25.04. 2017 – Imperiale Macht und Erinnerungen

Wir stehen heute deutlich früher auf als gestern, weshalb wir heute auch etwas mehr unternehmen können. Die Planung dafür wird grob am Frühstückstisch erledigt, vor uns steht ein Omelett mit Tomaten und Zwiebeln, dazu gibt es den köstlich würzigen, indischen Tee, der auch etwas scharf ist. Dabei kommen wir natürlich auch ins Gespräch mit unserem Host und ich meine etwas Stolz, dass ich schon zum zweiten Mal hier bin. Als er hört dass ich vor fünf Jahren hier war lacht er schallend auf und meint „Das ist nicht mehr das Mumbai, das du kennst. Hier hat sich alles Verändert. Es leben seit dem drei Millionen Menschen mehr in der Stadt. Wir haben jetzt eine Metro und einen neuen Flughafen, den sie vor zwei Jahren eröffnet haben.“ Das erklärt natürlich so einiges… Wie sehr sich die Stadt Verändert hat, dass wollen wir nun natürlich sehen.

Wir laufen nach dem Zähneputzen, was wir nur mit Wasser aus der Flasche erledigen, zur Hauptstraße und winken eine Rikscha heran. Mit dem kleinen Gefährt geht’s zum Bahnhof Andheri, wo wir am Schalter aus Gewohnheit ein Ticket für die zweite Klasse ziehen. Der Mann hinter der Glasscheibe schaut etwas verwirrt, können sich die beiden Weißen wirklich kein Erste Klasse Ticket kaufen?

Schlange am Schalter

Aber als wir an die Gleise treten wird klar weshalb er so geguckt hat: der Bahnhof ist geflutet von Menschen, unglaubliche Massen sind unterwegs. Mit einigem herumfragen finden wir dann zum Richtigen der neun Gleise, denn auf dem Ticket ist dieses nicht vermerkt. Zum Glück sind die Inder sehr hilfsbereit und können auch fast alle sehr gut Englisch.

Kennst du die Bilder von indischen Zügen aus dem Fernsehen? So überfüllt dass die Türen nicht mehr schließen und die Leute aus dem Zug hängen um noch mitzukommen? Das ist die Realität, und genau in so ein Gefährt steigen wir jetzt ein. Zum Glück können wir uns tief genug in den Zug graben um nicht außen zu stehen, wobei dass wegen der besseren Durchlüftung sehr begehrte Plätze zu sein scheinen.

Nach einem kurzen, ungeplanten Umstieg haben wir es dann auch geschafft, und der Zug rollt in Churchgate ein. Die Leute an den offenen Türen hüpfen aus dem noch fahrenden Zug, und traben im Galopp weiter zu ihren Zielen. Ein absolut verrückter Anblick, wie hier Männer im Anzug und Frauen in Saris einfach aus dem fahrenden Zug springen.

Wir warten lieber bis er angehalten hat und gehen dann zu Fuß Richtung Süden, in den Stadtteil Apollo Bandar, der kolonialen Altstadt des ehemaligen Bombays.

Hier reihen sich prachtvolle Steinhäuser im Stil des Historismus und der britischen Interpretation des Mogul-Baustils aneinander, die Tore, Bögen und Türme machen einen vergessen, dass man in Indien und nicht in einer orientalischen Version Englands ist. Die Gebäude sind wunderschön, wie ich sie in Erinnerung hatte.

Catcontent

Durch Zufall finden wir auch das „Prince of Wales Museum“ wieder, in dem wir auch schon damals waren. Es kommt mir kleiner vor als in Erinnerung, allerdings sind die Ausstellungsstücke noch immer wunderschön. Dreitausend Jahre alte Statuen von Göttern finden hier genauso Platz wie mittelalterliche indische Waffen, Schatzkisten aus Elfenbein, kunstvoll gewebte Stoffe und Kleidungsstücke, aber auch naturkundliche Ausstellungsstücke wie ausgestopfte Vögel, ein weißer Tiger und einen Babyelefanten, den ich schon damals schrecklich fand.

Wächtergottheit
Das Prince of Wales Museum

Bronzeguss
Schmuckkästchen aus reinem Elfenbein
Kunstvolle Malerei mit buntem Sand von tibetischen Mönchen
Der Park des Museums
Bunte Tücher
üble Waffen
Liftboys gibts hier auch noch
Das Museum 2012

Nach ein paar Stunden umherlaufen hatten wir dann aber genug von Museen, besonders wenn man in dem letzten halben Jahr in so vielen war. Wir setzen also unseren Weg weiter fort, ins Herz der imperialen Stadt.

Das merkt man besonders an einem Gebäude, dass sich wie ein Berg vor dem indischen Ozean erhebt: dem Gateway of India. Es ist ein riesiger sandfarbener Triumphbogen, errichtet von 1911 bis 1924 im Gedenken an den ersten Besuch eines britischen Monarchen in Indien, Georg V im Jahr 1911. Ich würde gerne ein Bildervergleich machen, ich vor dem Tor vor fünf Jahren und heute, leider war damals das Selfie noch nicht erfunden, also habe ich kein Bild von damals.

2017
2012

Dafür werden heute unzählige Fotos gemacht, denn neben Dem Tor scheine ich zur wichtigsten Attraktion auf dem Platz zu werden. Viele Inder bitten mich, sich mit ihnen ablichten zu lassen, was natürlich urkomisch ist, und deren Wunsch ich gerne nachkomme. Passiert ja nicht so häufig dass hier so ein hübsches Kerlchen über den Platz läuft 😀 .

Autogramm wollte er aber leider nicht 😀

Wir ziehen weiter, am Taj Mahal Palace, dem besten Hotel am Platz durch den Stadtteil Colaba und schauen uns ein bisschen um. An einer der diversen Zuckerrohrmühlen bleiben wir stehen um uns eine Erfrischung zu kaufen. Dabei handelt es sich um kleine Marktstände, in denen eine Walze ganze Zuckerrohre zermalmt und presst, um den Saft aus ihnen herauszuquetschen. Das indische Pendant zu unserem frisch gepressten Orangensaft quasi. Der Saft ist grüngelblich und ungeheuer süß, aber extrem erfrischend.

Während wir den Saft genießen kommen wir mit einem Inder ins Gespräch der in Hamburg Softwareentwickler ist, und der uns auf einen lokalen Markt führt, wo wir frische Gewürze und Tee kaufen. Dann geht e auch schon wieder zurück, erst mit dem Zug, dann der Rikscha, wir hatten einen Ereignisreichen und schönen Tag.

 

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