Unter Koh Tao

Nach einer etwas längeren Schreibpause melde ich mich nun, befreit von der Schulbank wieder zurück aus Koh Tao. Wie angekündigt war der erste Tag der Tauchtheorie gewidmet, wir lernten die Handzeichen, für die Kommunikation unter Wasser unabdinglich, Sandra, die Tauchlehrerin, zeigte uns die Funktion des Equipments und erläuterte uns die Physik des Tauchens. Für alle außer mir etwas völlig neues, mit den Probetauchgängen in Bali letztes Jahr hatte ich allerdings einen kleinen Wissensvorsprung vor den restlichen 5 Teilnehmern. Lea (Schweiz), Karolína (Tchechien), Timo (Niederlande), Charlotte (UK), Boris (Deutschland) und ich waren eine sehr homogene Gruppe, die sich ab dem ersten Tag super verstand. Uns wurden Videos vorgeführt, in denen die ersten paar Kapitel des Schulbuchs zusammengefasst wurden, was uns gleich am ersten Tag 141 Seiten lesen ersparte. Das neue Wissen wurde sogleich in Hausaufgaben abgefragt, die wir am Ende des Kurses abgeben sollten. Die Fragen waren aber mit gesundem Menschenverstand einfach zu meistern, darum war das eher eine Einschränkung der Freizeit denn eine Herausforderung.

Der zweite Tag startete früh, um 8 Uhr versammelte sich die Truppe im Klassenzimmer um weiter Theorie zu pauken. Um 12 gabs dann eine Mittagspause, danach ging es in den Pool um das gelernte endlich praktisch anzuwenden. Übungen wie schwimmen, die perfekte Tariraung (also schweben im Wasser) Umgang mit dem Atemgerät. Insgesamt waren wir 5 Stunden im Wasser, als wir fertig waren war uns allen kalt.

Der dritte Tag war fast gleich aufgebaut, mit dem kleinen Unterschied, dass wir mittags im Meer tauchen waren. Da man in Salzwasser natürlich mehr Auftrieb hat war es diesmal nicht so leicht wie im Pool, und fast alle von uns wollten den ersten Tauchgang lieber schnell vergessen. Darum kam gleich ein weiterer dahinter, der weeeesentlich besser war (bezogen auf die Tarirung, oder auf englisch Bouancy). Abends schreiben wir im Licht der untergehenden Sonne alle zusammen die Prüfung in der Strandbar des Resorts. Total erschöpft ging es danach gleich ins Bett.

Boris und Ich

Timo und Charlotte

Lea und Karolína

Am vierten tag ging es sogar noch früher aus den Federn, der Truck, auf dessen Ladefläche wir mit eingepacktem Equipment zum Hafen und damit zum Tauchboot fahren, rollte schon um 7:15 Uhr vom Hof.

Am Hafen angekommen mussten wir erst einmal aufs Boot kommen, was nur durch das Kletter über andere Boote möglich war. Nach diesem schon nervenaufreibenden Manöver packten wir dann sofort unser Equipment aus und machten uns an die professionelle Montage der Einzelteile.

Unter Wasser machen wir natürlich auch Übungen, das beste sind aber natürlich die vielen bunten Fische, die sich hier in atemberaubenden Kulissen tummeln, geschaffen aus Fels und Korallen. Am besten ihr guckt euch das Video am Ende des Beitrags an, das gibt euch einen viel besseren Eindruck als ich es jemals schreiben könnte. Zwischen den Tauchgängen morgens und abends liegen ein paar Stunden, die wir für eine kleine Wanderung über die Insel nutzen. Das dachten wir zumindest, als wir losgingen. In der brutalen Hitze von 31 Grad 8 Kilometer laufen ist eigentlich ziemlich unklug, je nur einen halben Liter Wasser dabei zu haben ist dumm. Dass uns niemand zusammen gebrochen ist scheint wie ein Wunder, die Aussicht über die Insel entlohnte aber alle Mühen dreifach, es war schlicht phänomenal. Ko Tao hat eine sehr felsige Küste, aus dem Wasser ragen gigantiche Granitblöcke, und das Wasser ist so klar, dass man locker den 15 Meter tiefer gelegenen Meeresboden sehen kann. Die Hügel der Insel sind mit Palmen und Laubbäumen bewachsen, ab und zu lugt ein Bungalow aus dem Schatten der Bäume hervor, es ist alles fast schon kitschig schön. Hier kann man es wirklich aushalten. Das alles beobachten wir von einer Terasse, auf der ein knallrotes Sofa steht. Die Wände der dazugehörigen, verlassenen Bar sind mit kreide bunt bemalt, und auch wir schreiben ein paar Zeilen für die Nachwelt.

Das Meer direkt vor Augen beschleunigen wir nun unsere Schritte und laufen den letzen Kilometer. Der Weg spuckt uns an einer Bucht mit perlweißem Strand heraus, ein 9 Meter hoher Felsen ragt aus ihrer Mitte hervor. Mitch, Jeff (den alle nur Matt Damond nennen und die wir beim tauchen kennengelernt haben) und Timo klettern hinauf und springen in das klare Wasser, in dem ich ein bisschen tauche. Leider ohne Maske und Schnorchel, die habe ich nämlich im Zimmer gelassen. Es ist einfach ein Träumchen. Wir orden ein großes Glas Eiskaffe oder Kakao in der Strandbar und lassen die Sonne auf die Bäuche strahlen.

Dann wird es auch schon Zeit für unsere letzten beiden Tauchgänge des Open Water Kurses. Der ist zum Glück gegen einen kleinen Obolus komplett auf Video aufgenommen, weshalb ich dazu nicht viel sagen muss, außer: HAAAAMMER GEIL!!!!

Die letzen beiden Dives des Open Water Kurses hier als Video

Passwort: scuba

Naja, und genau aus diesem Grund haben Lea und ich dann auch beschlossen, gleich den Advanced Course, also den Fortgeschritten, auch noch hier zu machen. Wir bekommen beide je ein dickes Buch, und leider müssen wir das diesmal wirklich lesen, denn es gibt keinen Unterricht mehr. Am ersten Tag gehen wir morgens auf zwei Tauchgänge, Naturalist und Boancy in perfection genannt. Der Naturalist ist ein Tauchgang, bei dem man lernt die Fische zu bestimmen, die man hier zu Hauf sieht. In meinem Logbuch habe ich Folgende für diesen eingetragen: Butterflyfish, Longfinned bannerfish, Blueringed Anglefish, Hexagon Grouper, Blacktip Grouper, Bluelined Grouper, Cleaner Wrasse (die als Tauchhandzeichen einen Stinkefinger bekommen, weil sie mit dem Putzen bspw. von Ohren der Tauchern ziemlich nerven können), einen Rochen (Bluespotted ribbontail ray), Titan Triggerfish (der einzige gefährliche Fisch hier, weil er Taucher zur Nestverteidigung angreift und mit seinen hauergleichen Zähnen hier schon manch eine Flosse geschrottet hat), Fusiliere, Golden Travelleys, Rabbitfish und und und. Tauchen macht natürlich gleich zehnmal so viel Spass, wenn man sich mit seinem Buddie über die Fische auch schon unter Wasser unterhalten kann. Der zweite Dive war dann der Versuch, die perfekte Schwerelosigkeit zu erreichen (durch ein gutes Gleichgewicht von Blei und Luft in Weste und Lunge). Einfach, und darum ein absoluter Fundive. Besonders lustig, weil Sandra nur Minuten nachdem sie uns vor dem Triggerfisch gewarnt hatte, von eben diesem angegriffen wird. Sie verhält sich richtig und schwimmt zur Seite weg, ohne dass etwas passiert. Der anwesende Kameramann, von der Szene ganz begeistert, kommt dem Fisch allerdings filmend zu nah, welcher daraufhin auf ihn schwenkt und den Kameramann angreift. Dieser macht genau das, was man nicht tun soll und steigt auf. Das natürlich in Panik viel zu schnell und der Fisch ihm dicht auf den Fersen. Es passiert natürlich nichts, ausser dass der Kameramann mit dem Spott seiner Kollegen leben muss, was Lea und mich königlich amüsiert. „Pass auf, da unten könnten Fische sein, du hast doch Angst davor“ und „Unter Wasser sieht alles 30% größer aus, in Wahrheit wurdest du von einem Zwergkaninchen angegriffen“ lassen den ganzen Truck herzlich lachen.

Am nächsten Tag gehts wieder um 7:15 Uhr aufs Meer, der erste Tauchgang ist ein Deepdive auf 31 Meter runter, bei dem die Sicht allerdings nicht gut war. Unten machen wir einen Test um zu zeigen, dass wir unter keiner Stickstoffnarkose leiden, was neben einer Dekompressionskrankheit zu den gefährlichsten Angelegenheiten unter Wasser gehört. Stickstoff im Körper ist generell scheisse, darum machen wir auch die Saftystops auf 5 Metern, damit dieses austreten kann. Der Test ist einfach, man muss nur auf die Zahlen 1 – 13 Tippen, und je nachdem ob sie von einem Dreieck oder einem Viereck umgeben sind sich auf die Nase oder die Stirn tippen.

Der zweite Dive des Tages ist ein Navigationsdive, Wayne, der Tauchlehrer für heute zeigt uns, wie wir uns unter Wasser mit Kompass, Sonnenlicht und natürlichen Gegebenheiten orientieren können.

Das beste des Tages war aber definitiv der Nightdive. Um 6 Uhr abends fahren wir wieder raus aufs Meer, schnallen uns eine Taschenlampe um und tauchen in das schwarz werdende Wasser. Die Sicht ist phänomenal, und im Kegel unserer Lampen sehen wir aus den Augenwinkeln gilzernde Schuppen an uns vorbeiziehen, und auch die Korallen und Anemonen werfen mystische Schatten in das Wasser und auf den Grund. Ein unglaubliches Schauspiel. ganz besonders schön wird es, als wir unsere Lampen abblenden, und wir in völliger Dunkelheit ein paar Zentimeter über dem Boden schweben. Macht man nun kleine Bewegungen mit der Hand leuchten plötzlich blaue Pünktchen vor einem auf: Lumineszierendes Plankton. Viiiel besser als Glühwürmchen!

Als wir dann wieder auftauchen strahlt uns ein Meer aus Sternen entgegen und Lea und ich sind frisch gebackene Advanvced Diver. Auf dem Boot feiern wir mit Keksen und heißem Tee, dann in der Strandbar des Resorts mit einer Karaokeparty. Als die für beendet erklärt wird schnappen wir uns ein taxi und fahren an einen anderen Strand, wo wir zu toller Musik bis halb 3 weiter feiern. Was für ein toller Abschluss für den Tauchkurs.

Noch ein paar Bilder von Sandra im Nachtrag:

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