03.-08.05. 2017 – Lombok

03.05. 2017 – Kuta Lombok

Ein letztes Bananen-Sandwich und dann ist es auch schon wieder Zeit sich von Bali zu verabschieden. Heute verlassen wir unser Häuschen in Ubud und begeben uns auf Balis Nachbarinsel Lombok. Praktischerweise hat die Familie, bei der wir untergekommen sind, auch gleich noch ein Taxiunternehmen weshalb wir zwar für einen stolzen aber doch einigermaßen guten Preis um 10 Uhr nach Padangbai aufbrechen. Von dort aus geht nämlich die öffentliche Fähre, die wir Sparfüchse natürlich nehmen – der Fahrpreis ist nämlich nur 10% dessen was man für ein Speedboat zahlen würde.

Bevor wir uns allerdings einschiffen wollen wir noch schnell eine Kleinigkeit in dem schnuckeligen Dorf essen, und gehen ziemlich planlos ins nächstbeste Restaurant, das ganz am Ende des Hafens liegt. Es gibt nur vier Tische, gerademal einer ist besetzt.

Nachdem wir uns niedergelassen haben werden wir stutzig… Moment… das Mädel dort kennen wir doch!

Ja klar, da sitzt unsere ehemalige Mitschülerin Celine mit zwei anderen Mädels und isst zu Mittag. Wir sind völlig perplex ob des Zufalls jemanden aus 120 Schülern am (fast) anderen Ende der Welt in einem winzigen Restaurant zu genau der selben Uhrzeit zu treffen (wir hatten ja nur eine halbe Stunde hier), zumal wir nicht einmal voneinander wussten, dass wir alle überhaupt auf Bali sind.

Sicht auf das Hafenbecken und die Fähre

Nachdem unser Essen dann auch aufgegessen war ging es für uns auch wieder weiter, um 1 sollte die Fähre ablegen. Mit südseetypischer Gelassenheit fuhren wir dann auch um halb 2 langsam los, und wir waren bis auf wenige Ausnahmen die einzigen Touristen hier. Auffällig war, dass hier fast jede Frau Kopftuch trägt, denn Lombok ist sehr muslimisch geprägt, im Gegensatz zu Bali So konnte man auf dem Außendeck den Klängen indonesischer Stars im Fernsehen lauschen, bis es mir zu bunt wurde und mich für ein Nickerchen aufs Oberdeck verzog..

Unser Deck

Die Sonne versteckte sich zum Glück hinter den Wolken, so gab es während der fünfstündigen Fahrt keinen Sonnenbrand. Man kann jetzt allerdings auch verstehen warum hier so viele Speedboote angeboten werden, denn die nicht mal 50 Kilometer kann man wirklich wesentlich schneller zurück legen als auf diesem Kutter.

So kamen wir auch erst sehr spät in Lembar an, die Taxistände waren leer und wir mussten deshalb ein ziemlich überteuerten Shuttlebus nehmen. Pech gehabt.

Sonnenuntergang bei der Einfahrt in den Hafen von Lombok

Als wir dann endlich in Kuta Lombok ankamen, (Lombok muss man immer dazu sagen, denn auch auf Bali gibt es ein Kuta) mussten wir zuerst unsere AirBnB Unterkunft suchen, denn eine genaue Adresse bekamen wir nicht. Wie auch, nach langer Suche stellte sich heraus, dass es das Zimmer gar nicht gab…

Der „Host“ quartierte uns so beim Nachbarhostel ein, wir hatten unseren eigenen Raum wie gebucht und waren damit dann auch zufrieden, es war spät und wir wollten ins Bett.

Unsere Unterkunft liegt im tropischen Schatten

 

 

  1. – 08.05 2017

 

Die nächsten Tage verbrachten wir mit Urlaub. Wir lagen am Strand, der sich direkt auf der anderen Straßenseite befand und aus Korallen und kugelrunden Sandkörnern bestand. Das Wasser war angenehm warm und so mussten wir uns nur um unser Mittag- und Abendessen kümmern, Frühstück bekamen wir in unserer Unterkunft gratis dazu (es gab jeden Morgen Bananenpfannkuchen mit Indomilk, von der wir immer noch nicht genau wissen was das überhaupt ist. Pappsüße angedickte Milch die nach weißer Schokoloade aus dem Ü-Ei schmeckt trifft es wahrscheinlich am besten). Schon bald hatten wir unser Stammrestaurant gefunden, das sehr gute Fischgerichte zu sehr günstigen Preisen anbot. Wir mieteten uns außerdem Scooter für drei Tage, mit denen wir die Insel erkunden wollten.

Der Strand

Der Blick über die Straße

Am ersten Tag (also dem 05.05) waren wir aber viel zu sehr mit ausschlafen beschäftigt, und deshalb zu spät dran überhaupt noch etwas zu sehen. Deshalb fuhren wir in eine Bucht ein paar Kilometer entfernt und bekamen so auch einen kleinen Einblick in das leben der Insulaner.

Was mir hier sofort auffällt: Durch den noch fehlenden Tourismus müssen sich die Leute auf andere Art ihre Brötchen (oder Reis) verdienen, weshalb sie doch recht massiv Raubbau an der Natur betreiben. Wir fahren an einem gewaltigen Loch im Dschungel vorbei, wo dutzende LKW die Produkte des Steinbruchs davonkarren, und uns ganz schön den Staub ins Gesicht treiben.

Steinbruch

Wie um einen Kontrast zu der braunen Einöde zu bilden kann man von einem Hügel gleich dahinter die atemberaubend schöne Bucht sehen, zu der wir unterwegs waren. Wie die Säulen des Herakles ragen zwei Berge aus dem Meer und schützen so die sanfte Bucht dahinter. Wir sehen das türkise Meer, den weißen Strand und die dunkelgrünen Plamen dahinter und geben Gas.

Unser Ort der Entspannung

Wir parken unsere Roller unter einem aus Palmenblättern gebauten Unterstand und begeben uns zu den liegen, die am Strand stehen. Außer fünf anderen Touristen sind wir die einzigen hier und haben den ganzen Strand für uns alleine – ein Träumchen. Wir schlürfen aus unseren Kokosnüssen, die wir mit in den Liegenpreis verhandeln, lesen, schwimmen im glasklaren Wasser und lassen es uns in der Sonne so richtig gut gehen.

 

Den 05.05. muss ich allerdings gesondert erwähnen, denn da waren wir mit den Rollern unterwegs auf größerer Erkundungstour, wie wir das ja auch schon auf Bali gemacht haben. Unser erstes Ziel war das Dörfchen Sade, es ist das Älteste Lomboks, in dem die Menschen noch die traditionelle Lebensweise der Sasak leben, der größte Volksstamm der Insel. Die Wände der Hütten bestehen aus geflochtenen Bambusrohrstreifen, die Dächer sind aus Elefantengras gewundene Matten den Reetdächern nicht unähnlich. Die Hütten sind Treppenförmig konstruiert, hervorgerufen durch die Hanglage. So ergibt sich aber auch eine Aufteilung des Raumes in mehrere Ebenen, die jeweils aber nur ein paar Meter breit sind. Die oberste Ebene, und damit die, die am weitesten von der Straße entfernt liegt, ist für die Frauen, Kinder und die Küche mit den Vorräten reserviert. Der Raum hat keine Fenster, um die warme Luft von außen nicht hinein zu lassen, und so ist es einigermaßen kühl. In der Ebene darunter liegen die Männer, und passen auf das Haus auf, denn gleich eine Ebene weiter unten liegt die Straße. Das Dach liegt sehr tief, so dass man sich wenn man eine Ebene höher möchte bücken muss, was ein Zeichen des Respekts darstellt. Vor wem wird allerdings nicht deutlich, eventuell aber Allah, denn diese Art der kleinen Türen kennt man ja aus sehr alten Moscheen auch.

Wilkommen
Abbildung 1: Schemische Darstellung eines Sasak Hauses

 

Das Dorf lebt von zwei unterschiedlichen Industrien – drei, wenn man Tourismus noch hinzuzählt- von der Landwirtschaft und der Webkunst (nicht das Internet, sondern Stoffe 😀 ). Beides spiegelt sich auch in der Architektur wieder, für den Reis gibt es mehrere große Speicher im Dorf, die wahrscheinlich mehreren Generationen einer größeren Familie zusammen gehören. Ihre form ist sehr interessant, denn über dem steinernen Fundament befindet sich eine kniehohe Plattform, auf der tagsüber im schatten des eigentlichen Speichers gearbeitet, gekocht oder wahlweise auch gedöst wird. Darüber liegt auf vier Pfosten der Reisspeicher, um die Posten sind runde Holzscheiben angelegt, in etwa so groß wie eine Pizza, um Mäuse oder Ratten abzuhalten. Dann geht es durch eine Falltür auf den Boden über dem sich ein glockenförmiges, sehr hübsch anzusehendes Strohdach befindet. In den Speicher aber dürfen ausdrücklich nur Frauen, kochen ist schließlich auch nur was für Frauen…

Der „Nebeneingang“ zum Dorf

 

 

links: Wohnhaus rechts: Reisspeicher mit darunter liegender Entspannungsfläche

Dabei scheinen gerade diese für das Immage des Dorfes essentiell, denn nun kommen wir zum zweiten Industriezweig, der Weberei.

Kleine Gassen auf denen so allerlei verkauft wird

 

Hier reihen sich Webstube an Webstube, in denen sogar noch richtig antike Webstühle befinden, die man in Europa schon seit mindestens 150 Jahren nicht mehr gesehen hat. Im Prinzip sind es nicht einmal richtige Webstühle, sondern eher überdimensionierte Webrahmen für Kinder mit einem kleinen hölzernen Sitz davor. Und trotz dieser Einfachheit, vielleicht auch gerade deshalb, kommen die wunderschönsten Muster auf die farbenprächtige Tuche, die man sich nur vorstellen kann. Und alles reine Handarbeit, kein Strom, keine Maschine und kein Computer der die Muster optimiert. Was hier zählt sind Erfahrung, Können und Kreativität.

Die typischen Webstühle

 

Im Nachhinein hätte man alle Läden leer kaufen sollen, aber das kann man ja auch noch bei der nächsten Reise und etwas weniger Grundlastgepäck machen.

Herrlich oder?

 

Dann geht’s auch schon weiter auf unserer Tour, und wir merken, wir sind Neuseelandverwöhnt. Irgendwie hatte ich mir zumindest landschaftlich eine Veränderung zwischen den beiden Inseln vorgestellt, aber hier gibt’s tatsächlich genau das gleiche wie auf dem 50 Kilometer entfernten Bali – eigentlich logisch. Die Flora und Fauna sind also gleich, üppiges Grün, Palmen und Bananenstauden und natürlcih Reisfelder auf der ganzen Länge der Strecke. Was anders ist sind die Menschen. Die Leute hier sind nicht so freundlich und hilfsbereit, eher vorsichtig, zurückgezogen und etwas misstrauisch den beiden verrückten Touris, wahrscheinlich den einzigen die so etwas auf Lombok überhaupt machen.

Reisbauern bei der Arbeit

 

Das dem nicht so ist stellen wir ein wenig später an unserem nächsten Ziel fest, auf das wir uns schon sehr freuen. Es verspricht nämlich eine Pause vom Auf-dem-Roller-sitzen, uns tun beide unsere vier Buchstaben weh und wir fragen uns nach den zwei Stunden wie wir auf Bali neun Stunden mit den kleinen Biestern fahren konnten.

Nun aber zum Ziel. Es heißt Pura Suranadi. Dabei handelt es sich um eine Tempelanlage, logischer weise buddhistisch. Sie liegt mitten im Dschungel, umgeben von einer Mauer und ein paar Häuschen. Wir parken unsere Roller für ein paar tausend Rupie und machen uns dann auf zum Tempel.

Treppe zum Allerheiligsten

 

Davor ist eine kleine Baracke mit einem Wärter, bei dem wir uns wieder gegen eine kleine Summe einen Sarong ausleihen, ohne den wir nicht in den Tempek dürften. Ein Sarong ist eigentlich nur ein langes Tuch, dass man sich um die Hüfte wickelt, allerdings nicht ganz so wie ein Handtuch sondern doch etwas mit System. Da wir keine Ahnung haben wie dieses System funktioniert lassen wir ihn mal an uns rumwerkeln, lassen uns aber natürlich auch erklären, wie das wirklich funktioniert. Nach einem kleinen Hinweis den hinteren oberen Teil, der nur über eine große Freitreppe zu erreichen ist bitte nicht zu betreten lässt er uns in den Tempel.

Posing im Sarong

 

Dessen Struktur und Funktion erschließt sich uns allerdings leider ohne jemanden der uns das alles erklärt überhaupt nicht. So laufen wir ein bisschen herum, schauen uns die Steinmetzarbeiten der Schreine und die Gläubigen an, die Meditierend auf dem Boden sitzen an, werfen einen Blick in die beiden Quellen auf dem Areal die von steinernen Kesseln wie sie Miraculix benutzen würde umgeben sind, laufen ein bisschen planlos umher und wollen dann auch schon weiter. Der Tempel ist zwangsläufig nicht sehr groß, die Insel ist wie gesagt ja überwiegend muslimisch. Was aber besonders cool ist sind die Affen, die sich hier tummeln und sich zankend über das Areal jagen. Wir schauen Ihnen eine Weile amüsiert zu, dann geht es aber wirklich weiter.

Miraculix Pott und Gläubige
Äffchen

 

Nächste Station ist Mataram, die größte und zugleich Hauptstadt der Insel Lombok. Der Verkehr ist unglaublich und wir sind froh wenigstens nur auf Einbahnstraßen zu fahren, dass man wenigstens auf Gegenverkehr im Überholvorgang nicht achten muss. Die Indonesier benutzen dafür nämlich gerne mal mehr Platz als sie brauchen.

So hatten wir also auch einen Eindruck davon bekommen, was es Heist, in asiatischem Stadtverkehr zu fahren. Das tolle daran ist, dass es nicht halb so ätzend ist wie in Deutschland zu fahren, denn gerade weil sich keiner an (wahrscheinlich) nicht vorhandene Regeln hält fahren hier alle vorsichtig und passiv. Trotzdem passen wir natürlich höllisch auf und so kommen wir ein wenig später vor einer kleinen Straßengarküche zum stehen, wo wir uns ein köstliches und riesiges Mittagessen für gerade mal 15.000 Rupie schmecken lassen. Das ist sogar hier günstig, entspricht es doch nur gerade mal einem Euro.

Auch Kutschen gibt es hier noch häufig, die Glöckchen am Geschirr lassen einen immer an den Wheinachtsmann oder die Weiße Hexe aus Narnia denken

 

Dann machen wir uns wieder auf den Rückweg nach Kuta, und haben noch einen entspannten Abend.

Die nächsten Tage liegen wir dann wieder am Strand und lassen es uns gut gehen, es passiert nicht mehr viel weshalb auch lange nichts mehr geschrieben wurde.

Exakte Route,  (zuerst nach Osten)
Lombok in der Übersicht

 

2 Gedanken zu „03.-08.05. 2017 – Lombok“

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