06.04. – 16.04.2017 – Northland & Auckland

06.04.2017 – Mangawhai

Wie vor 2 Wochen gesagt fing es an zu regnen, und das nicht zu knapp. Es sollte nur ein Vorbote des Zyklon „Cooks“ werden, der uns unsere gesamte Zeit im Northland begleiten sollte. Glücklicherweise waren wir dort oben aber einigermaßen sicher, der Tropensturm hat uns nicht direkt getroffen. Dennoch waren die letzten Wochen so verregnet, dass wir beschlossen den Rest unserer Zeit in etwas sommerlicheren Gefilden zu verbringen. Aber eins nach dem anderen.

Relativ schnell wird uns klar, dass wir hier im Northland etwas mehr Geld ausgeben werden müssen, erstens, weil wir bei dem Wetter nicht nur im Auto sitzen wollen, sondern lieber eine warme Küche oder einen Gemeinschaftsraum, und zweitens, weil es hier zu den teuren Plätzen mit dieser Ausstattung gar keine Alternative gibt. Es fehlt einfach an gratis Schlafgelegenheiten, aber wie gesagt wollten wir diese bei dem „Wetter“ eh meiden, also alles bestens. Auf Campermate fanden wir dann DEN idealen Platz für uns, den „Riverside Holiday Park“. Der liegt im schönen beschaulichen Örtchen Mangawhai, direkt an einer geschützten Meeresbucht. Bevor wir allerdings dorthin fuhren ging es nochmal an den tollen Surferstrand, den es und ja gestern etwas verregnet hatte. Heute allerdings war das Wetter super schön, und wir fuhren an saftig grünen Auenlandhügeln zum weißen Sandstrand, wo wir unsere kaputten Campingstühle aufklappten und ins Wasser rannten.

Bisschen Sand im Hintergrund
Kurzer Schnappschuss aus dem Auto
Surfer am Surferbeach

Auch sonst hat der Surferbeach etwas zu bieten
Neusseland pur : grüne Wiese, weißer Starnd, blaues Meer und ein paar Wölkchen
Das sieht wirklich so aus!! Kein Stück bearbeitet, unglaublich!


Das war angenehm warm, und die Wellen waren gigantisch. Ist ja nicht umsonst ein Surferstrand… Denen schauten wir von unseren Plätzen am Strand gerne zu, bis uns doch etwas kühl wurde. Und Hunger hatten wir auch.

annähernd etwas, das man typisch neuseeländisch nennen kann. Aber lecker

Also nach Mangawhai, wo es einen kleinen „Foursquare“ gibt, einen dieser kleinen Dorfsupermärkte. Daneben gabs allerdings eine Imbiss-Bude, wo wir uns je eine Pastete gönnten, die ziemlich gut waren. Für Chris gabs Mincefüllung (also Hackfleisch), während ich mir eine Steak-Pepper Pastete genehmigte. Gut gesättigt gings auf den Riversite Platz, wo wir überaus freundlich begrüßt wurden.

Wir parkten unser Auto direkt am Meer und hatten eine tolle Sicht über die Bucht auf die Stadt die uns gegenüber lag. Davon hatten wir wegen des einsetztenden Regens allerdings wenig, was aber absolut nicht schlimm war, denn wir befanden uns zufällig auf dem allercoolsten Platz Neuseelands! Es gab nicht nur eine große Küche, nein sogar einen Fernsehraum UND einen Raum mit Billardtisch, Tischkicker, Airhockey und Dartscheibe! Das Allerbeste allerdings war unlimitiertes schnelles Wlan for free. Und das wurde ausgiebig den restlichen Tag genutzt und auch bis spät in den Abend. Natürlich wurde bei dieser Gelegenheit auch mit der Heimat gefacetimed.

07.04 2017

graues Whangarei
militaristische Kinderlektüre

Heute ging es nach Whangarei (da der Ortsname Maori ist wird es Fangerai ausgesprochen) weil wir ganz ganz dringend frische Lebensmittel brauchten, die waren nämlich restlos aufgebraucht. Praktischerweise lag die Stadt, die der Verwaltungssitz der Region Northland angenehm groß ist direkt auf unserem Weg, weshalb wir uns bei Pak n’ Save kräftig mit Nudeln, Reis, Pesto und Fertigsoßen eindecken konnten. Zugegeben, wir ernähren uns erheblich weniger kreativ und ausgewogen wie zu Beginn der Reise, aber Hauptsache man ist danach satt. Die Stadt selbst kam mir zumindest etwas grau in grau vor, wobei entschuldigend ergänzt werden muss, dass daran sicher auch die dicken Wolken einen erheblichen Beitrag geleistet haben. Wir schlenderten wie immer etwas durch die Einkaufsstraße, schauten uns besonders ausgiebig im Bücherladen um, der gerade dabei war seine patriotischen Bücher auszustellen. Am 25.04 wird in Neuseeland nämlich der ANZAC-Day gefeiert, der Tag an dem 1915 die ersten Truppen aus Australien, Neuseeland und Tonga in den Ersten Weltkrieg geschickt wurden. Gut, alles weitere könnt ihr ja selbst googlen, wenns euch interessiert, nur so viel, wirklich alle nehmen das total ernst, jede Stadt hisst Flaggen mit „We will never foreget“ oder „They felt for us“ und die typische Mohnblume ist überall zu sehen. Ein Bücherladen in Auckland hat das ganze auf die Spitze getrieben und ein fettes MG und leere Granatenhülsen in die Schaufenster gestellt, neben Büchern wie „Our Heroes“ und ähnlichem. Völlig andere Art mit dem Krieg umzugehen, und für mich fühlt ich das alles total falsch an.

Nachdem wir dann alle Lebensmittel eingekauft hatten gabs zum Mittagessen eine Pizza von Dominos, denn weiter nördlich gibt es keine Pizzabäcker mehr, da muss man ja fast… Gut gestärkt konnten wir unseren Weg nach Whananaki fortsetzen, wo wir wieder an einem schönen Campingplatz am Meer übernachteten. Wieder konnten wir das leider nicht genießen, Zyklon Cooks sei dank. Dafür saßen wir dann in der schnuckligen kleinen Küche und genossen unsere Pasta con Pesto.

08.04. 2017 – Hihi Beach

Heute lag ein kulturelles Highlight auf unserem Weg, ein architektonisches Meisterwerk das Seinesgleichen sucht, von dem großartigen Künstler Hundertwasser. Aber kein normales langweiliges Hunderwasser-Haus, nein, viiiel besser! Es ist…

Hundertwasser-Sofa gibts gegenüber

…Ein Klo… Nein, ihr habt euch nicht verlesen, der Ort Kawakawa rühmt sich damit eine von Hundertwasser designte öffentliche Toilette zu haben, die manch einen Touristen zum verweilen in das ansonsten stille Örtchen (Achtung Wortspiel) lockt.

Das Klo, das Klo, hast du keines bist du traurig hast du eines bist du froh

Ansonsten sind hier wie in jeder neuseeländischen Kleinstadt viele Imbissbuden, um die wir allerdings mal einen Bogen gemacht haben, und Souvenirshops. Allerdings fährt in der Stadt auch eine Dampflock, was in Neuseeland ziemlich selten ist, allein weil es kaum Schienennetz gibt.

Fast typisch

Hier nur eine alte Diesellock, dennoch sehr schön

 

<3

Kurz getankt und schon rollte Hugo weiter nach Norden, genauer Mangonui. Das war nicht unser eigentliches Ziel, aber mittlerweile hatte uns der Hunger gepackt, weshalb wir etwas über unser Ziel hinausschossen und im nächsten Ort in ein Fischrestaurant besuchten (auf dem Weg haben wir allerdings noch irgendwo bei einem Inder gehalten und eine Samosa (mit Kartoffeln und Erbsen gefüllte frittierte Teigtasche) mitgenommen. So gab es für uns beide köstlichen Hoki mit dicken Pommes und hausgemachter Mayonnaise, die wir uns bei einer tollen Sicht übers Meer und die Fischerboote sichtlich genossen. Am Hafen angelten die Einheimischen, die Möwen kreischten und gutes Essen vor einem, was will man mehr?

Warten auf den Leckerbissen

Ganz einfach, einen guten Campingplatz, und auch das sollten wir heute bekommen. Der Hihi Beach Holiday, hihi, der heißt wirklich so :D. Der liegt in der Doubtless Bay an einem Hang, in den terrassenförmig die Parkbuchten für die Autos geschnitten sind. Alles ist wunderschön von Büschen und Blumen eingerahmt und die kleinen Hütten, die man auch mieten könnte, lassen den ganzen Platz wie ein eigenes Dorf wirken. Wir suchen uns natürlich die höchste Terrasse aus um morgen eine tolle Sicht über das Meer und auf den Sonnenaufgang zu haben.

Top Aussicht

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Moooin

Dann ging es an den schönen Sandstrand, ein bisschen die Füße ins Wasser halten (so viel Zeit muss sein). Den restlichen Abend verkrümelten wir aber wegen des Regens (und auch wegen des Stroms und des Fernsehers) in die Küche, wo wir uns heute Nudeln mit Carbonara kochten. Diese konnten wir glückicherweise mit vielen vom Campingplatz gestellten frischen Kräutern aufpeppen, sonst wären es nämlich Nudeln mit Mayo gewesen 😀

schön garniert ist fast ganz schön lecker

09.04.2017 – Waiharara

Den tollen Sonnenaufgang haben wir wieder erwarten nicht verschlafen, obwohl wir gestern so lange wach geblieben sind. Fotos gibt’s allerdings trotzdem keine, denn das Auto war von immen wie immer total beschlagen. Diese dauernde Feuchtigkeit im Auto, die das Wetter noch verschlimmert wird uns nun langsam zum Verhängnis, über der Fahrertür entdecken wir Schimmel. Dort dringt wohl durch eine undichte Stelle Wasser ein, total beschissen für uns, erst recht so kurz vor unserer eh schon verfrühten Abreise, die wir nun um so mehr vorhaben. Aber was solls, mit dem Problem können wir uns auch später noch beschäftigen, jetzt geht’s erst einmal an den Ninety Mile Beach, ganz im Norden Neuseelands, genauer, ganz im Nordwesten. Der Name ist etwas irreführend – tatsächlich ist er nur 88 Kilometer (55 Meilen) lang, das tut der Schönheit dieses Ortes aber keinen Abbruch. Unser Campingplatz, „Utea Park“ den wir schon gegen Mittag erreichen liegt direkt hinter den gewaltigen Sanddünen, durch die ein kleiner Pfad direkt zum Meer führt. Da sind wir natürlich direkt hin gestiefelt, und was mittlerweile fast schon Standard ist, ist dass das Wasser weg ist – Ebbe.

Gerade am Abstürzen – ziemlich starker Wind

So verteilen sich aber immerhin die Strandbesucher bei dem wolkenverhangenen Tag auf dem in Wahrheit recht kurzen Strand noch besser. Die Kiwis buddeln nach Muscheln, wir buddeln einfach aus Spaß in dem schweren nassen Sand, und genießen den Tag. Abends verzichten wir tatsächlich mal auf Kochen, und essen lieber ein paar Toast, während wir uns mit einem Kiwi und einem Kanadier unterhalten. Ersterer kann kaum glauben, dass wir hier nie was geangelt haben, dass wir es allerdings kaum versucht haben verschweigen wir schmunzelnd. In Gedanken beim baldigen Abflug und in der Sonne sitzend versuchen wir ihm noch unsere Angel anzudrehen, die er leider dankend ablehnt. Andererseits auch kein wunder, wenn man davon 10 Stück zu Hause hat. Als die Toasts dann aufgemümmelt waren ging es zurück ins Auto, das fröhlich vor sich hingammelnd auf uns wartet.

10.04. 2017 – Cape Reinga und Whangaroa

 

Gutes Wetter, endlich. So wie wir uns das vorgestellt hatten, denn heute wollten wir zum Cape fahren, dem nördlichsten Punkt Neuseelands. Allein die Fahrt dahin war schon super, die Landschaft ist atemberaubend schön. Man fährt über die grünen Grashügel vorbei an Hügeln aus burgunderfarbener und rostroter Erde, die man an den Stellen sehen kann wo Wind und Wasser den Untergrund weggewaschen haben, und nur noch ein rutschiger Hang übrig bleibt.

Das raue Wetter stellt ganz besonders strenge Anforderungen an die Fauna, weshalb man, je nördlicher man sich befindet, immer mehr Buschwerk, Gräser und Farne aber weniger Bäume und Weide sieht. Allein die Fahrt dahin hat mir schon sehr viel Spaß gemacht, auch, weil die Sonne mir uns um die Wette strahlte. Schließlich kamen wir nach gut einer Stunde auf dem großen Parkplatz an, der aber nur sehr wenig belegte Plätze hatte. Man merkt mittlerweile richtig, dass es Winter wird, denn immer weniger Leute tummeln sich an den Attraktionen, zu denen das Cape Reinga zweifellos gehört. Ein breiter asphaltierter Weg windet sich die letzten Meter über die Hügel zum Cape, an dessen Spitze ein kleiner weißer Leuchtturm tapfer dem Wind trotzt. Davor steht ein Pfahl auf dem diverse gelbe Schilder in jegliche Richtung zeigen, beispielsweise Bluff (dem südlichsten Ort Neuseelands und 1452 km weg), London, Los Angeles, Sydney und und und. Außerdem treffen sich an diesem Ort die Tasmanische See (im Westen) und der Pazifik (logischerweise dann im Osten) direkt vor dem Leuchtturm, was schäumende Wellen mitten im Meer erzeugt. Für die Maori stellt das ganze Areal ihr wichtigste Heiligtum dar und viele Schilder weisen auf den bedeutungsschweren Ort hin. Laut Legende reist nämlich jede tote Seele zum Cape um dort über die Wurzeln des 800 Jahre alten Pohutukawa-Baum, der ganz einsam auf dem blanken Fels wächst, in die Unterwelt zu wandern. Der Baum stellt die letzte Station der Seele in der Welt der Lebenden dar, die nun auf dem „Geisterweg“ zu Ihrem Heimatland Hawaiki unterwegs sind.

Vor dem letzten Berg ganz schwach zu erahnen, der einzige Baum weit und breit

Bevor sie dort allerdings ankommen schauen sie auf den Drei-Königs Inseln ein letztes mal zurück auf das Festland. Die Inseln heißen übrigens so, weil Abel Tasman diese am 6. Jannuar 1643 entdeckt hatte und sind heute schwach am Horizont in 8 Kilometer Entfernung zu erahnen.

Wichtig sind auch die heute ausgetrockneten Te Waiora-a-Tāne Quellen, was soviel bedeutet wie „das lebende Wasser Tane“, deren Wasser in Beerdigungsritualen in ganz Neuseeland genutzt wurde.

Das zum Thema Völkerkunde für heute, weiter geht’s mit Sport. Ganz in der Nähe, in der Mitte des Ninety Miles Beach wird nämlich Sandboarding angeboten, von dem wir auf unseren Reisen schon viel gehört hatten (eine Arbeitskolegin hatte sich hier zum beispiel in ihrer ersten Woche das Schlüsselbein gebrochen). Das musste natürlich ausprobiert werden!

Für 15 Dollar mieteten wir uns ein Board bei einer netten Dame im Bauwagen (man fühlt sich zu recht an Peter Lustig erinnert) und stapften die gewaltigen Sanddünen hinauf. Gewaltig ist in diesem Fall keineswegs übertrieben! Man fühlte sich als wäre man bei einem Kurzurlaub in der Sahara, nur wars nicht so heiß. Oben angelangt trafen wir auf eine Dreiergruppe deutscher Mädchen, die sich nicht so richtig den steilen Hang hinunter trauen wollten. Was eine Chance sich zu profilieren…

Mutig rutsche ich den Hang hinunter, doch plötzlich dreht sich das Brett um hundertachtzig Grad, ich schlittere rückwärts weiter, bis das nun hoffnungslos schlingernde Brett mich schließlich abwirft und ich mich wie ein Stockcar überschlagend die Düne nach unten sause. Super! Das hat Spaß gemacht!

Natürlich hat dieser etwas peinliche Auftritt die Mädels noch mehr davon überzeugt, es mir gleich zu tun. Ich grinse mit einem halben Kubikmeter Sand im Gesicht wie der Sandmann als sie sich schließlich doch trauen.

Wir rutschen dann noch eine Weile weiter, bis wir den Dreh raus haben und gerade hinunter kommen, während die Gruppe schon nach dem ersten mal keine Lust mehr hat. Schließlich sind wir von der anstrengenden Kletterei auf die Dünen aber so fix und fertig, dass wir uns nur noch in dem kleinen Bach provisorisch säubern und uns dann auf den Weg zum Campingplatz machen.

Dabei fahren wir durch ein Örtchen namens Awanui, in dem ein Laden steht der Möbel und andere Gebrauchsgegenstände wie Schneidebretter aus Kauriholz verkauft. Der Kauri ist ein gigantisch großer unter Naturschutz stehender Baum soweit ich weiß, zumindest wurde dieser dort verkauft. Das besondere an diesem Laden ist dessen Wendeltreppe in den ersten Stock. Diese besteht nämlich aus einem kompletten Baum, in den man die Stufen geschnitten hat!

Etwas später kamen wir dann auf unserem Platz in Whangaroa an, wieder direkt am Meer, wieder am Strand und wieder mit toller Aussicht.

11.04 – 14.04 2017 – Mangawha

 

 

Die folgenden drei Tage verkrochen wir uns auf den Riversite Holiday Park, und verstießen damit gegen den ursprünglichen Plan, an der Westküste des Nothlands wieder nach unten zu fahren. Da aber die Heimatschutzbehörde (oder wie man das auch übersetzten mag) ausdrücklich vor dem Eintreffen des Zyklons „Cooks“ (der davor hieß anders, Fehlinfo) in dieser Zeitspanne gewarnt hatte, wollten wir wenigstens auf einen guten Campingplatz. Dass es unlimitiertes Internet gibt ist da doch ein positiver Nebeneffekt. Nachteilig ist daran allerdings, dass man die kompletten drei Tage im Internet hängt, und nichts zu Potte bekommt. Bei dem Sauwetter wäre das allerdings eh unmöglich.

Verregneter Riversite Campground

So amüsiert man sich fleißig, bis nach drei Tagen das Wetter endlich wieder schön wird. Gerade rechtzeitig, dann langsam wurde es so langweilig, dass man sogar beginnt Pipi Langstrumpf auf holländisch zu schauen (sehr zu empfehlen, wird umso lustiger).

Die Route von Cooks

Nun gilt es sich dem Schimmelproblem anzunehmen, denn dieses Wochenende wollen wir Hugo zum Verkauf anbieten. Ihn ins Internet zu stellen, und schon einmal im Voraus ein paar Angebote einzuholen, dafür sind wir schlichtweg zu faul. Wir werden sehen, was dabei herauskommt und verlassen uns mal wieder auf unser Glück. Da es nun endlich trocken ist gehen wir den Flecken in unserem Auto mit Teppichreiniger, den wir zuvor auf dem Weg nach Süden in Whangarei gekauft hatten, an den Kragen.

Wie neu
Frühstück bei herrlichem Wetter

Die Ergebnisse sind mehr als zufriedenstellend, und so fahren wir am Donnerstag den 14.04 wieder nach Auckland, genauer zum Campingplatz „Myrphys Law“ wo wir ja schon vor zwei Wochen mit den Mädchen waren. Allerdings ist Gründonnerstag, die Kneipe und damit auch der Campingplatz haben geschlossen…

 

Tja, was machen wir jetzt? Morgen ist der Carfair in Auckland, da müssen wir hin! Egal, kühlen Kopf bewahren und erst einmal das Auto bei der Tankstelle säubern, wie wir das auch geplant hatten. Glücklicherweise hat der Supermarkt neben dem Pub ein großes Vordach, unter dem wir unser Auto entladen können, denn es beginnt wieder zu regnen, wenn auch nicht all zu kräftig. Die nächsten Stunden verbringen wir damit, unsere Habseligkeiten aus dem Auto auf den Bürgersteig zu verfrachten, zu sortieren und wegzuwerfen, was nicht mehr benötigt wird. Und da sammelt sich ein ganzer Haufen an, und die Passanten schauen interessiert zu, was die beiden Jungs da für ein Chaos veranstalten. Schließlich ist das ganze Auto ausgeschlachtet, und ich fahre zu der Tankstelle, die ein paar Meter weiter liegt, während Christoph auf unseren Hausrat aufpasst. Es braucht zwei Durchgänge mit dem Staubsauger, bis das Ergebnis zufriedenstellend ist, das Auto ist sauberer als wir es je gesehen haben!

Nun kommt der viel nervigere Teil: Ordnung schaffen. Aber auch das gelingt uns zu unserer vollsten Zufriedenheit und Hugo ist so aufgenonnert, dass er einfach gekauft werden muss!

Gut jetzt müssen wir nur noch das Problemchen mit der Übernachtung regeln… Die nächste Option ist uns schon bekannt, und wir finden sie sogar richtig klasse, weil sie unseren Kreis in Neuseeland schließen wird. Wir machen uns auf den Weg und kommen ein wenig später beim Te Kauwhata Rugby Football Club an. Das ist der Campingplatz, auf dem wir unsere aller erste Nacht im Auto verbracht haben, dem Ort an dem alles begann. Was für ein schöner Moment, uns vor unserem geistigen Auge hier aufgeregt sitzen zu sehen, ohne zu wissen was uns in den kommenden Monaten erwarten wird. Natürlich stellen wir uns auch auf die exakt gleiche Position wie vor viereinhalb Monaten und schlafen glücklich ein, in Gedanken schon bei den nächsten Abenteuern.

 

15.04. 2017 – Auckland

 

 

Um 5:45 Uhr ist Schluss mit schlafen, wir müssen auf den Automarkt! Und da der 70 Kilometer weiter weg liegt, müssen wir etwas früher raus als sonst. Die Stimmung ist gut, auch wenn es sich etwas seltsam anfühlt, dass Auto möglicherweise schon in ein paar Stunden nicht mehr zu haben. Damit das so kommt veranschlagen wir den Preis von 2.900$ und hoffen das Beste.

Fahrt nach Auckland

Das unser Auto wohl doch ganz gut zu verkaufen ist bemerken wir extrem schnell. Da wir sehr früh da sind, und der Markt noch nicht einmal geöffnet hat gibt es nur ein anderes Auto auf dem kleinen Parkplatz, auf dem auch die beiden Mädchen damals ihr glück versucht hatten. In diesem einen Auto saß praktischerweise ein Händler, der uns umgehend 2000$ bot, und uns somit von den 30$ Gebühr erlösen wollte, die sonst an den Markt hätten abgetreten werden müssen. Tatsächlich zögern wir, 1000$ für jeden war unsere Schmerzgrenze, die wir während der fahrt festgelegt hatten, das Auto wäre weg und wir hätten keine Sorgen mehr…

Was uns allerdings stutzig macht ist der unfassbar kurze Zeitraum, in dem dieses Angebot kam, denn bei den Mädchen hatte sich auf diesem Markt damals kein einziger für das Auto interessiert. Kann es sein das unser Auto doch besser zu verkaufen sein soll wie erwartet?

Deshalb schlagen wir das Angebot vorerst aus, in der Hoffnung keinen Fehler begangen zu haben. Dass dem nicht so ist wird uns schnell klar. Wirklich jeder dieser schmierigen Händler will unser Auto haben. Insgesamt 8 Personen interessieren sich dafür, und wollen bis zu 2.200$ zahlen. Das ist uns mittlerweile aber nicht genug, wir bleiben stur und versuchen mehr herauszubekommen.

So vergehen die Stunden und wir beginnen uns mit unserer Konkurrenz, den neben uns Parkenden anzufreunden. Als Konkurrenz wird diese aber nicht betrachtet, viele müssen ihren Wagen an diesem Wochenende verkaufen, da ihr Rückflug teilweise schon in zwei Tagen geht. Wir nehmen den Verkauf sehr lässig, wenn es dieses Wochenende nichts wird, dann eben nächstes. Denn das wir unser Auto jetzt nicht mehr für 2000$ hergeben, dafür hat das immense Interesse der Händler zweifellos gesorgt.

Der Vorteil sich mit anderen Backpackern zu unterhalten sollte niemals unterschätzt werden, denn diese haben meistens extrem gute Geheimtipps. So auch heute, unser Nachbar Alex, der auch einen Estima verkaufen will, zeigt uns wo er in Auckland legal wildcampt. Das ist super, denn es erspart uns frühes Aufstehen und die Rumgurkerei am morgen, denn mittlerweile ist klar: wir verkaufen Hugo morgen nicht für unter 3000$!

Der Wildcampingplatz ist super, denn er ist ein Parkplatz vor einer Bücherei, das heißt natürlich Internet 4 free. Noch besser allerdings ist, dass in der Bücherei auch heiße Duschen sind. Kaum zu glauben, aber so konnten wir gratis schlafen und duschen und on the Top noch Internet. Dafür zahlt man sonst ein Vermögen…

Guter Dinge geht es dann ein hoffentlich letztes Mal ins Auto um zu schlafen.

 

 

16.04 2017 – Auckland

 

Heute konnten wir dank der guten Lage unseres Schlafplatzes wesentlich länger schlafen. So standen wir um viertel vor 8 am Hauptportal des Marktes in Ellerslie, wo wir damals auch Hugo gekauft hatten, bezahlten die Gebühr und bekamen einen guten Platz am oberen Ende des Parkplatzes. Die Händler von gestern, die natürlich auch heute wieder auf Beutezug sind, schauen ganz schön doof aus der Wäsche. Was steht da auf dem Papier? 3500$!

Ganz genau. Im Gegensatz zu allen anderen Verkäufern sind wir nicht 600$ runter, sondern 600$ rauf mit dem Preis. Die dummen Gesichter waren herrlich.

Leider lagen wir nun allerdings außerhalb des Intessenspektrums der Händler, kaum einer wollte nun noch etwas von unserem Hugo. Die Stunden vergingen, und der Optimismus vom Vortag verflog langsam. Innerlich hatten wir uns schon damit abgefunden, noch eine weitere Woche in Neuseeland zu bleiben. Es war nun 1Uhr und damit war der Markt schon seit einer Stunde zu, als doch noch zwei Backpacker auftauchten, ein Paar dass sich den Wagen vor zwei Stunden schon angesehen hatte. Nun waren sie zurück und Peter unterzog dem Wagen einer gründlichen fast einstündigen Prüfung, während sich Eva mit uns unterhielt, Tipps für ihre Reise bekam und sich dafür entschuldigte, dass das so lange dauerte. Dafür hatte wir natürlich vollstes Verständnis, mussten allerdings doch insgeheim sehr über die Prüfung lachen.

Den Vogel schoss Peter mit der Frage ab, was denn da aus dem Auspuff käme?

Kurzum, der Typ hatte keine Ahnung! (Die Flüssigkeit ist übrigens Kondenswasser…)

 

Das war aber nicht unbedingt ein Problem für uns, denn den vor anderthalb Wochen zugezogenen Steinschlag hat er nämlich trotz langer Prüfung nicht entdeckt. War waren mal so frei ihn nicht darauf hinzuweisen… Nach einer furchterregenden Testfahrt auf dem abgesperrten Parkplatz, wo Notbremsungen und Kurvenfahrt von Peter getestet wurden und einer Fahrt auf dem Highway um zu testen wie die Beschleunigung ist (und bei der er zu meiner Erleichterung mich hat fahren lassen) war uns klar, das Auto kommt doch noch weg.

Und so ist es auch, um 2:30 Uhr wird Hugo für 3.300$ verkauft, den kleinen Abzug gibts für die Hinterräder, die komplett abgefahren sind. Jetzt gibt es nur noch eine Hürde, und zwar die Ummeldung auf die neuen Besitzer. Das ist normalerweise gar kein Problem, man füllt ein winziges Formular aus, gibt dieses beim Postshop ab und fertig. Heute allerdings nicht, denn es ist Ostersonntag, selbst im sonst so kundenfreundlichen Neuseeland, an dem alles Sonntags offen hat ist an Ostern ausnahmsweise mal alles zu.

Das ist aber nicht weiter tragisch, machen wir den Papierkram eben morgen. Wir fahren sehr glücklich zurück zur Libray und buchen schon mal unseren Flug nach Bali für Donnerstag.