Helensville – 2.04-4.04 2017

02.04 2017
Obwohl wir in dem Video schon darauf eingegangen sind muss doch noch einmal kurz die Geschichte des Automarktes erzählt werden, denn ohne diesen wären wir wohl vorerst nicht hier, in Helensville. 

Da der Verkauf am Samstag, den 02.04., nicht sonderlich erfolgreich war, beschlossen wir nach diesem und einem Bummel durch das uns schon bekannte Auckland unser Glück morgen noch einmal zu versuchen. Genau das wird dann auch getan.

Eine Stunde später als gestern, was an der Uhrumstellung liegt, die hier erst heute Nacht stattfand,stehen wir auf, es ist schon hell. Fix werden alle Habseligkeiten der Mädchen in unserem Auto verstaut, Backpackes, Zelt, Isomatte, etc, und dann geht’s nach Auckland, zum Carfair. Genauer nach Ellerslie, und zu genau dem, auf dem wir Hugo damals auch gekauft haben. 

Verkäufer sollen sich um acht Uhr einfinden, die ersten Interessenten trudeln um neun ein. Wir treffen auch einige Verkäufer von gestern wieder, wie zum Beispiel Inke, die wir schon in Tauranga auf dem Platz getroffen haben. Naja, nicht so richtig getroffen, mehr gesehen, aber sie hat sich an uns erinnert, eventuell auch deshalb, weil ich damals in Ermangelung von noch sauberer Wäsche (die nämlich gerade komplett in der Waschmaschine war) nur in Unterhose über den Platz gedüst bin. Und das kann man getrost wörtlich nehmen, ich hatte mal meinen sportlichen Tag…
Zumindest hatten wir so jemanden, mit dem man sich auch unterhalten konnte, während man Stunde um Stunde wartete, bis endlich mal jemand die Queen oder ein anderes Auto der immer größer werdenden Gruppe zu begutachten. Manch einer war völlig zu recht nervös, die Karre musste heute einfach weg, da der Flug übermorgen gehen würde. 

Warten auf Kundschaft

Tatsächlich war es dann kurz vor 12, besser kann man dieses Sprichwort gar nicht wörtlich nehmen, als dann eine vierköpfige Gruppe Jungs auf das grüne Gefährt der Mädchen zusteuerte. Dabei stellte sich heraus sich heraus, dass die zwei Jungs, die zur Beratung mit von der Partie waren, deutsche sind, was nicht gerade unpraktisch war. Glücklicherweise meinte der sympathische Typ es gut mit uns, und nach einem kurzen Check des Wagens empfahl er dem Franzosen Pier, der sich ein (für in wohl viel zu) kleines Vehikel kaufen wollte, sich die Queen auszusuchen. Pier war so aufgeregt und stolz ein Auto gefunden zu haben, dass er sofort den von den Mädchen vorgefertigten Vertrag ausfüllen und unterschreiben wollte. Die Beiden schauten recht perplex drein und konnten es (wie wir Jungs) auch gar nicht fassen, dass das Auto jetzt weg sein sollte. Da kam allerdings Pier zurück, und meinte, es sei wohl doch gar nicht soo ne schlechte Idee, auch mal ne Probefahrt zu machen, ob dass den OK sei?

Dagegen war natürlich nichts einzuwenden, Eva setzte sich auf den Beifahrersitz, und Pier gab Gas. Das war wohl auch das einzige was er an dem Auto testen wollte, die Beschleunigung, und so kamen sie schon wenige Minuten später wieder auf dem Parkplatz getuckert – verkauft! 
Händlerinnen und Verkäufer einigten sich auf eine Übergabe um 15 Uhr des selben Tages, wir und die Zeit bis dahin verbrachten wir mit den letzen Ausräumungen und einkaufen für diesen Abend. Wohlgemerkt nur diesen Abend, denn wer weis, wie lange man noch zusammen ist?

Danach haben sich Chris und Ich noch ein kleines „Bro-Meal“ bei Mecces reingepfiffen, und dann sind wir ein letztes Mal in Kolonne zum Hostel von Pier gefahren, was übrigens echt schön ist – zumindest von außen. Der hatte allerdings noch kein Bargeld, weshalb er kurzerhand Indie Queen verladen wurde, und von Eva zur nächsten Bank gefahren wurde – damit auch ja nicht ein Kratzer auf den letzten Metern dazu kommt. 
Zehn Minuten später war das Geld in den Händen der Mädchen, die einen ordentlichen Preis gezahlt bekamen, das doppelte dessen, was der ehemalige Händler durch die „Buy-Back“ Garantie gegeben hätte. Diese sollte eigentlich lieber, „Verschenks-zurück-damit-ich-nächstes-Jahr-nochmals-Backpacker-einen-Haufen-Geld-dafür-abknöpfen-kann-und-noch-mehr-Kohle-mit-nem-alten-Auto-verdienen-kann“ Garantie heißen, aber man hört hier eben auch Geschichten von Leuten, die ihre Autos mit steckendem Schlüssel am Flughafen stehen lassen, frei nach dem Motto, aus dem Auge aus dem Sinn. 

In unserem Fall, denn als solcher wurde er von allen angesehen, als gemeinsames Ziel, lief alles jedoch prächtig, nur stehen die Mädchen jetzt ohne Auto in Auckland.

Aber dafür haben sie ja uns, wir nehmen Sie mit zu einem nicht weit entfernten Campingplatz, während draußen die Welt untergeht. So ein Sauwetter habe ich hier noch nicht erlebt. Ganz vorsichtig schleichen wir über die Straße, die sich langsam in einen Kanal verwandelt, während uns dicke graue Wolken weitere Wassermassen entgegen schleudern. Die Mädchen freut das natürlich wahnsinnig, denn heute war eigentlich geplant, dass sie in ihrem Zelt schlafen. Über kurvige Straßen, die bei gutem Wetter sicher wahnsinnig Spaß gemacht hätten erreichen wir nach gut einer Stunde den Campingplatz in Elensville, und überlegen, in der Therme unterzukommen, auf die wir – da zum Campingplatz gehörend – 50% Rabatt bekommen. 

Glücklicherweise reist in diesem Moment der Regenguss ab, und wir stehen im Trockenen. Fix wird das Zelt aufgebaut, und wir flüchten in die Küche, um den letzten gemeinsamen Abend zu feiern. Denn bei dem Wetter wird Australien immer attraktiver…

Es gibt Ofenkartoffeln mit Quark, Sweetcorn und für Julia und Chris Cordon Bleu. Ein wunderbar leckeres Essen, aber irgendwie will keine rechte Stimmung aufkommen, da helfen weder die Probierpackung von Säften was (die teilweise absolut köstlich schmecken, andere erinnern eher an den Geruch von Papas Badesalz), noch die Flasche Cider, die heute Abend aber fast verstaubt. 

Der Tag hat uns geschafft, das Wetter ist doof, und ein bisschen wehmütig sind wir auch. Also lieber ins Bettchen, und sehen, was der nächste Tag so bringt.

03.04.2017

Und der bringt erstmals eins, gutes Wetter! Zumindest relativ. Also es ist trocken. Wir frühstücken draußen, und überlegen, was wir tun sollen. Die Australienidee scheint immer attraktiver zu werden, man ist ja eh in Sydney, warum den Flug nicht um 2 1/2 Wochen vorverlegen? Wie wäre es dort mit einem Mietauto noch auf einen Roadtrip zu gehen? Oder mit dem Bus? Durchaus Fragen, die man sich hier stellen kann, und die es eigentlich zu beantworten gilt. Deshalb leihen sich die beiden unseren Hugo, und fahren zur Library, mit der Einkaufsliste für diesen Abend, denn wir haben unterdessen beschlossen, noch eine Nacht hier zu bleiben. 

So bleiben wir mit nichts weiter als unseren Klappstühlen zurück, und merken ziemlich zügig, wie kacke es ohne Auto ist, in das man sich mal eben zurück ziehen kann, oder was zu essen heraus zaubern…

Naja, wir bleiben optimistisch und sehen das alles als Eingewöhnungsphase für die Zeit nachdem wir unser Auto gegen einen „riesen Haufen Dollars“ getauscht haben. (Das kommt aus „Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand“, man liest hier eben doch sehr viel.) 

Nach „Inferno“, was ich vor ein paar Tagen ausgelesen habe, und mit dem sich Eva zurzeit auch beschäftigt („das Buch ist so krank!“) suche ich, während die Mädchen in der Library ihre Optionen ausloten nach einem neuen Buch, dass ich dann schlussendlich auch in „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling gefunden habe. Irgendwie ansprechend, dieser Titel. Und auch passend für unsere momentane Lage. 

Ganz und gar nicht weg sind dann aber wieder die Mädchen, die mit Hugo wieder auf den Platz rollen, und der von uns erstmal kritisch auf Schäden untersucht wird. Allerdings im sitzen, und mit einem kleinen Schalk im Nacken, denn die beiden sind ja hervorragende Autofahrer. 

Dann wird der ganze Tag dösend verbracht, Chris sitzt in Campingstuhl im Schatten des Bambusbusches vorm Auto, Eva ist ins Zelt gekrabbelt und ungeplant eingenickt, und Julia und ich machen es uns auf der Matratze in unserem Bett bequem, und lesen.

Gemütlich im Auto
Mit TK Spinat gegen die schwüle Hitze

Irgendwann kommen die drei Jecken dann zu dem Schluss, dass Schluss ist mit Faulenzen, und betätigen sich sportlich, während ich erstmal noch überlegen muss, ob ich zu dem selben Schluss kommen werde. Leider dauert die Überlegung so lange wie das Sportprogramm, und im Gras zu liegen hat durchaus auch seine Vorzüge.

Zum Abendessen bereiten wir ein letztes Festmahl, obwohl wir ja gestern schon Ofenkartoffeln hatten, was absoluter Luxus ist. Kartoffeln brauchen ewig, und n Ofen hat man auch eher selten. Heute gibt es einen Nudel-Spinat Auflauf, der wirklich wunderbar schmeckt, nicht zuletzt weil man weis wie viel der wert ist (Julia und ich sind nämlich neuen Käse kaufen gegangen, der in dem kleinen Orts „G’schäfterl“ genau so teuer ist wie eine Übernachtung! 

Aber was solls, es ist heute definitiv unser letzter gemeinsamer Abend, auch wenn das keiner so wirklich fassen kann. Wir sitzen gemeinsam draußen und schauen ein letztes Mal einen Film gemeinsam auf neuseeländischen Boden, dann geht es ins Bettchen. Die schon traditionelle Gute-Nacht-Umarmung fühlt sich schon an wie ein kleiner Abschied an, was Julia empört mit einem „Ey, wir sind doch noch gar nicht weg!“ kommentiert.

04.03 2017
Der nächste Morgen ist nass. Es regnet wieder. Frühstück unter dem kleinen Dach vor der Küche. Wir überlegen uns wie die beiden nach Auckland kommen, und beziehen dabei wie zufällig das ältere holländische Ehepaar mit ein, die sehr nett sind, und zufälligerweise mit einem Viersitzer heute Richtung Auckland fahren. Natürlich werden die beiden Mädchen da besonders hellhörig, denn auf Busfahren, was der ursprüngliche Plan war, haben alle keine Lust, zumal niemand von uns vieren überhaupt weis, ob wo dieser Bus überhaupt fährt…

Das macht aber auch überhaupt nichts, denn in Folge des langen Frühstücks, (in diesem Fall begünstigt durch den starken Regen -_-) bieten sich die beiden Holländer an, Eva und Julia mitzunehmen – quasi Nachbarschaftshilfe. Als wollte irgendwer oben dass es so sein soll stoppt der Regen daraufhin für eine 3/4 Stunde, und schnell bauen sowohl Holländer als auch Deutsche ihr Zelt ab. Hugo wird entladen, der ganze Plunder kommt ins Auto nebenan. Eine letzte innige Umarmung, schon sitzen die beiden auf dem Rücksitz, und nachdem die Karte studiert wurde (ich sagte ja bereit, älteres Ehepaar) rollte das Auto los. Wir winken und sehen die beiden zurück winkend um eine Kurve biegen, dann sind sie weg, auf, nach Australien. So schnell geht das.

Und hält jetzt auch nichts mehr, zumal es anfängt wieder heftig zu gießen. Allerdings haben wir auch noch kein Ziel, und so fahren wir wie immer in diesem Fall erstmal zur nächstbesten Library, wo wir den Regen aussitzen wollen. Das klappt allerdings nur mäßig, weshalb wir um halb vier dann nach schmökern, surfen und laden uns aufraffen und losfahren. 

Recherche über ein nächstes Reiseziel 😜
Librarycat

Das Wetter ist unter aller Sau, und wir bereuen schon fast nicht mit nach Australien zu fahren. Zum Glück haben wir gestern nicht alles von dem Auflauf aufgegessen, und so müssen wir wenigstens nicht nach draußen, während irgendjemand meint hier ne zweite Sintflut vom Zaun zu brechen. 

Das ist kein Regen mehr, wir auf Tauchfahrt
Frühstück, ähm, Abendessen im Bett