus der Linie 27 und sagt dem dortigen Kassierer, wo wir raus müssen und bittet ihn, uns dort raus zu schmeißen.

Wir sitzen also wieder im Bus, die Ventilatoren drehen sich über uns und sorgen wenigstens für ein bisschen Kühle in der mittäglichen Hitze, während wir weiter nach Osten fahren.

Dann kommt das Signal des Kassierers, wir steigen vor einem Restaurant an der Hauptstraße aus und versuchen uns zu orientieren. Dabei hilft der Zettel der Dame ungemein, die Leute im Restaurant helfen uns gerne und zeigen in die gesuchte Richtung.

Wie sich herausstellt ist unser Markt und der der Dame deckungsgleich, und trotzdem stoßen wir auf Probleme. Doch zuerst durchqueren wir ein großes goldenes Tor und finden uns auf einem Klosterareal oder etwas ähnlichem wieder. Reich geschmückte Gebäude denen im Königspalast nicht unähnlich stehen in lockerer Formation nebeneinander, zwischen ihnen erstreckt sich eine Parkanlage, aber auch turmähnliche Gräber mit Inschriften und Bildern der Verstorbenen.

Uns kommen zwei Mönche in orangener Kutte entgegen, einer fährt einen orangenen Gabelstapler und allein für den Anblick hat sich die einstündige Busfahrt gelohnt. Leider ist er so schnell an uns vorbei gesaust, dass es davon kein Foto gibt. Wir überqueren das Areal uns suchen den Fluss mit den kleinen Booten der Händler, die darin ihre Waren transportiert und wenn man sie heran winkt angestakst kommen und einem diese dann verkaufen.

Als wir am Fluss ankommen sehen wir die Anleger, das Schild für den Markt und eine Brücke die beide Ufer miteinander verbindet – allerdings keine Händler. Im Fluss wimmelt es zwar von Fischen, aber kein einziges Bötchen treibt auf ihm. Das schöne Kloster und das reine Erlebnis der Busfahrt tröstet uns aber darüber hinweg dass der markt offenkundig nicht stattfindet, wie immer ist der Weg das Ziel.

Markt ohne Händler

Also machen wir uns wieder auf denselben, mit der 27 geht’s wieder zurück. Wir steigen wieder dort aus, wo wir eingestiegen waren und stellen jetzt fest, dass dort ein Foodmarket ist, der sich um ein kleines Einkaufszentrum tummelt. Dort essen wir zu Mittag, ich bestelle mir bei einem Stand Frühlingsrollen und in Panko paniertes Hühnchen, während Chris bei einem anderen eine Hühnersuppe mit Reisnudeln kauft. Alles schmeckt ausgesprochen köstlich und ist nicht einmal sehr scharf. Das Mittagessen ist ein purer Genuss, und so bestelle ich mir das Selbe gleich noch einmal, einfach weil es soo gut und günstig ist.

Supergünstige Köstlichkeiten

So gestärkt können wir unser nächstes Projekt angehen, ein wahrer Geheimtipp den man auch nur sehr versteckt in anderen Reiseblogs findet. Den Kilometer dahin laufen wir wieder. Dann sind wir da, am wohl schrägsten Ort von ganz Bangkok, denn mitten durch das Grün der Büsche am Straßenrand schimmert das metallische weiß einer Boing 747 und zweier MD82. Ja richtig gelesen, da stehen Flugzeuge mitten in der Stadt an der Hauptstraße. Eine Landebahn gibt es nicht, die würde den Maschinen allerdings auch nichts mehr nützen, denn was vor uns liegt ist ein Flugzeugfriedhof.

Am Zaun erwartet uns ein kleiner Junge der von uns das Eintrittsgeld kassiert, er lebt mit mehreren Familien in Hütten, die aus der Rumpfröhre der Boing747 geschnitten sind. Deshalb ist das gigantische Flugzeug auch nur noch zur Hälfte da, die überall auf dem Gelände verteilten Bauteile der ausgeschlachteten Maschinen geben dem Friedhof eine postapokalyptische Atmosphäre, erst recht wegen der drei mausgrauen Betonhochäuser im Hintergrund.

Alle Notausgänge des gewaltigen Flugzeuges sind aufgerissen und es sieht aus als hätte ein gewaltiges Unglück gegeben. Auch die Klappen des Rollwerks und die Ladungsluke sind aufgeklappt, und durch genau diese betreten wir jetzt das Flugzeug.

Der Laderaum ist vollgestopft mit Handgepäckfächern, doch schlägt man eine Plane beiseite kommt man über einige Steigeisen über eine Bodenluke in die Economyclass des Fliegers. Dort liegt noch einen teil der Inneneinrichtung, und eine Sauerstoffmaske sorgt für den perfekten Look eines Weltuntergangfilmes. Über eine Treppe erreichen wir die Firstclass und das Cockpit, selbstverständlich lassen wir es uns nicht nehmen an den noch vorhandenen Instrumenten herum zuspielen und es uns auf dem Pilotensitzen bequem zu machen.

bruchpiloten

Der Flugzeugfriedhof ist also der reinste Apokalypsenspielplatz und ein absolutes Must-Do für den Alternativen suchenden Bangkoktouristen. So bleibt uns nun nur noch zurück zum Apartment zu gehen und die Backpacks zu packen, bis uns noch einfällt, wir müssen noch die Visa für morgen ausdrucken! Mit viel Geschiss halten wir diese dann um halb 1 in der Hand, in vier Stunden wird uns der Wecker aus den Federn holen. Der letzte Tag in Bangkok ist um. Ab morgen trennen uns nur noch 3 ½ Stunden Zeitverschiebung von zu Hause.

 

4 Gedanken zu „22.05. 2017 –Schwimmende Märkte und ein Apokalypsenspielplatz“

  1. Wie immer – fesselnd, spannend und faszinierend! Ich überlege schon ernsthaft, mit welcher Lektüre ich den unweigerlich kommenden „Entzug“ abschwächen kann.

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